Vorbereitung
Gemach mein Schmerz und rege du dich minder
Der Abend den du anriefst sinkt und glückt
Dunkelheit umhüllet die Stadt gelinder
Die jenen friedlich macht und den bedrückt
Und wenn der taube Schwarm der Menschenkinder
Daß er sich Reu in seinen Freuden pflückt
Von Lust gepeitscht wird seinem argen Schinder
Gib mir die Hand mein Schmerz laß uns entrückt
Gewahren wie sich von Altanen droben
Die alten Jahre neigen in den Roben
Wie lächelnder Verzicht sich aufhebt aus der Flut
Die Sonne durch den Brückenbogen gleitet
Und wie ein Leichentuch das überm Osten ruht
Vernimm vernimm sie doch die süße Nacht die schreitet
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Der Rebell
Ein Engel bricht im Zorn auf ihn herein
Ins Haar des Zweiflers fährt er lichterloh
Und schüttelt ihn: Du wirst gehorsam sein
Denn ich bin dein Patron: ich will es so
Dir obliegt Liebe ohne Mienenzerren
Zu Armen Schlechten Krüppeln Idioten
Daß wenn er nahet Jesus deinem Herren
Sei deines Mitleids Teppich dargeboten
Liebe ist dies Eh du verfällst inwendig
Mach dich an Gottes Glorie neu lebendig
Das ist der Lust beständiges Gesicht
Der Engel züchtigt wie er liebt im treusten
Und zwingt den Rebell mit Riesenfäusten
Doch stets spricht der Verdammte: ich will nicht.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
‹Der Mahner›
Der Mann der wert ist es zu sein
Hat eine gelbe Natter wohnen
Im Herzen; dort weiß er sie thronen;
Auf sein »Ich will!« verfügt sie: »Nein!«
Senk deine Blicke in die graden
Der Satyrfraun und der Najaden
Der Zahn sagt: »Was hast du vollbracht?«
Erzeug dir Kinder, setze Pflanzen
Behau den Marmor, feile Stanzen
Der Zahn: »Erlebst du noch die Nacht?«
Was er auch plant, wonach er bange
Ihm flieht kein Augenblick so schnell
Es ist mit ihrem Spruch zur Stell
Und mahnt ihn die verhaßte Schlange.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Trauriges Madrigal
I
Was kann mir gelten deine Heiterkeit
Schön und betrübt sei du den Wangen
Sind zarte Tränen ein Geschmeid
So wie ein Strom dem Lande breit
Nach Wettern sieht man Blumen prangen
Ich liebe dich will Heiterkeit verhauchen
Auf deiner Stirne die zur Qual erlesen
Dein Herz sich ewig in Entsetzen tauchen
Und über deine Gegenwart sich bauchen
Die grause Wolke des »Gewesen«
Ich liebe dich wenn nie der Strom versiegt
Aus deinem großen Auge heiß wie Blut
Und wie auch meine Hand dich wiegt
Die schwere Bängnis dir obsiegt
Aufstöhnt wie Todeswut
Ich schlürfe wie gewaltige Lüste
Dich große Hymne die erfreut
Die Seufzer alle deiner Brüste
Weiß daß dein Herz erstrahlen müßte
Von Perlen die dein Auge streut
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die Stimme
An meine Wiege stieß der Saal mit Bücherbrettern
Das finstere Babylon wo Märe Epopoe
Und Weistum, Latiums Staub und Hellas Schutt in Lettern
Vereint. Ich maß damals ein Folio in der Höh.
Zwei Stimmen redeten mich an. Von einer leisen
Sehr sichern kams: »Ein süßer Kuchen ist die Welt;
Ich könnte (und dann ist dein Glück enorm zu preisen)
Tun, daß Begehrlichkeit von gleichem Maß dich schwellt.«
Die andre aber: »Folg o folg mir in die Lande
Des Traums, des Unerhörten, ja der Unnatur!«
Und diese sang so wie der Seewind überm Strande
Ein irrendes Phantom, wer weiß woher es fuhr;
Wohl schmeichelt es dem Ohr, doch Zittern machts im Grunde.
Dir rief ich zu: »Ja süße Stimme!« So beschwor
Ich was an mir ihr nennen möget meine Wunde
Und meinen bösen Stern. Denn hinter dem Dekor
Der Existenz, zutiefst im unermessnen Grabe
Zeigt mir das fremdeste der Weltsysteme sich;
Nun zieh ich Opfer meiner eignen Sehergabe
Ein Schlangenknäuel mit und fühle Stich auf Stich.
Und es geschah seitdem daß so wie die Propheten
Weltmeer und Wüste innig ich geliebt
Und muß zur Feier trüb zum Lachen trauernd treten
Und daß der herbste Wein für mich noch Süße gibt;
Daß oft als Lüge mir erscheinen will das Neue
Und daß ich strauchle, weilt mein Blick am Firmament.
Doch tröstend sagt die Stimme: »Halt dem Wahn die Treue
Hast du doch Träume wie der Kluge sie nicht kennt!«
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Der Untergang der romantischen Sonne
Wie schön ist Sonne taucht sie frisch empor
Gleich sprengendem Geschoß zum Morgengruße
Begrüßt ihr Sinken in der Träume Chor
Ich weiß noch alles Blumen sah ich Häge
Vor ihrem Blick erbleichen selbst die Quelle
Zum Horizonte läuft’s ist spät lauft schnelle
Um noch zu haschen eines Strahles Schräge
Ich folge doch umsonst dem Gott der flieht
Weil unbesiegte Nacht das Reich bezieht
Schwarz feucht verderblich wo die Fröste hecken
Ein Grabesruch schwimmt überm finstern Land
Mein zager Fuß tritt an der Sümpfe Rand
Auf jähe Kröten und auf kalte Schnecken.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die Reise
III
Erstaunliche die fahren welche Mären
Erlest ihr in der Augen tiefem See
Reicht Schätze uns Gedächtnis zu gewähren
Blendenden Stein aus Sternen Luft und Schnee
Wir wollen sonder Dampf und Segel ziehen
Laßt nur erfragen die zur Kammer kamen
Auf unser Herz wie weißes Tuch gediehen
Erinnerung in der Horizonte Rahmen
Was saht ihr sagt?
VIII
Tod alter Steurer löse das Tau bereit
Dies Land ist Gram o Tod die Anker lichtet
Sind schwarz wie Tinte Meer und die Wolken breit
Besser das Herz kennst du das im Hellen schlichtet
Du schenke uns dein Gift das wohl uns stärke
Wir wollen so sehr brennt im Hirn dies Feuer
Zum Schlund hinab ob Höll ob Himmels Werke
Zum Unbekannten tauchend Neuem neuer.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Der Tod der Liebenden
Es werden tief im Dufte stehn die Betten
Divane wo wir wie in Gräbern wohnen
Und seltne Blumen auf erhöhten Stätten
Für uns erschlossne unter schönen Zonen
Zur Lust verleuchtend ihre Glut die letzte
Zwei Herzen werden große Feuer sein
In deren Glut gedoppelt sich benetzte
Der Zwillingsspiegel Geist im Widerschein
Ein Abend Rosa baut und heimlich Blauen
Wir werden tauschen jenes helle Schauen
Wie letztes Schluchzen das den Abschied beut
Später ein Engel in der Türen Spalten
Eintreten wird belebt treu und erfreut
Spiegel so blind und Flammen die erkalten.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die barmherzigen Schwestern
Wollust und Tod das sind zwei Mädchen fein
Mit Küssen schwellend reicher Säfte mächtig
Den keuschen Schoß in Lumpen hüllen ein
Der ward in ewgen Wehen niemals trächtig
Dem Dichter feind dem Haus im Traurigsein
Günstling der Höllen armem Höfling schmächtig
Grab und Bordell zeigt ihm im Buchenhain
Ein Bett drin wühlte nie Gewissen nächtig
Und Sarg und Lager geil bei Fluch und Schwarm
Uns reichen wechselnd wie barmherzge Schwestern
Gräßlicher Süße und Genüsse Lästern
Wann scharrt mich Wollust ein dein pestiger Arm
O Tod wann du in gleicher Reize Gürten
Zypressen schwarz pfropfst über faule Myrten?
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Die Zerstörung
Ohn Ruh noch Rast der Dämon mich berennt
Er schwimmt um mich gleich leerem Hauch abgründig
Ich saug ihn ein der meine Lungen brennt
Füllt sie mit Sehnen ewiglich und sündig
Bisweilen wählt kund großer Lieb zur Kunst
Er die verführerischste Form der Frauen
Und unter Sprüchen liebt scheinheilger Gunst
Gemeine Tränke meinem Mund zu brauen
Er führt mich so weitab vom Aug des Herrn
Den Stöhnenden vom Schlaf Zerbrochnen fern
Zum Anger Langerweil öd und geheim
Und wirft in meine Augen voll Betörung
Befleckt Gewande offner Wunden Schleim
Und blutenden den Schemen der Zerstörung.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Der Wein des Einsamen
Der sehr verschwiegne Blick der Kurtisane
Der auf uns gleitet gleichend dem Erblassen
Lüsternen Monds im welligen See gelassen
Die Schöne badend ganz von Scham enttane
In Spielers Hand der letzte Louisdor
Ein frecher Kuß der schmächtigen Adele
Musik die träge schläferte die Seele
Gleich fernem Menschenschmerz aufschreit zum Ohr
Erkaufet doch nicht dich o Flasche räumig
Voll strengen Balsams so im Bauche schäumig
Wahrst welkem Herz des kindlichen Poeten
Einschenkest du ihm Hoffnung Leben Jugend
Und Hochmut den Schatz und die Bettlertugend
Die uns groß macht gleich Göttern zu denen wir beten.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die Wanduhr
O Wanduhr! finstres Numen du und ungerührtes
Dein Finger weist auf uns und sagt: »Erinnre dich!
Nicht lange und dein Herz erkennt mit jedem Stich
Der Schmerzen sich als Ziel und jeden Pfeil verspürt es;
Und dann verziehet Lust – ein Rauch am Himmelsrand
(Die Sylphe flüchtet so ins Dunkel der Kulisse)
Jedwedem schmälert Zeit mit einem jeden Bisse
Den Bruchteil vom Genuß den Gott ihm zugestand.
