Gennadij Ajgi

FRUHES AUS DEM TSGHUWASCHISCHEN

laßt mich in eurer mitte sein
wie eine staubige münze
zwischen raschelndes papiergeld verschlagen
in der glatten seidenen tasche;
sie hatten laut klingen sollen
doch nichts ist zum anstoßen da um zu klingen

wenn baßgeigen drohnen
und wenn einem einfallt
wie in der kindheit der wind
am herbstlichen morgen
regnerisch rauchte –

laßt mich
ein kleiderstander sein
auf den man nicht nur mantel
hangen konnte
sondern auch anderes
schwereres als einen mantel

sollte ich aber aufhören an mich zu glauben
dann mag das gedächtnis der adern
mir die festigkeit wiedergeben
auf daß mein gesicht aufs neue
den druck der sehmuskeln fühlt

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ZWEITES AUS DEM TSCHUWASCHISCHEN

die breiten augen im gesicht
allmählich schwerer geworden
streben zueinander mächtig

sie müßen dich ganz
auf einmal erfaßen
den hals und den rücken zusammengeschmolzen in eins

nach der verwandlung in etwas
kostbares ganzes
das schmerzt van der brechung
des strahls im gleich starken strahl

so öffnen and weiten sich die augen
dehnt sich die welt richtungslos
bis auf den zentrifugalen lärm
des endlosen kreises

so
treten augen zutage

und streifen jeglicher farbe unter dem baum
regen sich schwerfällig schon

als ziehe man einer kuh
das fell ab
und ruhelose farben
entflammen auf dessen aufschlag

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


BAUDELAIRE

Nicht ihr habt getötet nicht ihr habt gesiegt
nicht van eurer art

ihr habt ihn nicht ohne grund nicht anhören können
etwas diktierte irgendwoher
ohne standort zu haben

und scheinbar gabs weder lippen noch brauen noch schläfen
außer der fernen stimme
und den überraschenden händen

sogar die gesetze von wachstum und van bewegung
suchten ihm anders zu dienen:

unerwartet war dieser art unterm himmel
wo alles als schwerkraft sich behauptet

und diese schwerkraft hat ihn von allen gelöst
wie etwas das fällt sich lost
van der luft in der luft

-doch seine augen im farbton des spanischen tabaks
waren lebendig bis in den tod
und verlangten nach reinheit

die nachkommt allein durch abbruch
und tod

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


AUS EINEM GEDICHT ÜBER WOLKER

hinter dem fenster in den verstecken der wiesen
leuchten wie anthrazite
die schwarzen bahnwärterhäuschen

und abends neben den gleisen
brennen die winzigen roten laternen
so ruhig und konzentriert
als säßen in ihnen
kleine chronisten
und schrieben geräuschlos schuchtern

daß die legende noch dauert

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ENDE

kahl wie kohle: es gibt existiert
kein gespräch keine gegenseitigkeit nur das schreien
in der uns gegebenen leere
die nur zwei lebenszeichen kennt
den schrei und den schreier

und sollte auch hier alles enden
dann sei es ein fernes ein einfaches ende
oder wie scheiben der alten freudlosen fenster
oder wie eine nachgedunkelte wand
eines kleinen hauses

ende der leere beginn
der zuflucht und des verstecks

und der weg des schreis ist bekannt:
der mensch verliert sich im ursprung
langsam verödend
und dann zusammenfließend mit der stille

so gehe der schrei bis ans ende der leere
durch funkelnde teilchen der luft
ohne sich an sie zu klammern

seine ganzheit wahrend
nach dem recht der besonderen marter

und er halte an
an den scheiben der fremden fenster
bleibe davor wie seine spiegelung haften und dröhne

bis sie ihn übertonen
die antwortschreie von innen

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


NACHT DES ERSTEN SCHNEES

nacht des ersten schnees wenn die schneebedeckten
telegrafenpfosten
sich scheinbar ein wenig vom weg entfernt
und ihre kolonne verloren haben
und jeder von ihnen
anführt

und die weißen streifen des schlagbaums
sich den schneeweißen
schwellen der gleise nähern welche
die horizontale verletzen

und etwas in der vertrauten gegend
an die unbekannte weite erinnert

und der linkisch gesetzte zaun am landhaus des dichters
an die umzäunung vor deinem fernen haus
aus deren dürre der tod der baume
unseres immergleichen lebens starrt

und das solange wir leben
sogar an die ewigkeit mahnen könnte

nacht des ersten schnees wenn
du nicht etwa glücklich nicht leicht sondern einfach frei bist
wie das nur möglich ist in der kindheit
und nur vor dem tode
und du bist frei weil du nicht einmal
deinen glauben verantworten mußt:

er lebt bereits außerhalb von dir sein eigenes leben
dort wo die weite anders begriffen wird
wie der vom schnee erhellte platz im landhaus
hinter den fensterscheiben
wo von dem starken licht am morgen
die schwache an sich begriffene frau
zu dir gehört weil sie dein glaube ist
der nicht mehr von dir abhängt

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


VORAHNUNG DES REQUIEMS

doch ihr werdet keine ruhe finden
und in der klaren gegenwart seines grabes

wird euch die kühle zuteil
wie auf einer offenen wiese im wald
die dunkel wird und erlischt
wie in der umkreisung
der baume die ihre geräuschlose rinde nielliert

und deutlicher als euer wir sind
wird das licht des klaren bildes
von dem eure augen weh tun werden
durchschaubar bis auf den grund
mit dem schmalen stirnbein
einem trüben maulkorb ähnlich

und es wird ruchbar werden daß schon damals
als er durch und durch noch heiß war
und weich und feucht wie, ein kind

als er zum abschied drei worte
die letzten des glaubens sagen wollte
und zu diesem zweck das gesicht
in etwas menschliches vergrub –

daß auch damals
es eure hände waren

und wir werden uns das erkaltende gesicht
einprägen das immer mehr wie eine
von händen der mörder geformte maske
aussehen wird

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


HIER

wie ein dickicht im wald ist die von uns erwählte
art der schlupfwinkel
worin sich die menschen verbergen

das leben floh wie der weg in den wald nach innen
und die vokabel hier
scheint mir jetzt seine hieroglyphe

und sie bedeutet erde wie himmel
und das was im schatten ist
und das was wir mit den eigenen augen sehen
und das was ich in gedichten nicht mitteilen kann

und die auflösung der unsterblichkeit
ist nicht mehr als die auflösung
eines von kalter nacht beleuchteten strauches –
der weißen zweige über dem schnee
der schwarzen schatten auf dem schnee

hier antworten alle einer dem andern
in einer ursprünglich-hohen sprache
so wie ein lebensteilchen
dem unzerstörbaren teilchen daneben antwortet

hier im verstummten garten
an den gebrochenen zweigen
suchen wir nicht nach häßlichen klumpen harz
die aussehen wie die leidgeprüften gestalten
die den gekreuzigten an dem abend des unglücks umarmen

und wir kennen kein wort and kein zeichen
von denen das eine höher wär als das andre
hier leben wir und hier sind wir herrlich
und hier verstummend beschämen wir die wirklichkeit
und ist auch der abschied von ihr hart
so steckt sogar darin leben –
wie eine aus sich selbst
uns nicht hörbare kunde

und abgerückt van uns
wie das spiegelbild eines strauches im wasser
bleibt sie daneben
um später unsere platze
einzunehmen

damit die räume der menschen
nur lebensräume ersetzen
für ewig

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ZUR VORAHNUNG DES REQUIEMS

und wie war es denn?
ihr wurdet geschlagen damals
doch nur durch das lösen van euch selbst

und nicht durch angriff

ich hatte damals gekämpft um mich wiederzufinden
in der amorphen masse van feinden genannt die zeit
um raum zu haben
zu leben ohne euch

vorbei diese zeit! und ich bin befreit
van der einsamkeit der mir geschenkten
einsamkeit eines belagerten!