Es zischt dreitausendundsechshundertmal von droben:
Erinnre dich! die Stunde. – Eh du’s meinst
Zirpt Gegenwart wie ein Insekt: Ich bin das Einst
Und hab mit eklem Rüssel Blut aus dir gehoben.
Remember! denk’s! zuviel! esto memor!
(Denn mein metallner Mund ertönt in allen Zungen.)
Wie Stollen, Erdenwurm, in die du eingedrungen
Sind die Minuten. Hol das Gold daraus hervor!
Erinnre dich daß Zeit im Spiel auf Vorteil sinnet.
Sie macht (und ohne Trug), so gilt es, jeden Stich!
Es sinkt der Tag; die Nacht wächst an; erinnre dich!
Den Abgrund dürstet stets; die Wasseruhr verrinnet.
Bald schlägt die Stunde wo das Glück, dein hoher Gast
Wo Tugend, dein Gemahl, des Bett du niemals teiltest
Wo Reue (das Asyl das du zuletzt ereiltest)
Dir zuruft: Greiser Fant! nun stirb! es ist verpaßt!«
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Frohsinn des Toten
In fettem Erdreich das voll Schnecken steckt
Will ich mir selbst die tiefe Gruft bestellen
Wo ich den Schlaf der meine Knochen streckt
Im Nichtsein schlummre wie ein Hai in Wellen.
Ich hab nicht Grab noch Erbschrift im Respekt;
Eh ich besorgte daß mir Tränen quellen
Lud ich noch heute wenn ich einst verreckt
Die Raben meinem Aas sich zu gesellen.
O Würmer! augenlose schwarze Freunde ihr
Euch naht ein Toter leicht und froh in mir;
Bedachte Schlemmer, Söhne der Zersetzung
Durchquert mein Haus von Skrupeln unbedroht
Und sagt mir ob noch fernerhin Verletzung
An den Kadaver rührt der nun mit Toten tot.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die Katzen
Geliebte voller Gluten und die strengen
Die Denker lieben in den reifen Stunden
Der prunken Katzen hochmutvolle Runden
Die fröstelnd so wie sie am Hause hängen
Der Weisheit freund und freund den großen Lüsten
Die Stille suchen sie und grauses Dämmern
Es hätte Erebos zu finstern Rennern
Erwählt die Stolzen wenn von Dienst sie wüßten
Im Sinnen wählen sie die edlen Lagen
Von Sphinxen die gestreckt im Öden ragen
Als hätte sie ein Traum in Schlaf gebannt
Von magischen Funken strotzen ihre Seiten
Und Zellen Goldes wie ein feiner Sand
In ihren runden Augen heimlich gleiten.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Der Geist
Wie die Engel mit Augen fahl
Wo du schlummerst kehr ich zum Saal
Und will dir zur Seite sacht
Gleiten mit den Schatten der Nacht
Und dir werd ich du dunkle Blonde
Küsse geben kalt wie vom Monde
Und dazu Gestreichel von Schlangen
So um eine Grube rangen
Naht der Morgen im Erblinden
Mich am Ort wirst du nicht finden
Frost wird dort bis Abend hausen
Wie die andern mit der Zärte
Über deine junge Fährte
Herrschen will ich durch das Grausen.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Sisina
Dianen denkt im Prängen schimmervoll
Durchstürmend Wälder spürt in Büschen krachend
Windwärts Gelock und Brust vom Toben toll
Hoffärtig und der besten Herren lachend
Saht ihr Terogen die Schlachten liebt im Groll
Zum Aufruhr den barfüßigen Pöbel fachend
Wang Aug im Feuer während Tod ihr scholl
Rasenden Schwertstiegs Königstreppen dachend
Seht so Sisina doch die sanfte Wilde
Eint mörderischem Mut so süße Milde
Ihr Sinn verstört von Dampf und Trommelschlägen
Tief senkt vor Flehenden das gewöhnte Schwert
Und ihr Herz wüst von Flammen in den Gehegen
Tränenquellen birgt jenem der Tränen wert.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Einer Madonna
Ex-voto im spanischen Sinne
Gewähre daß ich dir Madonna meiner Fraue
In Krypten meiner Qual den Hochaltar erbaue
Und gründe wo zutiefst mein finstres Herze wüst
Fern von frivolem Blick und weltlichem Gelüst
Die Wölbung welche ganz von Himmelblau und Golde
In der du thronen sollst Gewaltige und Holde.
Von lauterem Metall sind Verse mein Geflecht
Das ich mit Reimen von Kristalle kunstgerecht
Zu deines Hauptes großer Krone vorbereite;
Und dann trägt meine Brunst, du tödlich Benedeite
Für den barbarischen und schweren Umhang Acht
Darinnen dich umstarrt ein Futter von Verdacht;
In ihm soll sich dein Charme als wärs in Schanzen wähnen;
Nicht Perlen säumen ihn, nein alle meine Tränen!
Und deine Robe sei mein Wunsch der nach dir drängt
Der wogende, mein Wunsch, der schwillt und der sich senkt
Der sich auf Gipfeln wiegt und in den Tälern rastet
Und kosend all dein Weiß und Rosenrot betastet.
Ich mach dir schöne Schuh aus meiner Devotion
Von Seide, die dein Fuß erniedriget zum Lohn
Den haben sie gemach in ihren Druck geschlossen
Und wahren treu sein Bild als wär es abgegossen.
Und ist all meine Kunst und Mühe nicht im Fall
Dir einen Silbermond zu leihn zum Piedestal
So sei die Schlange die mein Innres beißend ätzet
Dir, Triumphierende, zum Thronstieg vorgesetzet
Das Ungeheuer dir, Erlöserin, auf daß
Geschmäht und abgetan sein Geifern und sein Haß.
Sieh an mein geistig Werk das ich wie Kerzen stelle
In der erlauchten Magd bekränzte Weihkapelle
Wie rings sein Widerschein bestirnt der Wölbung Blau
Erglühet dir allein die Lohe seiner Schau;
Und weil in mir für dich nur Minnen und Verehren
Werd ich mich ganz in Myrrhn Benzoe und Weihrauch kehren;
Zu deinem Gipfel drängt, der strahlend und vereist
In Schwaden rastlos und gewitterschwer mein Geist.
Zuletzt, auf daß du ganz vollendet gleichst Marien
Und Grausamkeit in mir der Liebe gleich gediehen
Mach ich in Henkersbrunst doch voll Gewissensqual
Der Dolche sieben aus der Sünden Siebenzahl
Die reih ich teilnahmlos, nicht anders als jonglierend
Und deiner Liebe in ihr Innerstes visierend
Heft ich sie alle in dein Herze welches klopft
In dein Herz welches schluchzt in dein Herz welches tropft.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Herbstgesang
I
Bald werden wir in kalte Nebel fahren
Erlisch lebendges Licht in unsern Hallen
Schon hör ich überall in dumpfen Scharen
Die Scheiter in die breiten Höfe fallen
Ganz wird der Winter meinen Sinn bedecken
Mit Haß und Schauder Zorn und arger Not
Und wie die Sonne in der Pole Schrecken
Erstarrt mein Herz zum Block von eisigem Rot
Mit Frösteln hör ich fallen jeden Ast
Nicht dumpfer tönt die Richtstatt die man baut
Mein Geist fällt wie der Wartturm vor der Last
Des Widderstoßes der ihn täglich haut
Mir aber ist gewiegt wie im Geläute
Man nagelt einen Sarg im Erdenschoß
Für wen? War gestern Sommer Herbst ist heute
Dies trübe Raunen klingt wie Aufbruch groß.
II
Wie ist deiner Augen grünlicher Schimmer mir wert
Sanfte Schöne, doch heute brennt alles mich sehr
Und deine Liebe nicht, nicht Gemach oder Herd
Kommen der Sonne mir gleich wenn sie strahlt auf das Meer.
Dennoch sei du mir Mutter, mein Wesen, sei gut
Bleib es dem Undankbaren, ja bleib es dem Bösen;
Schwesterlich oder entbrannt, sei die flüchtige Glut
In die Herbst und sinkende Sonne sich lösen.
Nicht auf lange! Das Grab steht wartend bereit
Nimm meine Stirn, überlaß mich zu deinen Füßen
Trauervoll denkend der weißen der sengenden Zeit
Nun dem Strahle des Spätjahrs, dem gelben und süßen!