und ich habe jetzt die erfochtene einsamkeit
meiner selbst gewonnen

und mein platz hat sich
als eine menschenleere wüste erwiesen

vorläufig mochte er trostend so heißen

solange ihr noch nicht endgültig waltetet
und nicht mit dem tode selbst beschäftigt ward:

noch nicht mit seinem urstoff allein

sondern nur mit dem bau
des raumes für diesen tod

mit seiner vorbereitung

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


TAG

und wieder träumen mir
im widerschein des asphalts
hier glänzende hügel dort schwarze mulden
flimmern gewaltige kreise
wie in der flut
einer riesigen see aus froschlaich

und am tage verwandelt sich die asphaltarena
in etwas das stark erinnert
an die bühnen aus Shakespeares zeiten

und hinter jedem laternenpfahl glitzern
berge – und flüsse – und leuchttürme

und die stadt ist wieder eine see
und die schneewehen eiszapfen lachen
sind wellenkämme nur
des unsichtbaren meeres

und dieses meer ist stürmisch
von spuren der autos – der kinderschlitten –
der gummistiefel

und die jährliche ballung
all dieser spuren und zeichen
ist der seegang
der stadt – see

gegen abend ist die stadt wieder stadt
und die menschen rufen sich menschen
und die gassen von Samoskworetschje
leuchten in der morgendlichen brautschau der stadt
mit einem leisen licht

das es nur in kinderzimmern gibt
wenn die zeit kommt

da Andersens bleisoldaten defilieren

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


VORLÄUFIG

oh wir werden beide gelassen sein
wenn in den winternächten
die fenster schwärzer werden
vom schneesturm draußen

wir wissen ja noch
daß dort vor dem haus
der pflasterstein eine schramme hatte
die uns an Beethovens totenmaske erinnert hat

und wir wissen das ist so
seit der erschaffung der erde

und weiter am pfad – du weißt schon! – leuchtet der schnee
hinfällig blau
durch das konfektpapier
das jemand
in meiner kindheit festgetreten hatte

und vor dem haus brennt dieselbe
großartige laterne
die sich zur ruhe setzen möchte
die müde an der kreuzung leuchtet
zum letzten mal in erinnerung an ihre jugend

oh sage mir nicht – vorläufig – solange ich
an diese nachte zurückdenke
es gabe auch andere freude

erinnere nicht daran
daß irgendwo um die eisenbahnwagen an stillen tagen
der schneesturm wütet
der schneesturm auf den querbalken an den türen
der viehwaggons

als zögen magnetische felder
den schnee auf die fenster der eilzüge an
auch den schneewirbel
über der kälte der puffer!

und laß mich denken
an das größte geheimnis
an das wunder des plötzlich im gespräch
sich öffnenden fensters

wenn ich vergesse wovon ich sprach
und einen seltsam ermüdenden wunsch
zu weinen empfinde

und mich zu dir neigend worte sage
von denen die augen im dunkel
zu leuchten beginnen:

»schlafe
königin von Sparta«

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


BLUTSVERWANDTES ABFAHRT

ich sollte
mit den lippen
ihre endlosen augen erreichen

und mich dann ein wenig wundern über die pulsierenden
adern
an ihrem unteren lid
und begreifen daß es van der durchsichtigkeit
und der körperlosigkeit kommt
so hell und schmerzlich
sind diese leise zuckenden augen

und ich sollte sie liebgewinnen mit händen und lippen
und mit dem schweigen and mit dem traum und mit den
straßen meiner gedichte
und mit der lüge – für den staat
and mit der wahrheit – für das leben

und mit den bahnsteigen aller stationen
wo ich zum letzten mal
auf die heißen schwarzen rücken der lokomotiven
blicke vor den depots

sie überlassend
den menschenschlangen und verstecken
der kleinen schrecklichen stadte Sibiriens

von ihr fahrend für immer
in das gemetzel der menschen
meines jahrhunderts

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ABFAHRT

vergessen werden zwiste,
abreisen, briefe.

wir werden sterben, und bleiben wird
das heimweh der menschen
nach einer kaum empfundenen spur
einer welle, die ihre träume,
ihre müdigkeit, ihr gehör
verlassen hat.

nach einer spur dessen,
das irgendwann
wir hieß.

wozu also das leben,
die menschen, dich, mich anklagen,
wenn wir uns
gegenseitig als eine welle
verlassen werden,

wenn weder schnee noch schienen, nur musik
die räume messen wird
zwischen unseren gräbern.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


GARTEN IM DEZEMBER

irgendwo verbirgt er das tote feld
als sei es das einzige
noch zu schützende:

ich sage garten und sehe ihn nicht
oh besser sie zu verlassen
die nur sich selbst begreifen!

und unbeobachtet bleibt die bewegung des gesimses:
leichter lauf
der mause im stoppelfeld –

das unsichtbare breitet sich aus
wie die weißen steine Kareliens im traum:

oh bald
sich krängend!

und davoneilend
wie auf einer eisscholle:

finde ich zufällig mit dem nacken –

zum träumen nach jahresfrist und zur erinnerung –

einen jungfräulichen schemel
unterm abendschnee:

dem zierlichen

kindlichen

26
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


SCHNEE

Vom nahen schnee
sind die blumen am fensterbrett seltsam.

Lächle mir wenigstens dafür,
daß ich die worte, die ich nie verstehen werde,
nicht sage.
Alles, was ich dir sagen kann, ist:

stuhl, schnee, wimpern, lampe.

Und meine hände
sind einfach und entlegen,

und die fensterrahmen
sind wie aus weißem papier geschnitten,

und hinter ihnen, dort
bei den laternen,
wirbelt der schnee
seit unserer kindheit.

Und er wird weiter wirbeln, solange man hier
deiner gedenken und mit dir sprechen wird.

Irgendwann hatte ich diese weißen flocken
wirklich gesehen,
hatte die augen geschlossen,
nun kann ich sie nicht mehr öffnen,
und nun wirbeln die weißen funken,
die ich
nicht anhalten kann.

II Gezeichneter Winter
1960-1961

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


RUHE

Wie
durch blutige zweige
dringst du ins helle.

Hier ähneln sogar die träume
dem netzwerk der sehnen.

Da ist nichts zu machen, wir irdischen
spielen menschsein.

Und dort –
das obdach der wolken,
und die trennwände
van gottes träumen,
und unsere ruhe, van uns gestört,

dadurch, daß wir sie irgendwo auf dem grund
sichtbar und hörbar
machten.

Und so reden wir hier mit stimmen,
sind sichtbar weil wir schattierungen besitzen,
doch unsere eigentliche stimme
hört niemand,

und reinste blume geworden,
erkennen wir einander nicht.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


WOLKEN

In jenem
niemandsdorf
schienen
die ärmlichen lappen am pfahlzaun
nirgendwessen.

Und die wolken darüber waren nirgendwessen

dort waren auch die lichtreklamen der kindheit
rachitischer verwilderter kinder,

und die musik van der nacktheit
der hunnischen und skythischen frauen;

aber hier, auf dem bett, in augenhöhe,
etwa in nahe der feuchten wimpern,
lag jemand weinend im sterben,

während ich langsam begriff,
zum letzten mal,

daß es die mutter war.

32
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


TOD

Ohne ihr kopftuch abzulegen
stirbt mutter,
und das einzige mal
weine ich bei dem kläglichen anblick

ihres selbstgewebten kleides.

Oh, wie still ist der schnee,
wie von flügeln des gestrigen dämons
geebnet,

oh, wie hoch sind die schneewehen,
als lagen darunter –
berge van heidnischen
opfergaben.

Und die schneeflocken
tragen und tragen ununterbrochen zur erde

die hieroglyphen gottes …

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


HAUS DER FREUNDE

Für K. u. T. Erastow

Es war eine gegenseitige
übereinstimmung
der atemzüge der regungen und der laute
in ihrer ursprünglichen

form.

Man mußte achtgeben,
keins davon zu strapazieren.

Und alles war durchdrungen
vom licht des lauts, vom licht des blicks, vom licht der stille,
und irgendwo hinter diesem leuchten
weinten kinder,
und die kerzenflamme

flackerte den kreuzungen
unserer schritte nach.

Und wir waren
ein teil des lebens,
irgendwo neben dem tod,
neben dem feuer und neben der zeit,

wir waren selbst in vielem,
das alles.

34
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


NACH EINEM BESUCH

Ich gehe nachts durch die öde stadt,
eile,
schneller nach hause zu kommen,

denn es ist bedrückend,
hier, auf der straße,
zu empfinden,

wie ich die steine an mich schmiegen möchte.

Und – wie ein hund – mit dem zahnfleisch – eine hand
so halte ich- meine – ärmel – fest

und – die eindrücke
van den begegnungen in jenem haus,
das ich soeben verlassen habe,
hämmern wie eine presse,

und – jemand – tut mir leid – ständig – leid,
wie die scharfe grenze
zwischen schwarz und weiß,

und – jene neigung des kopfes, bei der ich mich
an mich selbst wie van weitem erinnere,

behalte ich bis zum morgen,

mit den ellbogen gleitend über den tisch
wie über wachs.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


GLÜCK

Wo diese augen anfingen,
war das licht herausgefordert …

Symmetrisch leg ich die kleinen muscheln
auf die fremde
im sande liegende frau.

Und die wolken sind schreie,
und der himmel ist voll von diesen schreien,
und ich unterscheide die grenzen
von lautlosigkeit und lärm;

sie sind an der lächelnden frau
sichtbar, wie nähte im wind;

und ich schüttle mich, wie ein roß,
vor den erben der bruchzahl und zwischenwände;

und denke: genug, das ist nicht meine sache,
man wisse, zwei menschen
sind eben Birkenau –

oh du mein tabu, mein Birkenau,
du spiel des stoffes, und du mein eisen,
wunder – geht nicht, mein kleines wunder,
»ich« geht nicht, mein »ooj!«

36
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


GEZEICHNETER WINTER

das land ruhte sich aus
in der weißen und hellen zweitform

das war der grund für das dunkel hinter dem tisch
und die stille schuf sich selber sich selbst zuliebe
verschenkte sich ohne zu wissen wo und wem

und gott kam dem eigenen dasein näher
und ließ uns bereits
seine rätsel streifen

und gab uns wie im scherz
das leben zurück
das leicht kühle

aufs neue begriffene

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


MENSCHEN

Nächtelang
begleiten die bewegungen
meiner hände und schultern
die linien der schränke und stühle
auf ihrer ungewissen

ständigen reise.

Unversehens
übertrug ich das auf die menschen.
Ich gestehe: redend mit ihnen,
maß ich in gedanken mit den fingern

den schwung ihrer brauen.

Und sie waren mir allgegenwärtig,
damit ich das leben
in menschenform nicht vergaß,

und es waren wochen und jahre,
um abschied von ihnen zu nehmen,

und es war ein phänomen des denkens,
das mir sagte,
daß die lichtreflexe auf ihrem klavier
verwandte besitzen

in krankenhäusern und kerkern.

38
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


LIEBES

Blasses gesicht –
goldene schale der stille?

Irgendwo regen sich träume
unbeschwert,
und es gibt gar nichts
außer gottes verspieltheit
hinter seiner

hülle.

Und von diesem spiel
vormenschlichen ursprungs
bleibt mir die erkenntnis
des heimwehs.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ABERMALS – LIEBES

Was hatte gott im traum vergessen
unter dieser hauchdünnen haut?

Er war hier zum ersten mal verwundert,
und das macht diese weite bedeutsam.

Lauter leise wellen
und lauter ferne ufer…

Und wo bin dort ich?
Die augen öffnen sich doch
mit den wimpern in meine richtung,
und irgendwo unter ihnen werde ich

zum nie und nimmer vorhandenen.

Ich habe angst vor den lauten,
und habe angst vor dem licht,
um dieses gesicht,

aber das leben vergeht schon, und wir halten alles aus

diesmal.

40
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ZUM ABSCHIED

Oh, ich sehe dich, wie das licht in der apfelsine,
der aufgeschnittenen,
deine lautlosigkeit hat die pupillen erhellt
von weitem, noch ohne sie berührt zu haben,
als sähest da früher noch
als die pupillen

dort in der tiefe –
im heißen and roten.

Als erklärtest du mit schultern und hals
meinen schultern,
wo in der nähe die trennung sei,

sei es denn kränkend gewesen,
als es

leiser als die schultern, leiser als der hals
und leiser als die hände gewesen –

Und mir prägten sich, wie offene klappfenster,
alle deine kosenamen ein,
ich allein hatte sie gekannt, und nun blieben sie,
wie der schnee jenseks
der gefängnistore –

leiser als der tod und leiser als du.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


AUS DEM WINTERLICHEN FENSTER

der kopf,
von der heftigen bewegung eines jaguars,
und ich vergesse, umgewendet, die worte;

und ihre tiefen stellen
erfüllt angst,

schon längst erspäht
aus fenstern – durch – schneewehen – kreuz – quer

bis in die schwarzen tunnel;

und ich bin längst vernichtet
auf diesem ganzen weg,
van weitem, aus den torbogen
schlagen
die weißen klüfte im nebel
bis ins herz –

schrecklicher als das gesicht im schneesturm;

alles ist randvoll, und etwas enges regt sich leise
nicht abgegrenzt von mir,
wie mit robbenfloßen
mit nassen kragen und schweren zweigen;
es leuchtet, als wären die flossen
festgebunden von pfiffen und scheinwerfern;
und wenn, allmählich zerfallen,
dieser entkräftete raum
mich in der finsternis deutlich macht,

bin ich ganz
ausgesetzt hier zwischen den nebelmaßen –
etwas schmerzliches
und unaussprechlich eigenes,

wie die blauen spuren auf den schlüsselbeinen

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


Gennadij Ajgi, Beginn der Lichtung. Gedichte. Herausgegeben und aus dem Russischen übertragen von Karl Dedecius, Frankfurt am Main 1992, (Suhrkamp)



Das gelbe wasser
im viehhof ––
fern, kalt, apriorisch,

und dort, wie trommelschlegel,
kennen kein ende
die alphabete der wilden kinder:

o Strohhalm, Span, Glasscherbe,
o Lineare Skythische Winde,
und, gleich einem fastnachtsgerangel im keller,
Papier, Papier, Papier,

o ihr lotsen der strohhalme,
o die feuchten buchstaben an den fingerspitzen!

HIER UND JETZT ––  WIE SCHNITTE INS FLEISCH,
DOCH NUR MIR, NICHT EUCH!
SCHNITTE ––  DURCH BILDER UND KLEIDER
UND DURCH DIE KRALLEN DER VÖGEL!

die kuhhufe, fallen auf, ungeheuerlich,
etwas ––  von buchteinfahrt,
etwas ––  von einem tanzvergnügen,

und plötzlich, wie prellende geleise,
hell, weit, gnadenlos
die uns umarmenden mitmacher ––
hände, schwestern, hälse, mütter!