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Unterhaltung
Herbsthimmel bist du rosa und klar verbrämt
Doch aufsteigt Traurigkeit mir wie Meer im Innern
Und läßt verebbend zurück meinen Lippen vergrämt
Von bitterm Schlamm so kochendes Erinnern
Umsonst berührst du meine vergehende Brust
Dein Finger Freundin streift auf verwüsteten Straßen
Von Klauen verheert und vom Zahne der Weibeslust
Suche mein Herz nicht mehr das die Tiere fraßen
Mein Herz das Schloß durchwühlet von Pöbelhänden
Voll Unzucht Mordtat steht und des Streites Schrille
O Duft den deine nackten Brüste mir spenden
Dies Schönheit ist – du Geißel der Seelen dein Wille
An deinen Augen Gluten der Feste die thronten
Die Lumpen verbrenne du so die Tiere verschonten.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Geistige Morgenröte
Wenn über Prassern weiß und goldnes Tagen
Gedenken trägt in Händen der Idee
Erweckt geheim ein rächerisches Weh
Des Engels Aug im Tiere aufgeschlagen
Der Geisterfüllten Himmel fernster Schein
Beruft den Menschen den der Alb noch drücket
Wie Abgrunds Licht den Stürzenden beglücket
So teure Göttin Wesen keusch und rein
Auf rauchgem Rest der Schwelgerei die lüstert
Gedenken dein viel rosiger und schöner
Schwebt über meinen Blicken als Bekröner
Die Sonne hat der Kerzen Schein verdüstert
So willst du Siegende den Schimmer erben
Atmende Seel der Sonne ohne Sterben.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Totenreue
Wenn du entschlafen bist o Haupt voll Gram
Ausruhest unterm Stein von schwarzem Glimmer
Zum Bette dir verblieb und schmalen Zimmer
Die Gruft um die nur Regenrauschen kam
Beschwert der Stein den Busen voller Scham
Den matten Schoß in der Vergängnis Schimmer
Des Herzens Schlag und Drang verwehrt auf immer
Um Abenteuer ward dein Jagen lahm
Dann spricht das Grab aus meinem tiefen Leid
(Denn Dichtersprache sprechen Grabesgründe)
In langer Nächte schlummerloser Zeit
Was soll nun scheue Priesterin der Sünde
Daß du nicht wußtest um der Toten Klagen
Wie Reue wird der Wurm dein Herz benagen
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die Riesin
Als noch Natur im mächtigen Vermögen
Geschwängert täglich Ungeheuer wiegte
Bei junger Riesin hätt ich wohnen mögen
Wie um der Fürstin Fuß die Katze schmiegte
Ich hätte Leib erblühen sehn bei Seele
Aufschießen frei in schreckenvollen Spielen
Erriet ob böse Glut ihr Herz verhehle
Weil feuchte Nebel ihr im Auge sielen
Schweif nach Gefallen im gewaltgen Schoß
Erklomm den Abfall ihrer Kniee groß
Und sommers oft wenn schlimm im Sonnenglast
Matt sie im Lande quer sich dehnen mag
Halt in der Brüste Schatten schläfrig Rast
Also ein Weiler still am Bergrand lag.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Die kranke Muse
Sag arme Muse was heut nacht dir war
In deinen Blick hat sich ein Spuk gesenkt
Auf deinen Wangen werde ich gewahr
Wie Wahn und Angst einander stumm verdrängt
Grünlicher Succubus und blasser Mahr
Ward dir aus deren Krügen eingeschenkt
Nahm dich zum Spiel ein herrischer Alb beim Haar
Hat in Minturnäs Öden dich ertränkt
Dein Busen sollte duftend wie das Leben
Guten Gedanken nur die Ruhstatt geben
Und deines christlich Blutes Strömen wollt ich hören
Ganz wie den Silbenstrom in den antiken Chören
In welchen herrscht von dem sie singen lernten
Apoll und mit ihm Pan der Herr der Ernten.

An den Leser
Dummheit Verirrung Sündenstand und Borgen
Befängt uns geistig und verzehrt den Leib
Und Reue nähren wir zum Zeitvertreib
Wie Bettler schmausend ihr Geschmeiß versorgen.
So starr die Sünden sind so matt die Bußgewalten;
Sehr reich bezahlt sich unser Eingestehn
Und leicht läßt sich der Kotpfad wieder gehn
Wenn wir uns greinend für gesäubert halten.
Der sanft im Kissen böser Lust geschaukelt
Uns Selige – Satan Trismegistos
Hat bis des Wollens edles Erz zerfloß
Uns Alchimistenkünste vorgegaukelt.
Gehn wir so hat der Teufel uns am Faden.
Begier nach Ekelhaftem nimmt uns mit;
Alltäglich führt uns höllenwärts ein Schritt
Gleichmütige, in pesterfüllte Schwaden.
Wie ein verarmter Wüstling unter Bissen
Die wehe Brust der alten Dirne sucht
Entwenden wir ein Glück – die schale Frucht
Die wir recht gründlich auszupressen wissen.
Mit unserm Bregen mästen wir, umschlungen
Wie Maden, ein Dämonenaufgebot
Und wenn wir Atem holen stürzt der Tod
Unsichtbar strömend dumpf in unsre Lungen.
Wenn Notzucht Gift und Brände bis zur Stunde
Uns allen als der angenehmste Rand
Im Webgrund trister Jahre unbekannt
So ists nur Mangel an Entschluß im Grunde.
Doch unterm Auswurf: Panthern Skorpionen
Schakalen Geiern Hündinnen und Nattern
Die kreischend heulend kletternd hinter Gattern
Im eklen Zwinger unsrer Laster wohnen
Bleibt ein gemeinstes ärgstes zu erwähnen!
Wenn es auch nicht auf Lärm und Mimik hält
Wünscht es den Erdball sich als Trümmerfeld
Und gern verschläng es eine Welt im Gähnen;
Der Spleen! – Er raucht die Pfeife, tränend zählt er
Schafott und Galgen in der Phantasie
Mein Freund, du kennst das diffizile Vieh
Freund – Hypokrit – mein Leser – mein Erwählter!
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Crépuscule du matin
La diane chantait dans les cours des casernes,
Et le vent du matin soufflait sur les lanternes.
C’était l’heure où l’essaim des rêves malfaisants
Tord sur leurs oreillers les bruns adolescents;
Où, comme un œil sanglant qui palpite et qui bouge,
La lampe sur le jour fait une tache rouge;
Où l’âme, sous le poids du corps revêche et lourd,
Imite les combats de la lampe et du jour.
Comme un visage en pleurs que les brises essuient,
L’air est plein du frisson des choses qui s’enfuient,
Et l’homme est las d’écrire et la femme d’aimer.
Les maisons ça et là commençaient à fumer.
Les femmes de plaisir, la paupière livide,
Bouche ouverte, dormaient de leur sommeil stupide;
Les pauvresses, traînant leurs seins maigres et froids,
Soufflaient sur leurs tisons et soufflaient sur leurs doigts.
C’était l’heure où parmi le froid et la lésine
S’aggravent les douleurs des femmes en gésine;
Comme un sanglot coupé par un sang écumeux
Le chant du coq au loin déchirait l’air brumeux;
Une mer de brouillards baignait les édifices,
Et les agonisants dans le fond des hospices
Poussaient leur dernier râle en hoquets inégaux.
Les débauchés rentraient, brisés par leurs travaux.
L’aurore grelottante en robe rose et verte
S’avançait lentement sur la Seine déserte,
Et le sombre Paris, en se frottant les yeux,
Empoignait ses outils, vieillard laborieux.
Das Morgengrauen
Das Wecken blies im Hofe der Kasernen
Und Wind der Frühe strich entlang an den Laternen.
Es war die Stunde wo sich unter Träumen
Im Bett die braunen Knabenleiber bäumen
Wo wie ein blutend Aug das zittert und das zuckt
Die Lampe auf den Tag die rote Lache tupft
Und wo die Seele in des spröden Leibes Schwergewicht
Zum zweitenmal den Kampf von Tag und Lampe ficht.
Wie Wangen denen Wind die Tränen nimmt
Erschauerte die Luft vom Leben das verschwimmt
Vom Schreiben ist der Mann, die Frau vom Lieben matt.
Rauch kam aus manchen Häusern in der Stadt.
Die Dirnen lagen, farblos ihre Lider
Ihr Mund geöffnet, stumpf im Schlaf darnieder
In Lumpen schlichen Weiber die verbrauchten
Die bald ihr Feuerchen bald ihre Hand behauchten.
Es war die Stunde wo in Frost und in Entbehren
Die Wehen Schwangerer gesteigert wiederkehren;
So wie ein Schluchzen stirbt am Blutsturz aus den Lungen
Kam durch die Nebelwand der Hahnenschrei gedrungen
Ein Dunstmeer übergoß die Bauten und die Mäler
Und die Verscheidenden im Schoß der Hospitäler
Verröchelten in Stößen unter Pfeifen.
Lüstlinge sah erschöpft man heimwärts streifen.
Ganz langsam zog in rosiggrünem Flore
Am Seinequai herauf die frierende Aurore
Und mürrisch nahm Paris das sich dem Schlaf entwand
In seiner Fron ergraut das Werkzeug in die Hand.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Rêve parisien
I
De ce terrible paysage,
Tel que jamais mortel n’en vit,
Ce matin encore l’image,
Vague et lointaine, me ravit.
Le sommeil est plein de miracles!
Par un caprice singulier,
J’avais banni de ces spectacles
Le végétal irrégulier,
Et, peintre fier de mon génie,
Je savourais dans mon tableau
L’enivrante monotonie
Du métal, du marbre et de l’eau.
Babel d’escaliers et d’arcades,
C’était un palais infini,
Plein de bassins et de cascades
Tombant dans l’or mat ou bruni;
Et des cataractes pesantes,
Comme des rideaux de cristal,
Se suspendaient, éblouissantes,
A des murailles de métal.
Non d’arbres, mais de colonnades
Les étangs dormants s’entouraient,
Où de gigantesques naïades,
Comme des femmes, se miraient.
Des nappes d’eau s’épanchaient, bleues,
Entre des quais roses et verts,
Pendant des millions de lieues,
Vers les confins de l’univers;
C’étaient des pierres inouïes
Et des flots magiques; c’étaient
D’immenses glaces éblouies
Par tout ce qu’elles reflétaient!
Insouciants et taciturnes,
Des Ganges, dans le firmament,
Versaient le trésor de leurs urnes
Dans des gouffres de diamant.
Architecte de mes féeries,
Je faisais, à ma volonté,
Sous un tunnel de pierreries
Passer un océan dompté;
Et tout, même la couleur noire,
Semblait fourbi, clair, irisé;
Le liquide enchâssait sa gloire
Dans le rayon cristallisé.
Nul astre d’ailleurs, nuls vestiges
De soleil, même au bas du ciel,
Pour illuminer ces prodiges,
Qui brillaient d’un feu personnel!
Et sur ces mouvantes merveilles
Planait (terrible nouveauté!
Tout pour l’œil, rien pour les oreilles!)
Un silence d’éternité.
II
En rouvrant mes yeux pleins de flamme
J’ai vu l’horreur de mon taudis,
Et senti, rentrant dans mon âme,
La pointe des soucis maudits;Sorgen
La pendule aux accents funèbres
Sonnait brutalement midi,
Et le ciel versait des ténèbres
Sur le triste monde engourdi.
Pariser Traum
I
Von dieser grausen Länderei
Die Menschenauge nie erblickt
Heut morgen noch das Konterfei
Entfernt und vage mich berückt.