Wieder kommen wir ins bummeln, bummeln,
wieder schlafen wir ein und vergehn
nicht gestern, nicht heute, nicht morgen, o-o-o-o-o! –

DURCH DIE SCHREIE DER KINDER,
DURCH DIE FEUCHTEN BUCHSTABEN,
DURCH DIE BILDER UND KLEIDER
UND DURCH DIE KRALLEN DER VÖGEL!

1960

Gennadij Ajgi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


KINDHEIT

Das gelbe wasser
auf dem viehhof –
weit, kühl, apriorisch,

und dort, wie trommelschlegel,
kennen die alphabete
der wilden kinder kein ende:

oh Strohhalm, Span, Glasscherbe,
oh ihr Linearen Skythischen Winde,
und, fast wie ein faschingsgemenge in kellern,
das Papier, das Papier, das Papier,

oh ihr schiffsjungen der strohhalme,
oh ihr feuchten buchstaben auf den fingern!

HIER UND JETZT – DAS ist WIE EIN STICH,
DOCH NUR IN MICH, NICHT IN EUCH!
BIN STICH – DURCH BlLDER UND KLEIDER
UND DURCH VOGELKRALLEN!

hufe der kühe – grell, unglaublich,
etwas – von der einfahrt in die bucht,
etwas – vom tanzfest,

und gleich, wie klopfende schienen,
grelle, weite, schonungslose
uns umfassende anteilnehmer –
hände, schwestern, hälse, mutter!

Wieder werden wir herumtollen, herumtollen,
wieder einschlafen und vergehen
nicht gestern, nicht heute, nicht morgen, a-a-a-a-a-a!

DURCH KlNDERRUFE,
DURCH BlLDER UND KLEIDER
UND DURCH VOGELKRALLEN!

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


Childhood

Yellow water
in the stockyard —
far away and cold, a priori,

and there, like drumsticks,
alphabets without end
of untamed children:

oh! Broken Glass, Splinter and Straw,
oh! Linear Scythian Winds,
and like carnival scuffles in cellars,
Paper and Paper and Paper,

oh! ship’s boys of straw,
oh! damp of letters on fingers!

HERE AND NOW! IT SEEMS TO CUT,
BUT ONLY ME, NOT YOU!
CUTTING — THROUGH PICTURES AND DRESSES
AND CLAWS OF BIRDS!

Cows’ hooves are bright, unbelievable,
like sailing into a bay,
or like a dance,

and then, like the pounding of rails,
bright and wide and unsparing
the embrace of those who were with us —
hands, sisters, necks, mothers!

let us breathe again, let us breathe,
let us sleep again and pass
not yesterday, today or tomorrow, o-o-o-o-! —

THROUGH CHILDREN’S SHOUTS,
THROUGH DAMP OF LETTERS,
THROUGH PICTURES AND DRESSES
AND CLAWS OF BIRDS!

1960

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


FENSTER AM TRUBNAJA-PLATZ IM FRUHLING FRAU IN DIESEM FRUHLING

mit schwingenden quadraten
des blühens und klingens
aller meiner kindheiten, vertraut
den durchsichtigen, verlassenen städten,

berühre ich sie, und die unbefleckten hochzeiten
dauern fort
ohne musik ohne türen,

die abgründe flackern
grünlich-dunkel,
und dort, hinter ihnen, weinen
vom regen beschmierte fleischer,
auf fischhaufen fallend,

und wieder scharren und schritte –
hier bin ich, hier bin ich,

scharren und schritte –
einmal für immer –

wie eine glocke im nebel –

  • und wie das titelblatt der akathistoi
    träumt mir – die rote zerrissenheit – und konzentration

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


FRAU IN DIESEM FRÜHLING

Ein vogel wandseits, bewußtlos fallend,
berührte mit seinem schnabel das weiße papier,
ich sehe ihn nicht, doch er ist – bei ihr,

das alles weiß ich,
weil ich mich schäme vor ihren blicken.

Der lidschattenglanz,
der schamlos geradezu aufgelegte,
wie von den fingern eines knaben,
wird mich geleiten über die brücke
in einer stunde,

und es wird freie
und ferne und frische fahnen geben;

ihretwegen ermatte ich ja
und sterbe ihretwegen
im seltsamen grün:
alles ringsum besteht
aus herunterhängenden
unperspektivischen fetzen
der wilden espenrinde,
astlos und ohne stamm;

und die scham ihretwegen bleibt,
als hätte sie das stroh
der elenden tenne gestreift,

als wurde man aus den fenstern des krankenhauses
ihr nachblicken an den abenden
und meinen: »laßt doch, laßt doch …«

und etwas zu selbstbewußt
und teilnahmslos schweigen.

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Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


FRAU VON RECHTS

Ja dort, das sprechende,
mich verwundernde damit,
daß es sich haare wachsen läßt;

ja dort,
was zu fallen sich schämt und fallen konnte,
und die äpfel auf der schnur rotieren,
und die schnur ist dünn,
kühl;

dort – das »R«, dieses hohle »R«,
dieser kreis des erstaunlichen »R«,
dort die nadeln vom blut des jasmins,
dort
als wasche man den rentieren geweih und auge,
und hier, wo ich bin,
als lege man auseinander
rute für rute.

Wir werden einen schneesturm fordern,
damit er treibe
durch abgründe der vitrinen.

Ruft, ohne namen zu nennen,
als würfet ihr
weiße sich kreuzende linien.

Und dort, dort –
dieser rücken,
der mich wechselt wie das wild den wald,

und er ist, wie der totschlag, auch nicht hier,
und ist schrecklich losgerissen vom menschen
durch die benennung,
als schenkte man im traum
die eiserne gußform des kreuzwegs
und sagte, es sei die ewigkeit,
so wurde ich, glaubend, unglücklich,

und weine, weine, weine
in allen winkeln
meiner selbst.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


FRAUEN AUF DER STRAßE

Ihre anwesenheit erschien
wie pferdegelenke

und machte die verbindung
mit etwas lebendigem,
fein-muskulösem deutlich,

-und – höchste vergessenheit –
-erdrutsch – schräg – und kläglich –
-fremde – plötzlich – wimpern – abgetrennte –
-alles – weggenommen –
-schräg – und kläglich – und keine –
-nur rote – in allen – übergänge –

und dort
herrschte, zinn-hell,
die köpfe durch die halsadern berührend,
der weiße intrigant, der unsere grausame
verwandtschaft provozierte;

sie waren wie eingefangen vom seil,
als wären sie in geschloßener reihe
an lippen
deßelben vaters vorübergegangen,

sie brauchten mich zur balance
und vernichteten
der balance wegen

und lächerlich waren
augen und münder.

-und man trat zurück –
-wo man die frauen begriff begriff man die zahlen –
-sie sterben nicht und ich halte sie fest –
-sie schlagen schrag zu wenn ich sage sie –

Und – die wahrnehmenden – brachliegenden – wolken
nahmen – täglich – sich – gegenseitig – wahr
es gibt – denn – diese –
warmen – äußerst – blutigen –

sie verletzen, wie der radiergummi das papier.

Wie hinter einem brett, kamen sie hervor,
doch etwas lebte und weinte einsam
als eine einzige diagonale,
ging überall hindurch
und lebte und weinte.

Im weißen intriganten sind wir weiß;

fordern im geist unsere
seelenverwandtschaft heraus;

es geht nicht ohne abfall;

und ich sage nur gleich:
es gibt zerschlagenes, nur zerschlagenes,
und alle beine verbergen
dieses zerschlagene;

und sofort tritt an meine stelle
der trotz des transzendenten

der immer noch überall da ist.