Schlaf geht mit Wunderbarem schwanger
Aus Laune hatt ich, bar des Zwecks
Verbannt von meiner Blicke Anger
Das ungleichförmige Gewächs
Und stolz auf meine Bildnerei
Genoß, ihr eigener Verfasser
Ich ihr berauschend Einerlei
Von Marmor und Metall und Wasser.
Gestuftes Babel von Arkaden
Ein unabsehbarer Palast
Stand voller Becken und Kaskaden
In Gold und Bronze eingefaßt
Und lastend waren Katarakte
Die wie Portieren von Kristall
Weit überhängend schimmernd nackte
Gemäuer drückten von Metall.
Und keine Bäume – Kolonnaden
Die um den Schlaf der Teiche standen
Wo sich gigantische Najaden
Wie Frauen abgespiegelt fanden
Es dehnten blauende Kanale
In rosa und in grünen Quadern
Durch meilenweite Areale
Zum Weltenende ihre Adern
Man sah Gestein das nie erhört
Und Fluten die gebannt; es fingen
Sie Spiegelfluchten die betört
Von all dem Glänze übergingen.
Es glitten tonlos und gemessen
In Strömen – jeder war ein Ganges –
Vom Himmel Schätze aus Gefäßen
In Grüfte diamantnen Hanges.
Ich Bauherr meiner Augenweiden
Entließ auf eigenes Begehr
Durch ein Gewölbe von Geschmeiden
Gebändigt ein ebbend Meer
Und alles selbst das Schwarze deuchte
Mich spiegelklar poliert zu sein
Es fügt ihr Blendendes die Feuchte
Rings in kristallne Rahmen ein.
Kein Stern – und selbst die tiefsten Sphären
Des Himmels ohne Sonnenlicht
Um jene Wunder zu verklären
Aus denen eignes Feuer bricht.
Und über dem lebendigen Flor
Verstrich (o neustes Leid
Den Augen alles nichts dem Ohr)
Ein Schweigen der Ewigkeit.
II
Dann bot sich meinen Augen hier
Das Elend aller meiner Morgen
Und wieder tastete nach mir
Die Sonde der verfluchten
Die Wanduhr schlug verrufen
Zu Mittag daß es gellt
Und der Himmel goß Nebelkufen
Auf diese schläfrige Welt.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Brumes et Pluies
O fins d’automne, hivers, printemps trempés de boue,
Endormeuses saisons! je vous aime et vous loue
D’envelopper ainsi mon cœur et mon cerveau
D’un linceul vaporeux et d’un vague tombeau.
Dans cette grande plaine où l’autan froid se joue,
Où par les longues nuits la girouette s’enroue,
Mon âme mieux qu’au temps du tiède renouveau
Ouvrira largement ses ailes de corbeau.
Rien n’est plus doux au cœur plein de choses funèbres,
Et sur qui dès longtemps descendent les frimas,
O blafardes saisons, reines de nos climats,
Que l’aspect permanent de vos pâles ténèbres,
– Si ce n’est, par un soir sans lune, deux à deux,
D’endormir la douleur sur un lit hasardeux.
Nebel und Regen
Herbstende Winter Lenz, durchtränkt von Regen
Schläfernde Jahreszeiten die bewegen
Zu Lob und Liebe wenn im Dunst erkalten
Mein Herz und Hirn in eines Bahrtuchs Falten.
In Ebnen wo von Süden Stürme fegen
Windfahnen nachts sich drehn mit heisern Schlägen
Wird meine Seele besser als im Walten
Des Lenzes ihren Rabenflug entfalten.
Im Herzen da Verdüstrung eingedrungen
Und Reif sich senkte kann kein Trost mehr wohnen
Ihr blassen Königinnen unsrer Zonen
Als die Betrachtung eurer Dämmerungen
Wenn nicht geteilter Gram zur Neumondmette
Uns schlummern läßt auf heimatlosem Bette.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
La servante au grand cœur dont vous étiez jalouse,
Et qui dort son sommeil sous une humble pelouse,
Nous devrions pourtant lui porter quelques fleurs.
Les morts, les pauvres morts, ont de grandes douleurs,
Et quand Octobre souffle, émondeur des vieux arbres,
Son vent mélancolique à l’entour de leurs marbres,
Certe, ils doivent trouver les vivants bien ingrats,
A dormir, comme ils font, chaudements dans leurs draps,
Tandis que, dévorés de noires songeries,
Sans compagnon de lit, sans bonnes causeries,
Vieux squelettes gelés travaillés par le ver,
Ils sentent s’égoutter les neiges de l’hiver
Et le siècle couler, sans qu’amis ni famille
Remplacent les lambeaux qui pendent à leur grille.
Lorsque la bûche siffle et chante, si le soir,
Calme, dans le fauteuil je la voyais s’asseoir,
Si, par une nuit bleue et froide de décembre,
Je la trouvais tapie en un coin de ma chambre,
Grave, et venant du fond de son lit éternel
Couver l’enfant grandi de son œil maternel,
Que pourrais-je répondre à cette âme pieuse,
Voyant tomber des pleurs de sa paupière creuse?
Die Schaffnerin voller Geduld die dein Argwohn betraf
Und die unterm dürftigen Rasen nun schlummert den Schlaf
Weißt du es nicht daß wir ihr Blumen schulden?
Schwer müssen all die armen Toten dulden
Und führt Oktober mit dem Blätterhauf
Trostlose Reigen auf den Gräbern auf
Wie sollten sie nicht herzlos schelten können
Die Lebenden die sich den Schlummer gönnen
Wenn sie in ihrer schwarzen Grübelnacht
In der kein Buhle und kein Zuspruch wacht
Den Wurm an ihren alten Knochen fühlen
Und Wasser die den Winterschnee verspülen
Und durch das Säkulum das hingeht flattern
Trotz Freund- und Sippschaft Fetzen an den Gattern.
Käme einst spät wenn die Holzglut sich neigt
Sie die sich still ihren Platz sucht und schweigt
Wenn im blauen Nachtfrost der Winterwende
Ich im Eck meines Zimmers gekauert sie fände
Die ernst ihr ewiges Bette verlassen
Das Kind das heranwuchs im Blick zu umfassen
Was könnt ich der armen Seele erwidern
Wenn ich weinen sie sähe aus hohlen Lidern?
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Je n’ai pas oublié, voisine de la ville,
Notre blanche maison, petite mais tranquille;
Sa Pomone de plâtre et sa vieille Vénus
Dans un bosquet chétif cachant leurs membres nus,
Et le soleil, le soir, ruisselant et superbe,
Qui, derrière la vitre où se brisait sa gerbe,
Semblait, grand œil ouvert dans le ciel curieux,
Contempler nos dîners longs et silencieux,
Répandant largement ses beaux reflets de cierge
Sur la nappe frugale et les rideaux de serge.
Noch lebt mir unser Haus das abgeschieden
Vorstädtisch lag in seinem weißen Frieden
Mit Venus Gipsfigur und Flora deren Zucht
In jenen kargen Büschen Schutz gesucht
Und auch die Sonne wie sie feucht sich neigte
Und sich durchs Fenster das sie brach dann zeigte
Am schauenden Gezelt ein Aug das unverwandt
Auf unsrer langen stummen Mahlzeit stand
Und überall mit Kerzenlicht beschienen
Ländliche Kost und linnene Gardinen.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Danse macabre
A Ernest Christophe
Fière, autant qu’un vivant, de sa noble stature,
Avec son gros bouquet, son mouchoir et ses gants,
Elle a la nonchalance et la désinvolture
D’une coquette maigre aux airs extravagants.
Vit-on jamais au bal une taille plus mince?
Sa robe exagérée, en sa royale ampleur,
S’écroule abondamment sur un pied sec que pince
Un soulier pomponné, joli comme une fleur.
La ruche qui se joue au bord des clavicules,
Comme un ruisseau lascif qui se frotte au rocher,
Défend pudiquement des lazzi ridicules
Les funèbres appas qu’elle tient à cacher.
Ses yeux profonds sont faits de vide et de ténèbres,
Et son crâne, de fleurs artistement coiffé,
Oscille mollement sur ses frêles vertèbres.
O charme d’un néant follement attifé!
Aucuns t’appelleront une caricature,
Qui ne comprennent pas, amants ivres de chair,
L’élégance sans nom de l’humaine armature.
Tu réponds, grand squelette, à mon goût le plus cher!
Viens-tu troubler, avec ta puissante grimace,
La fête de la Vie? ou quelque vieux désir,
Éperonnant encor ta vivante carcasse,
Te pousse-t-il, crédule, au sabbat du Plaisir?
Au chant des violons, aux flammes des bougies,
Espères-tu chasser ton cauchemar moqueur,
Et viens-tu demander au torrent des orgies
De rafraîchir l’enfer allumé dans ton cœur?
Inépuisable puits de sottise et de fautes!
De l’antique douleur éternel alambic!
A travers le treillis recourbé de tes côtes
Je vois, errant encor, l’insatiable aspic.
Pour dire vrai, je crains que ta coquetterie
Ne trouve pas un prix digne de ses efforts;
Qui, de ces cœurs mortels, entend la raillerie?
Les charmes de l’horreur n’enivrent que les forts!
Le gouffre de tes yeux, plein d’horribles pensées,
Exhale le vertige, et les danseurs prudents
Ne contempleront pas sans d’amères nausées
Le sourire éternel de tes trente-deux dents.
Pourtant, qui n’a serré dans ses bras un squelette,
Et qui ne s’est nourri des choses du tombeau?
Qu’importe le parfum, l’habit ou la toilette?
Qui fait le dégoûté montre qu’il se croit beau.
Bayadère sans nez, irrésistible gouge,
Dis donc à ces danseurs qui font les offusqués:
»Fiers mignons, malgré l’art des poudres et du rouge,
Vous sentez tous la mort! O squelettes musqués,
Antinoüs flétris, dandys à face glabre,
Cadavres vernissés, lovelaces chenus,
Le branle universel de la danse macabre
Vous entraîne en des lieux qui ne sont pas connus!