Ill Felder – Doppelganger
1961-1965

52
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


REQUIEM FUR EIN MADCHEN

lieblicher längs der hände
abschiedhafter längs der wimpern
und wie ein vogel an einer zwischenstation
schmal und abgewiesen und festgehalten

danach waren wände da ohne errichtet worden zu sein
der winter verging und dort
wo alles versperrt ist
blieb der lautlose kampf der kleider mit dem wald
auch der on des gesichts an dem wir nicht weilen dürfen

UND SIEHE DA – OHNE MENSCHLICHE HlLFE, IM ERNST,
UND SEHR WEIT –
SIE WAR DA, SIE KAM VORBEI WIE IM VORÜBERFLUG
OHNE EIN ECHO: »SIE WAR! SlE WAR!«

noch rufen singen und leuchten
in garten im ganzen dorf
weite fremde

wie punkte gold im sand

und schon ziehen im dunkel
die reihen verstummter schatten
einfach wie ich schweigend
wie ihr nicht erkennend
jene die schon im dunkel

58
Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ASTERN AUF DEM TISCH

geknickt, leicht schaukelnd,
wie prallen sofort »gleißen – kaiser« aufeinander,
wie »eisen« aus einem buch am herbstlichen morgen
auf weißem blatt, und gleich – das herbstfeld,
pfade, pforten, siedlung;

und das weiß im gedächtnis: weiter als ich, hinter dem
rücken, kaum die schneewehen streifend,
werden wir hier nicht sehen, kennen es aber;

hier, wie unter der wolke ein zweig, der den sommer
auf dem dach des waggons verbrachte,
unerwartet gut und hell,

als verstecke man nach und nach
die bewegungen der mädchenkindheit
im winkel der wasserlinie.

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ALTGEIGE

Für F. Drushinin

ein schwarzer vogel hat sich hierher verirrt
o heller mönch der wandelgänge
und krume schnee wie eine auszeichnung mit einem stern

losgerissen vom griffbrett
stürzen die bretter der dörfer zusammen
hier in dem längst verlassenen hof

and dem holz gefallen die verrenkungen des holzes
dem samt die stücke seide

und die saiten möchten sich lesbarer legen auf bücher
die der schnee vom dach erhellt
durch das fenster

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


OHNE TITEL

das dachfenster war mittler
zwischen seele und himmel

und der blick ringsum ohne die tüpfelchen augen
störte das kindliche gedächtnis
wie eine goldgelbe weibliche wand
zwischen uns und der welt

und so wurden
durch die ohnmacht des denkens
die im vierten sommer erblickten
schatten der hände
von wesen jenseits der schlucht
fixiert

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ÜBERSEEISCHER VOGEL

Für A. Wolkonskij
der unsichtbare abglanz eines vogelbildes
verletzt den in ängsten lebenden freund

und das kann kein mensch ändern
als wäre im system der erde
die kraft verankert die die nachtigall erschafft
als wäre in worten der außchluß des todes enthalten:
neigung – narbe – norden

und nebenan kommen und gehen
die die federn and die krallen unterscheiden
die die nägel und die haken und die pfosten kennen
die angstlos einer den anderen sehen

und man muß auf der straße morgens die kühle
van wanden und schneewehen auf den nacken nehmen
und die geheime formel der meise
diktiert das innige loblied auf alles

gelobt sei die weiße farbe – die anwesenheit gottes
in seinem versteck für die zweifel
gelobt die arme hauptstadt und das helle elend des
jahrhunderts
der schnee – der mit dem wesen der farblosigkeit –
gottes – gesicht – zerklüftet –
der lichte – engel – der angst
der farbe – des gesichts – des silbers

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


VORWINTERLICHES REQUIEM

Zum Andenken an B. L. Pasternak

ich werde geleiten und stehenbleiben als stummer chor
den ganzen vorbestimmten tag in gottes weite
mit der bewegung des deutlichen wintertages
wie neben dem ruß

und die zeit schafft sich selbst
der schnee durch die welt getrieben wirbelt
an den klosterpforten
und nun scheinen mir die unvermeidlichen passanten
eine stütze van außen

der rang des jahrhunderts ist beschlossen
und der rang des ruhmes gebietet
sein gesicht der stille zuzuwenden
und nicht das buch sondern der atlas der leidenschaften
bleibt bewahrt auf dem tisch in der stille

und es ist als streifte das jahr die häuser leicht wie ruß
im alten jahrhundert als wären dort bücher aufgerissen
und jede seite beanspruchte
schnitt und falz für sich
durch meine ärmel
wo kälte wo dicht daneben das fenster ist und dahinter
schneewehen pforten häuser

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


ZUM VORWINTERLICHEN REQUIEM

Für O. W Iwinskaja
sein irdischer schlaf ruhte in diesen tagen
wohl nur in euren lidern:

er wechselte ihre farbe von fern
und schuf die sonnenuntergänge in gärten aus sehnsucht

und wie bei einem nie gesehenen
sanftesten tier
waren die reifbedeckten wimpern
danach beim blick auf die felder

da sind die garten eures leidens schon anders
und auf den fernen grabstein
lege ich namenlose
neue blumen

in memoriam in versen

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


72
BLUMEN VON MIR FUR MICH

in dem ihm erlaubten teuren abgrund
lebt er gehetzt

er ist alt doch einmal träumte ihm tief und dröhnend
eine wie der mißlungene tisch vom tischler vergessene
zum ersten male verstandene tochter
und beim erwachen war er stets vor der lampe
und begriff sich als einen offensichtlich vorhandenen
selbsterlösenden garten

er dachte: wie seltsam daß diese wände vom morgen-
grauen da sind
wie unbegreiflich um wessen augen willen wie man so sagt
das alles ist spiel und wesentlich ist jetzt nur
sich selbst wie den augapfel zu hüten

als wäre etwas vorhanden solange man etwas beschützt
warum nicht etwas zerstören das nur mich allein versteckt
sogar im marchen wäre es sinnlos die überflüssigen zu
erretten
wie unbegreiflich ist dieses versteck für mich

die füße werden ihm lautlos schwer
er achtet auf seine schlüsselbeine wie in der kindheit auf
seinen atlas
wissend van etwas vegetativ-grellem
von einem innen und aufien benachbarten dickicht
ohne die farbe der kleider
und er holt
blumen für sich aus den schlupfwinkeln seines hin-und-
hergehens
genauso schön wie das gedächtnis bei der erschießung
im keller
von der kühle des mondes gezüchtet
in einer gymnasiastennacht

er war arktisch klamm als hinge er wie der flaum in der luft

-wo ist der grund wo das wörtchen Aa diktiert wird
wo flüsse fließen als fielen sie abwärts und wo im flaumigen
kopftuch
die frau – am – ufer
des flusses – Aa

Gennadij Ajgi

vertaling Karl Dedecius


Leaf-Fall And Silence

1
so that I
in myself should pray,
You
are not filled for me — with prayer,
and in evident powerful
absence
I am ringed, encircled.

2

But in her
the child — I cannot
pray. She is in herself
a prayer. You, in this quiet circle
Yourself
are utterly
in Yourself.

3

What am I
in the Silence — as in steady Light?
Or in fire. But the sick trees’ frozen equality is living. And You,
next to this —
are clarity, — oh, impenetrable clarity. Compared to it
death is a promise… — is something other!.. And in a dead circle
unendurably
falls from a tree — a leaf.

1984

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


Alongside The Forest

but
at last I draw near there is no-one there never was
only silver
of ancient feeling — in free warmth over forehead and shoulders

oh
this weightless
field — in its shining to heaven

this
is soul of solitude like a glimmer of shyness
existing all round
and free it shines white by my side
but purity is brought forth — simply — through purity itself
the field
manifestly
(still just like
a field for heaven)
glows with it — to itself

what
of other things? for the shining pierced through
in order — to love
as it were some angel — all around — my unimpededness
creating thus
the place of chastity:
— whatever winds there may be dark departures or lives
this is quieter than the god of quiet!
there
in the silence
blue

1984

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


to my mother’s memory

Suddenly
I understand I remember your soul
observing in mist far away
slopes now or islands or steps of the silver summits
of a willow grove
peaceful
(and in some way
“from beyond”)
and “something” what is it
(“magnificence”? “fragrance”
of intimate soul of “purity unspoken”?)
I must be remembering (and even far off in place of the face
I seem to retain in my thoughts
the quietest of hollows — now swirling only with tenderness)
and besides
this is only the flicker of “something” from memory
when the crossings
of beauties “not of this place”
cluster in that youthfulness
where the “eternal” is like orphanhood
(the unseen — awaiting our coming)

1980

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


With Singing: Towards An Ending

to A. Nazarenko

“The festival had dispersed. I saw only a small line of
people going off towards the forest.”

(Noted in 1956)

With the sway of the forest’s hem
the line departed — smiles among them — vanished
taking with them the singing also
step by step departed with the sway of work with hands
leaving me for just a short time
with the flutter of the forest’s edge:

— no nothing will explode I shall be stifled in calm:

oh god how calm is my God
to fall silent so openly! —

simply with such simple
covers of light of clay concealing blood:

to flash into the forest — finish sparkling as in heat haze
in that it only remains to me
to dimly appear in faces:

that give birth to earth! — to heaven:

(here I must forget and of poor things be silent more poorly:
this power like things unneeded is too weak even to die: it is
the wind rustling long since in destructions — even blood is
not needed: to be spilt as a sign — and such a waste place —
an indifferent eye! — and it will be earth more and more — for day):

and so it is time to awake
for more than the God of stillness:

for the phantom of light it is time to awake
for the light of absence of brows — unveiling us
with peals of fire:

what then? we shall sing to the end: expecting nothing
so again to awake as to water
“oh line” to the walking-line:

— God take at least this as living

oh it must wake (and the forest closes):
in quiet weakness the weeping-line! —

you — who have not finished singing

1983

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


Эпилог:
Колыбельная-Сувалкия

Suvalki-Wiegenlied

закатилося
(куполя куполели):

солнышко – лелюмай:

алелюм каледа! –

(тихо: здесь входит
в пение – Дéмядис:

Божие Дерево) –

куполя куполели! –

спит – в постелюшке
дочь моя –лелюмай! –

алелюм каледа

14 июля 1984
Сувалкия (южная область Литвы)

Gennadij Ajgi


sie ist untergegangen
(kupole kupolele)

die liebe sonne ––  lèliuo:

aliejum kaledà! ––

(leise: hier fällt
in den gesang ein ––  Diemedis:

Baum Gottes) ––

kupole kupolele! ––

es schläft ––  im kleinen bett
die tochter mein ––  lèliuo! ––

aliejum kaledà

1984

Gennadij Ajgi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


Epilogue: Lullaby-Suwalkie

It has set
(kupolya kupoleli)

the sweet sun — lelyumay:

alelyum kaleda! —

(quietly: here comes into
the singing — Demyadis:

the Tree of God) —

kupolya kupoleli! —

she sleeps — in her cot
my daughter — lelyumay! —

alelyum kaleda

14 July 1984
Suwalkie, Southern Lithuania

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


Coming Into Being Of A Temple

Oh
sky blue
and
field — in a silver thread — field
(and masses
of gold
masses)
along it — the tension!
and
with firmness of brightness
skyward

1981

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


Листопад и молчание
Blätterfall und Schweigen

1

Чтобы
собой я молился
Ты
не наполняешься мне – молитвой,
и явным отсутствием
крепким
я окружён, как кругом.

2
А ею
ребёнком – молиться
я не могу. Она
сама по себе – молитва. Ты, этим кругом тихим,
Сам
полнотою
в Себе

3

Что я
в Молчаньи – как в свете ровном?
Или в огне. А живущее – мёрзлое равенство деревьев
больных. И при этом – Ты,
ясность, – о, непроглядная ясность. В сравнении с нею
смерть – обещание… – что-то другое!.. И кругом мёртвым
невыносимо
падает с дерева – лист.

1984

Gennadij Aigi


1

Damit ich
durch mich selbst beten kann,
Du
nimm keine fülle an für mich ––  im gebet,
und von sichtlicher
von starker abwesenheit
bin ich umgeben wie von einem kreis.

2

Doch durch es
als kind – beten
kann ich nicht. Es ist
gebet ––  an und für sich. Du bist, wie dieser stille kreis,
Selbst
ganz fülle
in Dir.

3

Was bin ich
im Schweigen ––  wie in gleichmässigem Licht?
Oder im feuer. Doch lebendig ––  das eisige gleichmass kranker bäume.
Und dabei ––  Du,
helle, ––  o, undurchschaubare helle. Verglichen mit ihr
ist der tod ––  ein versprechen… ––  etwas anderes!.. Und als toter kreis
nicht zu ertragen
fällt von einem baum ––  ein blatt.

1984

Gennadij Aigi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


Silence

1
In the invisible glow
of pulverized melancholy
I know uselessness like the poor know their last piece of clothing
and old utensils
and I know that this uselessness
is what the country needs from me
reliable like a secret pact:
muteness as life
indeed for my whole life

2
Muteness is a tribute—but silence is for myself

3
to grow accustomed to silence
like the beating of one’s heart
like life
as if a well-known place there
and is this I am—as Poetry is
and I know
that my work is both hard and for itself alone
like the sleeplessness of the night watchman
at the city graveyard

Gennadij Ajgi

vertaling Sarah Valentine


Stilte

als dwarsdoor
bloedende takken
dring je door naar het licht
 
en zelfs dromen lijken hier
op een netwerk van pezen
 
niets aan te doen, op aarde
spelen wij mens zijn
 
maar daar –
toevlucht voor wolken
afrasteringen van
gods dromen
en onze stilte door ons verstoord
 
omdat wij die
ergens op de bodem
zichtbaar maakten – hoorbaar.
 
En hier spreken wij met stemmen
en zijn zichtbaar door schakeringen
maar onze echte stemmen
zal niemand ooit horen
 
en puurste kleur geworden
herkennen wij elkaar niet.

1960

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


from Twenty-Eight Variations on
Chuvash and Udmurt Folk Songs
 
XIX
And in the fog
the green oak
has nothing stronger than a branch
to sing with
 
XX
These hands and this head
will remain with those who died in a foreign land—
smoke from the locomotive hits us in the face,
to rob us of memory once and for all.
 
XXI
And suddenly—peace, as if
I were alone in the world,
and the blizzard out the window, blizzard in the garden,
blizzard in the fields.
 
XXII
And the day fell silent, like something
meaningful in it had died,
and the fox sleeps in the foothills,
covered by its red tail.
 
XXIII
Between the Kazakh and Chuvash lands
did you see the post that marks the boundary line?
It is not a post; it is I standing there, petrified
from sadness.
 
Gennadij Ajgi

vertaling Sarah Valentine


Теперь
всегда снега

                               Н. Б.