Des quais froids de la Seine aux bords brûlants du Gange,
Le troupeau mortel saute et se pâme, sans voir
Dans un trou du plafond la trompette de l’Ange
Sinistrement béante ainsi qu’un tromblon noir.
En tout climat, sous tout soleil, la Mort t’admire
En tes contorsions, risible Humanité,
Et souvent, comme toi, se parfumant de myrrhe,
Mêle son ironie à ton insanité!«
Totentanz
Ernest Christophe gewidmet
Kein Lebender pocht mehr auf seine Größe
Als sie die Strauß und Handschuh an sich preßt
Und in der Haltung die verwegne Blöße
Der hagern Kurtisane sehen läßt.
Wer fand beim Ball ein Mieder so verengt?
Die Robe stürzt in königlicher Fülle
Auf einen ausgezehrten Fuß – den zwängt
Der seidne Schuh wie eine Blumentülle.
Die Rüschen die am Schlüsselbein sich spreiten
(So leckt am Fels ein Bächlein lockrer Art)
Behüten spröd vor faden Lustigkeiten
Die düstern Reize die sie wohl verwahrt.
Die tiefen Augen sind aus Nichts und Nacht
Ihr Schädel den ein Bau von Blumen schmückt
Wiegt auf dem brüchigen Genick sich sacht.
Wie bist du, taubes Meisterstück, geglückt!
Ein Zerrbild magst du heißen vor dem Tadel
Der fleischlichen Galane die nicht schätzen
Des sterblichen Gerüsts erlesnen Adel.
Großes Skelett! Du stimmst zu meinen liebsten Sätzen!
Grandiose Larve, willst du dies Gelage
Des Lebens stören? oder aber blieb
Dir im Gebein vom Kitzel früherer Tage
Zurück was hier in Satans Garn dich trieb?
Glaubst du bei Geigen und entbrannten Kerzen
Den Alben abzutun mit seinem Lächeln?
Und soll dem Höllenglast in deinem Herzen
Der Sturzbach dieser Orgien Kühlung fächeln?
Grundloser Bronn von Dummheit und Verschulden!
Kelch der die alte Qual uns destilliert!
Durchs Stabwerk deiner leeren Rippenmulden
Zeigt sich die Natter die um Fraß noch irrt.
Ich frage mich: wird deiner Koquetterie
Auch ihr verdienter Lohn beschieden sein?
Den Spott erfaßt der Haufe hier doch nie
Nur Starke saugen lustvoll Grauen ein.
Aus hohlen Augen haucht verruchtes Sinnen
Noch Schwindel und beim Anblick weckt gewiß
Den zagen Tänzern bittres Würgen innen
Dein volles ewig lächelndes Gebiß.
Und doch – wo ist der kein Skelett umfangen
Und nicht von Gräbergut die Mahlzeit hielt?
Was kann hier Pflege Duft und Kleid verfangen?
Fein schilt sich selber wer den Heiklen spielt.
Du Bajadere der die Nase fehlt
Begehrenswertes Weib! sprich du zu jenen:
»Ihr Äffchen, ob ihrs unterm Puder hehlt
Riecht doch nach Tod! O duftende Gebeine ihr und Sehnen
Ihr glatten Dandys, Aas im Firnisglanz
Du greiser Lovelace, Antinous
Euch führt der ungeheure Totentanz
Mit in ein Land das dunkel bleiben muß.
Vom Seinequai zum Ganges, durch die Welt
Taumelt des Todes Herde, blickt nicht auf
Wo die Drommete die der Engel hält
Im Dachstuhl gähnt – ein schwarzer Büchsenlauf.
Mors schaut Dir, Menschheit, beim Verrecken zu
Gelächter das du bist in allen Zonen
Und läßt, mit Myrrhen parfümiert wie du
Versteckten Hohn bei deiner Tollheit wohnen!«
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Jeu
Dans des fauteuils fanés des courtisanes vieilles,
Pâles, le sourcil peint, l’œil câlin et fatal,
Minaudant, et faisant de leurs maigres oreilles
Tomber un cliquetis de pierre et de métal;
Autour des verts tapis des visages sans lèvre,
Des lèvres sans couleur, des mâchoires sans dent,
Et des doigts convulsés d’une infernale fièvre,
Fouillant la poche vide ou le sein palpitant;
Sous de sales plafonds un rang de pâles lustres
Et d’énormes quinquets projetant leurs lueurs
Sur des fronts ténébreux de poëtes illustres
Qui viennent gaspiller leurs sanglantes sueurs;
Voilà le noir tableau qu’en un rêve nocturne
Je vis se dérouler sous mon œil clairvoyant.
Moi-même, dans un coin de l’antre taciturne,
Je me vis accoudé, froid, muet, enviant,
Enviant de ces gens la passion tenace,
De ces vieilles putains la funèbre gaieté,
Et tous gaillardement trafiquant à ma face,
L’un de son vieil honneur, l’autre de sa beauté!
Et mon cœur s’effraya d’envier maint pauvre homme
Courant avec ferveur à l’abîme béant,
Et qui, soûl de son sang, préférerait en somme
La douleur à la mort et l’enfer au néant!
Das Spiel
Verschossene Polster worin Vetteln tuscheln
Die aus bemalten Augen böse locken
Und deren Ohrschmuck aus verdorrten Muscheln
Ein Klirren fallen läßt wie leise Glocken;
Und überm grünen Tuch entfleischte Fratzen
Entfärbte Lippen und entzahnte Kiefer
Umsonst durchforschen fieberheiße Tatzen
Das Mieder und die Taschen immer tiefer;
Bei fahlen Lüstern die zur Decke schwelen
Und riesenhaften Lampen einen Kreis
Erlauchtester Poeten deren Seelen
Die Frone suchen und den blutigen Schweiß;
Dies dunkle Bild in mitternächtger Luft
Als Traumgesicht vor meinem Blick erleidend
Fand ich verloren in der stillen Gruft
Mich selber lehnen, kalt verstummt und neidend
Ja neidend ihre Laster jenen Dieben
Die unheilvolle Lust den geilen Damen
Wie sie getrost und offen Handel trieben
Mit Schönheit die und der mit seinem Namen.
Mich aber ließ mein Neid auf den erbeben
Den seine Jagd zum Abgrund so entflammt
Daß ihm sein Blut die Losung eingegeben:
Dem Nichtsein zu entgehn und seis verdammt!
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Crépuscule du soir
Voici le soir charmant, ami du criminel;
Il vient comme un complice, à pas de loup; le ciel
Se ferme lentement comme une grande alcôve,
Et l’homme impatient se change en bête fauve.
O soir, aimable soir, désiré par celui
Dont les bras, sans mentir, peuvent dire: Aujourd’hui
Nous avons travaillé! – C’est le soir qui soulage
Les esprits que dévore une douleur sauvage,
Le savant obstiné dont le front s’alourdit,
Et l’ouvrier courbé qui regagne son lit.
Cependant des démons malsains dans l’atmosphère
S’éveillent lourdement, comme des gens d’affaire,
Et cognent en volant les volets et l’auvent.
A travers les lueurs que tourmente le vent
La Prostitution s’allume dans les rues;
Comme une fourmilière elle ouvre ses issues;
Partout elle se fraye un occulte chemin,
Ainsi que l’ennemi qui tente un coup de main;
Elle remue au sein de la cité de fange
Comme un ver qui dérobe à l’Homme ce qu’il mange.
On entend çà et là les cuisines siffler,
Les théâtres glapir, les orchestres ronfler;
Les tables d’hôte, dont le jeu fait les délices,
S’emplissent de catins et d’escrocs, leurs complices,
Et les voleurs, qui n’ont ni trêve ni merci,
Vont bientôt commencer leur travail, eux aussi,
Et forcer doucement les portes et les caisses
Pour vivre quelques jours et vêtir leurs maîtresses.
Recueille-toi, mon âme, en ce grave moment,
Et ferme ton oreille à ce rugissement.
C’est l’heure où les douleurs des malades s’aigrissent!
La sombre Nuit les prend à la gorge; ils finissent
Leur destinée et vont vers le gouffre commun;
L’hôpital se remplit de leurs soupirs. – Plus d’un
Ne viendra plus chercher la soupe parfumée,
Au coin du feu, le soir, auprès d’une âme aimée.
Encore la plupart n’ont-ils jamais connu
La douceur du foyer et n’ont jamais vécu!
Die Abenddämmerung
Der süße Abend kommt der’s mit den Schächern hält;
Er schleicht sich wie ihr Helfershelfer sacht heran; nun fällt
Des Himmels riesige Portiere langsam vor
Und Raubwild will in uns den Irrenden empor.
O Abend lieber Abend welcher den erfreut
Des Arme sonder Lüge sagen können: heut
Sind fleißig wir gewesen! – Linderung beschert
Der Abend Geistern die ein wilder Schmerz verheert
Den zähen Forscher dessen Stirn sich senkt befreit er
Und nieder legt sich der gebeugte Lohnarbeiter.
Indes erwachen rings in Lüften wo sie wohnen
Träg wie ein Kaufmannspack die schädlichen Dämonen
Und stoßen sich im Flug an Firsten und an Fenstern.
Bei Lichtern die im Luftzug hin und her gespenstern
Entzündet sich die Unzucht in den Gassen;
Ameisen die den Bau aus jedem Loch verlassen.
Wie sie sich überall verborgen Wege bahnt
Ist sie dem Feinde gleich der einen Handstreich plant;
Sie lebt am Busen ihrer Stadt von Kot
Und stiehlt gleich einem Wurm des Menschen täglich Brot.
Ein Zischen hört man hie und da aus Küchenessen
Gekreisch von Bühnen und Orchesterton von Bässen;
Nun sammeln im Lokal wo sie zum Spiel verleiten
Dirnen und Gauner sich als seine Eingeweihten
Und unversehens sind, geächtet und betrogen
Diebsbanden auf die Arbeit ausgezogen
Die lautlos Türen und Tresors bezwingen
Um Unterhalt, und um den Weibern Putz zu bringen.
Du sammle dich mein Herz in dieser ernsten Stunde
Und schließe du dein Ohr dem lauten Höllenmunde.
Die Stund ist’s da der Kranken Schmerzen überschießen!