как снег Господь что есть
и есть что есть снега
когда душа что есть

снега душа и свет
а все вот лишь о том
что те как смерть что есть
что как они и есть

признать что есть и вот
средь света тьма и есть
когда опять снега
О-Бог-Опять-Снега
как может быть что есть

а на проверку нет
как трупы есть и нет

о есть Муляж-Страна
вопроса нет что есть
когда народ глагол
который значит нет

а что такое есть
при чём тут это есть
и Лик такой Муляж
что будто только есть
страна что Тьма-и-Лик

Эпоха-труп-такой

а есть одно что есть
когда их сразу нет
– о Бог опять снега! –
их нет как есть одно
лишь Мертвизна-Страна

есть так что есть и нет
и только этим есть
но есть что только есть

есть вихрь как чудом вмиг
нет Мёртвости-Страны
о Бог опять снега
душа снега и свет

о Бог опять снега

а будь что есть их нет
снега мой друг снега
душа и свет и снег

о Бог опять снега

и есть что снег что есть

1978

Gennadij Aigi


NUN IMMER SCHNEE

wie schnee o Herr der ist
und ist was schnee so ist
wenn seele ist was ist

viel schnee und seele licht
und immer nur von dem
das die wie tod der ist
dass der wie sie auch ist

was ist anerkennen ja und da
inmitten lichts ist dunkel auch
wenn wieder soviel schnee
O-Gott-Schon-Wieder-Schnee
wie kann was ist denn sein

zu überprüfen ist es nein
wie leichen sind und nicht

o es ist das Abguss-Land
gar keine frage dass es ist
wenn Volk das wort ist
das bedeutet nein

und dass so etwas ist
wozu ist das hier gut
und das Gesicht ein solcher Abguss ist
das scheinbar einzig ist
das land was Dunkel-und-Gesicht

die Epoche-solche-leiche

doch eines ist was ist
wenn sie aufs mal nicht sind
– o Gott schon wieder schnee! –
sie sind nicht wie das eine ist
bloss Totheits-Land

so ist’s dass ist und nicht
und nur deswegen ist’
doch ist was nichts als ist

ist es ein wirbelwind was wunder jäh
kein Sterblichkeits-Land mehr
o Gott schon wieder schnee
viel schnee und seele licht

o Gott schon wieder schnee

es sei dass er nicht sei
der schnee mein freund viel schnee
und seele licht und schnee

o Gott schon wieder schnee

und ist was schnee der ist
 
Gennadij Aigi

Übertragung von Felix Philipp Ingold


Now There Are Always Snows

Like snow the Lord that is
and is what is the snows
when the soul is what is

the snows the soul the light
and all is only this
that those like death that is
that like them too it is

confess that it is so
among light darkness is
when once again the snows
Oh-God-Again-The-Snows
how can it be it is

and is not to be checked
as corpses are and not

oh Deathmask-Land that is
no question that it is
then when the People verb
which signifies is not

and that such being is
what is this doing here
the Face is such a Mask
it seems there only is
the land Darkness-and-Face

the Epoch-such-a-corpse

and one there is that is
when straightway they are not
— oh God again the snows! —
they are not one thing is
only the Deathness-Land

it is as is and not
and only by this is
but is what only is

miracle sudden swirl
there is no Deadness-Land
oh God again the snows
the soul the snows the light

Oh God again the snows

but be there there are none
the snows my friend the snows
the soul the light the snow

oh God again the snows

and snow that is there is

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


ERINNERUNG-FELD

golden glänzt du immerdar
überfeldliche g e i s t-k a m m e r! – und nur weil
ich aufgelöst
in diesem wehen war
verstand ich – in finsternis geraten –
die worte der ohnmacht… – daß in meiner seligen
aaaaabewußtlosigkeit
das gefühl allein nicht ausreicht
um fortzubestehn – mich gerade noch bewahrend
durch das gebet – an kalter
einheitlichkeit leidend  o g e i s t-k a m m e r w o i c h b i n
ohne ein gran von können! – doch ich gedenke doch ich gedenke im vergessen
gleichsam – vielleicht – der leidenden widerscheine-zeichen des mittaglichts überm feld
überall leuchtende inmitten der stimmen – zusammen mit dem fernen sinn – jener stimmen
verweile ich

1985

Gennadij Aigi


Пять стихотворений Геннадия Айги

Из цикла «Тишина» / Hush
Клен на окраине города /A Maple on the Outskirts of Town
Дождь / The Rain
Метель в окне /Snowstorm in My Window
Путь / Our Way

Из цикла «Тишина»

а те с того самого времени как начали
видеть свет божий
стали впервые теперь различать
черное от белого
и пришли в восторг и торопятся уже сообщить
вот это – белое
а это черное

Gennadij Aigi


Hush

…and some people
have been trying to tell
the black from the white
since the very first moment
they saw the daylight…
they succeed at long last
and go into raptures
and hasten to
bring to our notice:
this is white
and that is black

Gennadij Aigi

Translated from the Russian by Anatoly Kudryavitsky


Клен на окраине города

какое же во дереве
безмолвие
как будто в целом мире
есть только он один – сентябрьско-тихий клен!
о нет о больше… – словно то присутствие:
ты – перед дверью некой
притих и знаешь: есть – теперь лишь это «там»
что более понятий
без объяснения… – вхожденье же возможно
(уход – покой – забвенье)
ценою лишь одной: не видеть более
вот этот клен – сентябрьский

Gennadij Aigi


A Maple on the Outskirts of Town

how much silence
is hidden inside the tree
as if it’s the only thing existing
in the wide world –
this quiet September maple!
o no there is much more to it –
like some kind of presence:
you stand before a door
you are calm and knowing:
the only important thing
is in there
and it is bigger than any concept
no need for explanation
but entry is possible
(departure – peace – oblivion)
at the cost of not seeing anymore
this quiet September maple

Gennadij Aigi

Translated from the Russian by Anatoly Kudryavitsky


Дождь

и моросит и утихает
как будто возится сама с собой “случайность”
(как “одаренность” годная
лишь для набросков жалких)
как будто “есть” “живет”
(в кругу – как я – ненужности)

Gennadij Aigi


The Rain

drizzles and subsides
as if ‘fortuity’
is romping with itself
(just as a ‘talent’
capable only of middling sketches)
as if ‘it exists’ really exists
(in the circle of uselessness –
exactly where I find myself)

Gennadij Aigi

Translated from the Russian by Anatoly Kudryavitsky


Метель в окне

В.Я.

Метель в окне и стены комнаты
и затеряв меня давно во вьюге дом
рисунков на стенах собрание как в прятках
как в юности – в ее далекой свежести
когда (метель) окно: как тайну: ладила
свое: то там то здесь:
немного поправляя

Gennadij Aigi


Snowstorm in My Window

(For V.Y.)

a snowstorm in my window –
and these walls of my room –
my house lost sight of me in a blizzard long ago
the collection of drawings on the walls
playing hide-and-seek with me –
reminds me of how it used to be in my youth
in those days of freshness
when it (the snowstorm) decorated my window
building a mystery and going into details
adjusting every little thing:
now here, now there

Gennadij Aigi

Translated from the Russian by Anatoly Kudryavitsky


Путь

Когда нас никто не любит
начинаем
любить матерей

Когда нам никто не пишет
вспоминаем
старых друзей

И слова произносим уже лишь потому
что молчанье нам страшно
а движенья опасны

В конце же – в случайных запущенных парках
плачем от жалких труб
жалких оркестров

Gennadij Aigi


Our Way

When nobody likes us
we learn
how to love our mothers
When nobody writes to us
we call to mind
old friends
And we utter a few words – simply because
we are scared of silence
and deem any movement dangerous
And in the end we find ourselves
in a park overgrown with shrubs –
and we sob as we hear the pitiable trumpets
of a pitiable brass band