Nach ihrer Gurgel greift die düstere Nacht; sie schließen
Ihr Schicksal ab und gehn zum allgemeinen Grund;
Es füllt das Spittel sich mit ihren Seufzern. Und
Manch einer ist der nie mehr bei dem Nachtmahl weilt
Am Herde wo er’s mit der Freundin sonst geteilt.
Auch hat die meisten nie ein süßer Schein umschwebt
Von eignem Feuer und sie haben nie gelebt.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Squelette laboureur
I
Dans les planches d’anatomie
Qui traînent sur ces quais poudreux
Où maint livre cadavéreux
Dort comme une antique momie,
Dessins auxquels la gravité
Et le savoir d’un vieil artiste,
Bien que le sujet en soit triste,
Ont communiqué la Beauté,
On voit, ce qui rend plus complètes
Ces mystérieuses horreurs,
Bêchant comme des laboureurs,
Des Écorchés et des Squelettes.
II
De ce terrain que vous fouillez,
Manants résignés et funèbres,
De tout l’effort de vos vertèbres,
Ou de vos muscles dépouillés,
Dites, quelle moisson étrange,
Forçats arrachés au charnier,
Tirez-vous, et de quel fermier
Avez-vous à remplir la grange?
Voulez-vous (d’un destin trop dur
Épouvantable et clair emblème!)
Montrer que dans la fosse même
Le sommeil promis n’est pas sûr;
Qu’envers nous le Néant est traître;
Que tout, même la Mort, nous ment,
Et que sempiternellement,
Hélas! il nous faudra peut-être
Dans quelque pays inconnu
Écorcher la terre revêche
Et pousser une lourde bêche
Sous notre pied sanglant et nu?
Das Skelett bei der Arbeit
I
Atlanten der Anatomie
Die sacht auf diesen Quais verstauben
Wo Bücher modern daß wir glauben
Wie alte Mumien schlummern sie
Voll Tafeln die das treue Sinnen
Des alten Zeichners und sein Wert
Wiewohl ihr Urbild trauern lehrt
Wahrhafte Schönheit ließ gewinnen
Sie weisen daß uns tiefer bette
Dies unergründlich rege Schauern
Den Boden schaufelnd gleich den Bauern
Enthäutete und auch Skelette.
II
Die ihr durchstöbert, dieser Hänge
Verdrossene und trübe Sassen
Nach Kräften eurer Wirbelmaßen
Und bloßgelegten Muskelstränge
Sprecht: welche Ernte sondrer Art
Volk das dem Beinhaus man entlockte
Ist’s die ihr bergt? und welchem Vogte
Dem ihr im Schober sie bewahrt?
Wollt ihr (der künft’gen Kümmernis
Ein Sinnbild fürchterlich und klar)
Erweisen daß im Grab sogar
Verheißner Schlummer ungewiß;
Daß wider uns das Nichts Verräter;
Daß alles selbst der Tod uns lügt
Und daß es leider so gefügt
Daß man für ew’ge Zeiten später
In einer fremden Gegend muß
Durchwühlen spröde Ackerflächen
Und einen schweren Spaten stechen
Unter dem blutend nackten Fuß?
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
A une passante
La rue assourdissante autour de moi hurlait.
Longue, mince, en grand deuil, douleur majestueuse,
Une femme passa, d’une main fastueuse
Soulevant, balançant le feston et l’ourlet;
Agile et noble, avec sa jambe de statue.
Moi, je buvais, crispé comme un extravagant,
Dans son œil, ciel livide où germe l’ouragan,
La douceur qui fascine et le plaisir qui tue.
Un éclair… puis la nuit! – Fugitive beauté
Dont le regard m’a fait soudainement renaître,
Ne te verrai-je plus que dans l’éternité?
Ailleurs, bien loin d’ici! trop tard! jamais peut-être!
Car j’ignore où tu fuis, tu ne sais où je vais,
O toi que j’eusse aimée, ô toi qui le savais!
Einer Dame
Geheul der Straße dröhnte rings im Raum.
Hoch schlank tiefschwarz, in ungemeinem Leide
Schritt eine Frau vorbei, die Hand am Kleide
Hob majestätisch den gerafften Saum;
Gemessen und belebt, ihr Knie gegossen.
Und ich verfiel in Krampf und Siechtum an
Dies Aug’ den fahlen Himmel vorm Orkan
Und habe Lust zum Tode dran genossen.
Ein Blitz, dann Nacht! Die Flüchtige, nicht leiht
Sie sich dem Werdenden an ihrem Schimmer.
Seh ich dich nur noch in der Ewigkeit?
Weit fort von hier! zu spät! vielleicht auch nimmer?
Verborgen dir mein Weg und mir wohin du mußt
O du die mir bestimmt, o du die es gewußt!
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Les petites Vieilles
A Victor Hugo
I
Dans les plis sinueux des vieilles capitales,
Où tout, même l’horreur, tourne aux enchantements,
Je guette, obéissant à mes humeurs fatales,
Des êtres singuliers, décrépits et charmants.
Ces monstres disloqués furent jadis des femmes,
Éponine ou Laïs! Monstres brisés, bossus
Ou tordus, aimons-les! ce sont encor des âmes.
Sous des jupons troués et sous de froids tissus.
Ils rampent, flagellés par les bises iniques,
Frémissant au fracas roulant des omnibus,
Et serrant sur leur flanc, ainsi que des reliques,
Un petit sac brodé de fleurs ou de rébus;
Ils trottent, tout pareils à des marionnettes;
Se traînent, comme font les animaux blessés,
Ou dansent, sans vouloir danser, pauvres sonnettes
Où se pend un Démon sans pitié! Tout cassés
Qu’ils sont, ils ont des yeux perçants comme une vrille,
Luisants comme ces trous où l’eau dort dans la nuit;
Ils ont les yeux divins de la petite fille
Qui s’étonne et qui rit à tout ce qui reluit.
–Avez-vous observé que maints cercueils de vieilles
Sont presque aussi petits que celui d’un enfant?
La Mort savante met dans ces bières pareilles
Un symbole d’un goût bizarre et captivant,
Et lorsque j’entrevois un fantôme débile
Traversant de Paris le fourmillant tableau,
Il me semble toujours que cet être fragile
S’en va tout doucement vers un nouveau berceau;
A moins que, méditant sur la géométrie,
Je ne cherche, à l’aspect de ces membres discords,
Combien de fois il faut que l’ouvrier varie
La forme de la boîte où l’on met tous ces corps.
–Ces yeux sont des puits faits d’un million de larmes,
Des creusets qu’un métal refroidi pailleta…
Ces yeux mystérieux ont d’invincibles charmes
Pour celui que l’austère Infortune allaita!
II
De Frascati défunt Vestale énamourée;
Prêtresse de Thalie, hélas! dont le souffleur
Enterré sait le nom; célèbre évaporée
Que Tivoli jadis ombragea dans sa fleur,
Toutes m’enivrent! mais parmi ces êtres frêles
Il en est qui, faisant de la douleur un miel,
Ont dit au Dévouement qui leur prêtait ses ailes:
Hippogriffe puissant, mène-moi jusqu’au ciel!
L’une, par sa patrie au malheur exercée,
L’autre, que son époux surchargea de douleurs,
L’autre, par son enfant Madone transpercée,
Toutes auraient pu faire un fleuve avec leurs pleurs!
III
Ah! que j’en ai suivi de ces petites vieilles!
Une, entre autres, à l’heure où le soleil tombant
Ensanglante le ciel de blessures vermeilles,
Pensive, s’asseyait à l’écart sur un banc,
Pour entendre un de ces concerts, riches de cuivre,
Dont les soldats parfois inondent nos jardins,
Et qui, dans ces soirs d’or où l’on se sent revivre,
Versent quelque héroïsme au cœur des citadins.
Celle-là, droite encor, fière et sentant la règle,
Humait avidement ce chant vif et guerrier;
Son œil parfois s’ouvrait comme l’œil d’un vieil aigle;
Son front de marbre avait l’air fait pour le laurier!
IV
Telles vous cheminez, stoïques et sans plaintes,
A travers le chaos des vivantes cités,
Mères au cœur saignant, courtisanes ou saintes,
Dont autrefois les noms par tous étaient cités.
Vous qui fûtes la grâce ou qui fûtes la gloire,
Nul ne vous reconnaît! un ivrogne incivil
Vous insulte en passant d’un amour dérisoire;
Sur vos talons gambade un enfant lâche et vil.
Honteuses d’exister, ombres ratatinées,
Peureuses, le dos bas, vous côtoyez les murs;
Et nul ne vous salue, étranges destinées!
Débris d’humanité pour l’éternité mûrs!
Mais moi, moi qui de loin tendrement vous surveille,
L’œil inquiet, fixé sur vos pas incertains,
Tout comme si j’étais votre père, ô merveille!
Je goûte à votre insu des plaisirs clandestins:
Je vois s’épanouir vos passions novices;
Sombres ou lumineux, je vis vos jours perdus;
Mon cœur multiplié jouit de tous vos vices!
Mon âme resplendit de toutes vos vertus!
Ruines! ma famille! ô cerveaux congénères!
Je vous fais chaque soir un solennel adieu!
Où serez-vous demain, Èves octogénaires,
Sur qui pèse la griffe effroyable de Dieu?
Alte Frauen
Victor Hugo gewidmet
I
Im Faltenschoß der alten Metropolen
Wo Feen im Entsetzen selber walten
Folgt meine trübe Leidenschaft verstohlen
Verfallnen doch vollendeten Gestalten.
Die Unform die da abstößt war ein Weib
War Epona! war Lais! Ehrt ihr Leben
Das seelenhafte noch im morschen Leib.
Im dünnen Rock in löchrigen Geweben
Herzloser Winde Geißelhieb im Rücken
Ziehn sie verstört vom Wagenlärm vorbei.
Was für Reliquien sie an sich drücken!
Ihr Beutelchen mit Blumenstickerei;
Sie gehn wie Püppchen ihre Füße stellen
Sie kommen wie ein wundes Tier gekrochen
Tanzen und wollen doch nicht tanzen – arme Schellen
An die ein Troll sich anhängt! So zerbrochen
Sie sind, ihr Aug’ dringt bohrend in die deinen
Blank wie ein schlafend Regenloch bei Nacht;
Es ist das göttlich blickende der Kleinen
Die über Glänzendes erstaunt und lacht.
Habt ihr bemerkt wie sie in Särgen ruhen
Die oft kaum größer sind als für ein Kind.
Der weise Tod bewährt in solchen Truhen
Wie ernst die Spiele seiner Laune sind!
Und seh ich ihrer eine schattenhaft
Sich im Pariser Schwarm vorüberheben
Stets scheint mir ihre stille Wanderschaft
Zu einer andern Wiege hin das Streben.
Dann sinne ich, ein neuer Geometer
Vergrübelt in der Glieder Mißverhältnis
Darüber nach wie oft der Schreiner später
Abwandeln wird ihr hölzernes Behältnis.
Augen, aus tausend Tränen ihr Zisternen
Ihr Tiegel wo Metall im Guß gerann
Der widersteht nicht so gewalt’gen Sternen
Den die Verfemung groß gesäugt – der Mann.
II
Der Vesta Magd die zu Frascati glühte;
Thaliens Priesterin – ach wie sie hieß
Weiß nur ihr toter Partner – die einst blühte
Im Schatten Tivolis eh’ sie es ließ.
Von allen bin ich voll! doch von den Alten
Rief manche für die Gram wie Honig floß
Der Inbrunst zu die ihr zum Dienst verhalten:
Heb mich empor, gewalt’ges Flügelroß!
Sie die ihr Vaterland mit Not geschändet
Sie die ihr Mann mit Kränkung überlud
Die Schmerzensmutter die im Sohn verendet
Von ihrer aller Tränen welche Flut!
III
Nie ward ich müde, ihnen nachzugehen!
Einst traf ich eine, als die Sonne sank
Wie Blut aus goldnen Wunden anzusehen
Fand sie sich sinnend abseits eine Bank
Zu lauschen jenen großen Blechkapellen
Der Garden welche im betäubten Park
Zu diesen Stunden unsern Lebensquellen
Ein Schauern senken in der Bürger Mark.
Sie saß gereckt den strengen Takt zu saugen
Zum durst’gen Ohr ließ sie den Kriegsmarsch ein
Und wie ein alter Aar hob sie die Augen;
Ihr Haupt schien für den Lorbeer da zu sein!
IV
Dies seid ihr, euer klageloses Kommen
Durch meiner Stadt lebendiges Gedränge
Herzblut der Mütter, Dirnen wie Madonnen
Einst Namen in dem Munde dieser Menge.
Die ihr die Gnade wart und wart der Ruhm
Keiner erkennt euch! nur ein Trunkenbold
Streift euch mit seiner Liebe Narrentum;
Ein feiges Kindchen kommt euch nachgetrollt.
Scham dazusein, ihr eingeschrumpften Schemen
Macht, daß ihr krumm und scheu die Mauern streift;
Man grüßt euch nicht, Erloste großer Femen
O Menschenschutt zur Ewigkeit gereift!
Doch ich der ich von ferne euch behüte
Der zag und zärtlich euren Gang ermißt
Nun ganz euch Vater aus beglückter Güte!
Ich schlürfe Süßen welche ihr nicht wißt:
Das frühste Keimen spür ich in euch allen
Die längst verlebte, eure Zeit ward mein
Mein Herz ist tausendfach in euch der Brunst verfallen
Und meine Seele ist aus eurer Tugend rein!
Verfallene! an Blut und Wissen meinesgleichen
Euch gilt zur Nacht mein scheidender Gedanke;
Wo wird der nächste Morgen euch erreichen
Uralte Even unter Gottes Pranke?
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Les sept Vieillards
A Victor Hugo
Fourmillante cité, cité pleine de rêves,
Où le spectre en plein jour raccroche le passant!
Les mystères partout coulent comme des sèves
Dans les canaux étroits du colosse puissant.
Un matin, cependant que dans la triste rue
Les maisons, dont la brume allongeait la hauteur,
Simulaient les deux quais d’une rivière accrue,
Et que, décor semblable à l’âme de l’acteur,
Un brouillard sale et jaune inondait tout l’espace,
Je suivais, roidissant mes nerfs comme un héros
Et discutant avec mon âme déjà lasse,
Le faubourg secoué par les lourds tombereaux.
Tout à coup, un vieillard dont les guenilles jaunes
Imitaient la couleur de ce ciel pluvieux,
Et dont l’aspect aurait fait pleuvoir les aumônes,
Sans la méchanceté qui luisait dans ses yeux,
M’apparut. On eût dit sa prunelle trempée
Dans le fiel; son regard aiguisait les frimas,
Et sa barbe à longs poils, roide comme une épée,
Se projetait, pareille à celle de Judas.
Il n’était pas voûté, mais cassé, son échine
Faisant avec sa jambe un parfait angle droit,
Si bien que son bâton, parachevant sa mine,
Lui donnait la tournure et le pas maladroit
D’un quadrupède infirme ou d’un juif à trois pattes.
Dans la neige et la boue il allait s’empêtrant,
Comme s’il écrasait des morts sous ses savates,
Hostile à l’univers plutôt qu’indifférent.
Son pareil le suivait: barbe, œil, dos, bâton, loques,
Nul trait ne distinguait, du même enfer venu,
Ce jumeau centenaire, et ces spectres baroques
Marchaient du même pas vers un but inconnu.
A quel complot infâme étais-je donc en butte,
Ou quel méchant hasard ainsi m’humiliait?
Car je comptai sept fois, de minute en minute,
Ce sinistre vieillard qui se multipliait!
Que celui-là qui rit de mon inquiétude,
Et qui n’est pas saisi d’un frisson fraternel,
Songe bien que malgré tant de décrépitude
Ces sept monstres hideux avaient l’air éternel!
Aurais-je, sans mourir, contemplé le huitième,
Sosie inexorable, ironique et fatal,
Dégoûtant Phénix, fils et père de lui-même?
–Mais je tournai le dos au cortège infernal.
Exaspéré comme un ivrogne qui voit double,
Je rentrai, je fermai ma porte, épouvanté,
Malade et morfondu, l’esprit fiévreux et trouble,
Blessé par le mystère et par l’absurdité!
Vainement ma raison voulait prendre la barre;
La tempête en jouant déroutait ses efforts,
Et mon âme dansait, dansait, vieille gabarre
Sans mâts, sur une mer monstrueuse et sans bords!
Die sieben Greise
Victor Hugo gewidmet
Wimmelnde Stadt, Stadt die erfüllt von Träumen
Wo das Gespenst bei Tag antritt den Mann!
Geheimes schwillt gleich Säften wenn sie schäumen
In engen Gossen des Kolosses an.
An einem Morgen als in tristen Straßen
Die Häuser die im Nebel aufgereckt
Zu Dämmen wurden die ein Strombett fassen
Und, dieses Mimen würdiger Prospekt
Ein gelber Dunstkreis alles überschwemmte
Schritt ich vertieft – heroisch auszuharren
Mein Herz beredend das Ermüdung lähmte –
Die Vorstadt hin die dröhnte von den Karren.
Da stieg ein Greis in Lumpen die verblassen
Vom Ton der Wolken dieser gelben feuchten
Des Antlitz Gaben hätte regnen lassen
Ohn seiner Blicke höchst gemeines Leuchten
Vor mir empor. Sein Auge blickte schwer
Wie voller Galle; Frost fiel ihm vom Lid
Sein Bartwuchs welcher hart war wie ein Speer
Glich dem des Jüngers der den Christ verriet.
Er, nicht gekrümmt, zerbrochen, und sein Rücken
Lief gen den Schenkel im genauen Lot
So daß sein Stab der dies Bild sonder Lücken
Vollendete ihm Aussehn lieh und Trott
Des lahmen Tiers, des Juden auf drei Pfoten
Durch Schnee und Pfützen ging es unablässig
Als wate er mit seinem Schuh in Toten
Mir schien er nicht so fremde denn gehässig.
Ein gleicher folgte ihm: Bart Stock und Haar
Nichts unterschied den Sohn der gleichen Hölle
Und dies barocke greise Zwillingspaar
Schritt wie im Takt – wer weiß nach welcher Stelle?
Welch Anschlag war das der zum Ziel mich wählte
War’s hämischer Zufall der mich so verlachte
Daß siebenmal minutenweis ich zählte
Den grausen Alten der sich vielfach machte!
Mag wer da lächelt meiner bangen Qual
Wen brüderliche Schauder nicht befahren
Bedenken daß trotz völligem Verfall
Die sieben Ausgeburten ewig waren!
Konnt ohne Todesnot ich noch den achten
Den scheelen Sosias der sich drohend trug
Den eklen Phönix der sein eigner Sohn betrachten?
Doch ich entkehrte mich dem Höllenzug.
Rasend gleich Trunknen wenn sie doppelt schauen
Mein Haus gewann ich und verschloß mich drin
Krank und durchfroren, wirr vom Fieberbrauen
Wund vom Geheimnis und vom Widersinn!
Umsonst Vernunft zur Heimfahrt Segel pflanzte –
Sturm brach ihr Trachten mit gewaltger Hand
Und meiner Seele Kutter tanzte, tanzte
Mastlos auf wüsten Wogen ohne Land.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Cygne
A Victor Hugo
I
Andromaque, je pense à vous! Ce petit fleuve,
Pauvre et triste miroir où jadis resplendit
L’immense majesté de vos douleurs de veuve,
Ce Simoïs menteur qui par vos pleurs grandit,
A fécondé soudain ma mémoire fertile,
Comme je traversais le nouveau Carrousel.
Le vieux Paris n’est plus (la forme d’une ville
Change plus vite, hélas! que le cœur d’un mortel);
Je ne vois qu’en esprit tout ce camp de baraques,
Ces tas de chapiteaux ébauchés et de fûts,
Les herbes, les gros blocs verdis par l’eau des flaques,
Et, brillant aux carreaux, le bric-à-brac confus.
Là s’étalait jadis une ménagerie;
Là je vis, un matin, à l’heure où sous les cieux
Froids et clairs le Travail s’éveille, où la voirie
Pousse un sombre ouragan dans l’air silencieux,
Un cygne qui s’était évadé de sa cage,
Et de ses pieds palmés frottant le pavé sec,
Sur le sol raboteux traînait son blanc plumage.
Près d’un ruisseau sans eau la bête ouvrant le bec
Baignait nerveusement ses ailes dans la poudre,
Et disait, le cœur plein de son beau lac natal:
»Eau, quand donc pleuvras-tu? quand tonneras-tu, foudre?«
Je vois ce malheureux, mythe étrange et fatal,
Vers le ciel quelquefois, comme l’homme d’Ovide,
Vers le ciel ironique et cruellement bleu,
Sur son cou convulsif tendant sa tête avide,
Comme s’il adressait des reproches à Dieu!
II
Paris change! mais rien dans ma mélancolie
N’a bougé! palais neufs, échafaudages, blocs,
Vieux faubourgs, tout pour moi devient allégorie,
Et mes chers souvenirs sont plus lourds que des rocs.
Aussi devant ce Louvre une image m’opprime:
Je pense à mon grand cygne, avec ses gestes fous,
Comme les exilés, ridicule et sublime,
Et rongé d’un désir sans trêve! et puis à vous,
Andromaque, des bras d’un grand époux tombée,
Vil bétail, sous la main du superbe Pyrrhus,
Auprès d’un tombeau vide en extase courbée;
Veuve d’Hector, hélas! et femme d’Hélénus!
Je pense à la négresse, amaigrie et phtisique,
Piétinant dans la boue, et cherchant, l’œil hagard,
Derrière la muraille immense du brouillard;
A quiconque a perdu ce qui ne se retrouve
Jamais, jamais! à ceux qui s’abreuvent de pleurs
Et tettent la Douleur comme une bonne louve!
Aux maigres orphelins séchant comme des fleurs!
Ainsi dans la forêt où mon esprit s’exile
Un vieux Souvenir sonne à plein souffle du cor!
Je pense aux matelots oubliés dans une île,
Aux captifs, aux vaincus!… à bien d’autres encor!
Der Schwan
Victor Hugo gewidmet
I
Ich denke dein, Andromache! Der Bach
Der trübe seichte Spiegel welcher einst
Dich aufnahm und dein hohes Ungemach
Simois, der nur strömte wenn du weinst
Ist plötzlich in mein Sinnen eingedrungen
Beim Gange übers Neue Carrousel.
Die Altstadt ist dahin – wenn Neuerungen
Uns wandeln sinken Städte doppelt schnell.
Ich sehe jenen Platz mit den Baracken
Den Torsi und Pilastern noch im Geist
Wo zwischen Blöcken und bemoosten Schlacken
Ein feiler Trödel in den Fenstern gleißt.
Dort war ein Tierpark aufgebaut gewesen
Wo einst im frühen Froste wenn im Freien
Die Tagfron aufsteht und ein Heer von Besen
Die Schwärze des Orkans der Luft verleihen
Vor seinem Käfig einen Schwan ich fand
Der seinen Schwimmfuß übers Pflaster zog
Und seinen weißen Fittich durch den Sand;
Als dann der trockne Bach den Durstigen trog
Wälzt er im Staub sein zuckendes Gefieder
Und sprach erfüllt vom Bild der Heimatseen:
»Wann wirst du fallen, Naß? Wann, Blitz, fährst du hernieder?«
Ich sah den Armen – mythisches Geschehn –
Gen Himmel oft wie bei Ovidius der Verbannte
Gen Himmel dessen Bläue grausam loht
Den Kopf so recken daß sein Hals sich spannte
Als sende seinen Vorwurf er zu Gott.
II
Paris wird anders, aber die bleibt gleich
Melancholie. Die neue Stadt die alte
Mir wirds ein allegorischer Bereich
Und mein Erinnern wuchtet wie Basalte.
Selbst hier vorm Louvre liegt es schwer auf mir
Ich denk an meinen Schwan, wie er entwich
So lächerlich so groß wie dieses Tier
Verzehren sich Verbannte – und an dich
Andromache die dem Gemahl entglitten
Die unter Pyrrhus feil ward zum Genuß
Die überm leeren Sarkophag gelitten
Und Hektors war und ward des Helenus.
Ich denk der Schwarzen die von Sucht verzehrt
Im Schlamm sich quält und mit verstörten Blicken
Die Zauberpalmen Afrikas entbehrt
Vor denen zähe Nebel sich verdicken;
Und aller derer welche ein Verlust
Unheilbar kränkte, all der Tränenreichen
(Die Wölfin ›Jammer‹ nahm sie an die Brust)
Der Waisen deren Blumenhäupter bleichen.
Durch meinen Wald die Ruh des Ruhelosen
Hör ich wie Hornruf ein Erinnern wandern
Ich denk im Riff vergessener Matrosen
Gefangener Besiegter… vieler andern.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
Le Soleil
Le long du vieux faubourg, où pendent aux masures
Les persiennes, abri des secrètes luxures,
Quand le soleil cruel frappe à traits redoublés
Sur la ville et les champs, sur les toits et les blés,
Je vais m’exercer seul à ma fantasque escrime,
Flairant dans tous les coins les hasards de la rime,
Trébuchant sur les mots comme sur les pavés,
Heurtant parfois des vers depuis longtemps rêvés.
Ce père nourricier, ennemi des chloroses,
Éveille dans les champs les vers comme les roses;
Il fait s’évaporer les soucis vers le ciel,
Et remplit les cerveaux et les ruches de miel.
C’est lui qui rajeunit les porteurs de béquilles
Et les rend gais et doux comme des jeunes filles,
Et commande aux moissons de croître et de mûrir
Dans le cœur immortel qui toujours veut fleurir!
Quand, ainsi qu’un poëte, il descend dans les villes,
Il ennoblit le sort des choses les plus viles,
Et s’introduit en roi, sans bruit et sans valets,
Dans tous les hôpitaux et dans tous les palais.
Die Sonne
Durch das Faubourg wo an den alternden Gebäuden
Marquisen hängen, Obdach von geheimen Freuden
Wird, wenn die Sonne mit verdoppelter Gewalt
Stadt trifft und Felder, Saaten und Asphalt
Wegab ein seltsames Gefecht mich führen:
Reimbeute in den Winkeln aufzuspüren
Am Wort als wär’s ein Pflaster aufzuprallen
Und über längst geträumte Zeilen fast zu fallen.
Der Strahl ernährt, die Bleichsucht macht er enden
Verse und Rosen weckt er in Geländen
Den Sorgendunst läßt er zum Himmel fahn
Und häuft in Hirn und Waben Honig an.
An ihm verjüngen sich die Invaliden
Als sei den Alten Mädchenglück beschieden
Im Herzen reift die Frucht auf sein Geheiß
Im ewigen, das sich nur Blüten weiß.
Wendet er sich so wie ein Dichter in die Städte
So adelt er das Los der niedersten Geräte
Lautlos erfüllt, ein König ohne Troß
Er jedes Hospital und jedes Fürstenschloß.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin

Paysage
Je veux, pour composer chastement mes églogues,
Coucher auprès du ciel, comme les astrologues,
Et, voisin des clochers, écouter en rêvant
Leurs hymnes solennels emportés par le vent.
Les deux mains au menton, du haut de ma mansarde,
Je verrai l’atelier qui chante et qui bavarde;
Les tuyaux, les clochers, ces mâts de la cité,
Et les grands ciels qui font rêver d’éternité.
Il est doux, à travers les brumes, de voir naître
L’étoile dans l’azur, la lampe à la fenêtre,
Les fleuves de charbon monter au firmament
Et la lune verser son pâle enchantement.
Je verrai les printemps, les étés, les automnes;
Et quand viendra l’hiver aux neiges monotones,
Je fermerai partout portières et volets
Pour bâtir dans la nuit mes féeriques palais.
Alors je rêverai des horizons bleuâtres,
Des jardins, des jets d’eau pleurant dans les albâtres,
Des baisers, des oiseaux chantant soir et matin,
Et tout ce que l’Idylle a de plus enfantin.
L’Émeute, tempêtant vainement à ma vitre,
Ne fera pas lever mon front de mon pupitre;
Car je serai plongé dans cette volupté
D’évoquer le Printemps avec ma volonté,
De tirer un soleil de mon cœur, et de faire
De mes pensers brûlants une tiède atmosphère.
Landschaft
Ich will um meinen Strophenbau zu läutern
Dicht unterm Himmel ruhn gleich Sternedeutern
Daß meine Türme ans verträumte Ohr
Mit dem Winde mir senden den Glockenchor.
Dann werd ich vom Sims meiner luftigen Kammer
Überm Werkvolk wie’s schwätzet und singet beim Hammer
Auf Turm und Schlot, die Masten von Paris
Und die Himmel hinaussehn, mein Traumparadies.
Wie schön ist das Erglühn aus Nebelschwaden
Des Sterns im späten Blau, des Lichts in den Fassaden
Der Kohlenströme Flößen übers Firmament
Und wie das Land im Mondlicht fahl entbrennt.
Mir wird der Lenz der Sommer und das Spätjahr hier sich zeigen
Doch vor dem weißen winterlichen Reigen
Zieh ich den Vorhang zu und schließe den Verschlag
Und baue in der Nacht an meinem Feenhag.
Dann werden blaue Horizonte sich erschließen
Und weinend im Boskett Fontänen überfließen
Dann wird in Küssen und im Vogellied
Der Geist der Kindheit sein der durch Idyllen zieht.
Mag gegen’s Fensterglas sich ein Orkan verschwenden
Ich werde nicht die Stirn von meinem Pulte wenden;
Denn höchst gebannt in meine Leidenschaft
Ruf ich den Lenz herauf aus eigner Kraft
Und kann mein Herz zu Strahlen werden sehen
Und meines Denkens Glut zu lindem Wehen.
Charles Baudelaire
vertaling Walter Benjamin
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