Gennadij Aigi

Translated from the Russian by Anatoly Kudryavitsky


Dag

en weer
die dromen in asfaltglans
nu eens van heuvels in gloed dan uitholling in zwart
als een vonkende vloedgolf
enormgrote kringen in
een oeverloze zee kikkerdril
 
en overdag verandert de asfaltarena
in iets dat veel lijkt op
toneelstellages uit Shakespeare’s tijden
 
en achter elke lantaarnpaal schemeren
bergen en rivieren – en vuurtorens
 
en reeds wordt stad tot zee
en sneeuwhopen, ijspegels, smeltwaterplassen
zijn niet anders dan de kammen
van een onzichtbare zee
 
en die zee is onstuimig door
sporen van auto’s – sleetjes – overschoenen
en de jaarlijkse vervlechting
van al die sporen, van alle tekens
wordt tot de deining van
een Stad-Zee
 
’s avonds verandert de stad dan in stad
 
de mensen gaan elkaar mensen noemen
 
en de doodlopende steegjes van Zamoskvorétsje
 
gaan op het prille ochtendappèl
 
stralen met dat verstilde licht
 
dat alleen voorkomt in kinderkamers
 
als het uur aanbreekt voor het defilé
 
van Andersens loden soldaatjes

1958

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Mijn eigen

Ik moet
met mijn lippen
de grenzeloosheid van haar ogen bereiken
en mij dan verbazen over de nauw merkbare klop
in de aderen van het onderste ooglid
en begrijpen dat dit door hun doorzichtigheid komt
en hun onlichamelijkheid
zo licht en zo smartelijk
zijn die ogen die bijna niet trillen
 
en ik zal van haar houden met handen en lippen
en met mijn zwijgen en droom en de straten van mijn gedichten
en met de leugen – voor staten
en met de waarheid – voor leven
 
en met de perrons van alle spoorwegstations
waar ik eens voor het laatst zal verwijlen
voor een blik op de hete en zwarte ruggen
van locomotieven op rangeerterreinen
 
en haar laat ik over aan
in de rij staande mensen, aan toevluchtsoorden
in Siberië van kleine vreselijke steden
en van haar ga ik weg en voor goed
 
naar het slachthuis der mensen
van de eeuw ook die van mij…

1958

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Mensen

Nachtenlang heb ik
de lijnen der stoelen lijsten en kasten
met een gebaar
van mijn handen en schouders
op hun onbekende
vaste route gevolgd
 
ik had er geen erg in
dat dit oversloeg op de mensen
ik moet bekennen: in gesprekken met hen
mat ik in gedachten met mijn vingers
de boog van hun wenkbrauw
 
en zij waren overal
zodat ik niet zou vergeten
wat leven is in de vorm van de mens
 
en er waren weken en jaren
om afscheid van hen te nemen
 
en er was een voorstelling van denken
die mij leerde
dat lichtweerkaatsingen op hun piano
bloedverwanten hebben in
 
ziekenhuizen en kerkers

1960

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Geluk

Daar waar onze ogen begonnen
was een uitdaging van licht…
 
symmetrisch leg ik de schelpen uit
op de vreemde vrouw
die in het zand ligt
 
maar de wolken zijn als kreten
en de hemel is vol van die kreten
en ik word de grenzen gewaar
van stilte en van lawaai –
 
zij zijn zichtbaar aan de glimlachende vrouw
als naden in de wind;
 
en ik schud mij als een paard
temidden der nazaten van breuken en kamerwanden;
 
en denk: mij is dat genoeg, mij gaat dat niet aan
men moet weten dat twee mensen –
immers Birkenau zijn, –
 
o jij, mijn taboe, mijn Birkenau,
spel van grondstof en ijzer van mij,
wonder – nee, deugt niet, mijn klein wonderding,
‘ik’ – nee, deugt niet, mijn ‘ooj!’

1960

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Ochtend in Peredelkino

Het leek of alles in dit huis
bezig was met zichzelf af te rekenen:
wiens vingers? en flitsend: wiens licht, wiens koolmees, wiens praalhans?
 
of dat de bedgordijnen in hun twee helften
zich ten geschenke gaven met ergens
onder de mensen een gloeiende bodem
 
en of de deuren hier bogen
op een van het nabije bos
losgeraakt trapportaal
 
of dat een deel van de lichaamsbekleding –
als herfst op speelkaarten was!
Dit voor het ijs! Vensterbanken – voor ijs! kindervingers – voor ijs!
alles in afdruk van fluittoon, licht en vensterlijk
alsof zonder het meisje van dit huis
een ‘tse’ was gaan sputteren
in het door allen verlaten huis!
 
maar kom ik binnen dan vullen zich de plafonds
met het gekraak van bosgesprokkel
en jij gaat stralen
geheel als in stekels van klissen
niet meer te stuiten
en angstpatronen als schimmen van alsem
veranderen jou uit stokkende adem
in een ding – een huishouden van licht
 
en de ochtend wordt grondig
 
grondig de tuin ook
 
en alles aan jou om jou heen
 
zal grondig zijn in dit huis van de ochtendstond af
 
als waren de dingen stuk voor stuk
 
eerst zoëven ontstaan

1961

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Requiem in de voorwinter

ter herinnering aan B.L. Pasternak 

ik zal uitgeleide doen en blijven staan als zwijgzaam koor
heel die voorbestemde dag in gods ruimte
met de roerselen van een winters uitgestippelde dag
als met roet aan mijn zijde –
 
en de tijd brengt zichzelf voort
sneeuw in de wereld losgelaten wervelt
bij de poorten van kloosters
en mij lijkt vandaag de noodzaak van veel voorbijgangers
een steun toe van buiten
 
terwijl het peil van de eeuw al is bepaald
en het niveau van de roem eist
het gezicht naar stilte te keren
blijft niet het boek maar de atlas van passie
in de stilte op tafel bewaard
 
maar het jaar roert als roet aan de huizen
in de oude eeuw waarin boeken lijken verscheurd
waar elke bladzijde eisen zal stellen
van eigen lijn en vouw van zichzelf
door mijn mouwen
waar koude het raam er vlaknaast maar daarachter
sneeuwverstuivingen poorten en huizen

1962

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Bij requiem in de voorwinter

voor O.V. Ivinskaja 

In die dagen bleef zijn aardse slaap
mogelijk alleen in uw oogleden over
 
uit de verte wisselde hij hun kleur
en bracht in parken door verdriet zonsondergangen teweeg
 
en als van een nooit gezien en
allerzachtmoedigst wild dier
waren in hun blik op de velden
daarna de wimpers met rijp bedekt
 
daar zijn de tuinen van uw verdriet al anders…
en op de verre grafzerk
leg ik nieuwe naamloze
bloemen neer
als herdenking en neerslag in verzen

1965

Gennadij Aigi

vertaling Charles B. Timmer


Розы в августе/Roses in August
…Это было поздним летом
Меж ракит и на песке.
И. Анненский

о как
боляще – без границ!-
вы близки нам в провалах ваших тлеющих:

как в наших чувствах –
кость лица! –

как будто
в близости вы той
когда в любимой умирающей
слепя мерещится нам бездна –

и в лица входит
разрушая
сырая дробность
белизны

1966

Gennadij Aigi


 
…It was in late summer
Among willows and on sand.
I. Annensky

oh you
how painfully – without limits! –
close to us in your smouldering collapse:

as in our feelings –
bone of our face! –

as if you
were in that closeness
when in a loved woman dying
blinded we glimpse the pit –

and into faces
destroying comes
damp frustration
of whiteness

1966

Gennadij Aigi


Утешение: Поле/Consolation: Field
в образе – в прахе (как в облаке алом):

поля (как в зареве):

поля (как духа):

ты пребывай
о молитва (бессонница) –

словно окрашиваясь! –

радуя (слабого):

(о из огня его:

долго:

до грусти!) –

словно в соборе! –

свободно окрашиваясь:

(зная что будет):

и мысль не приемлющее! –

вечно (как ветер – собор бесконечный):

о независимо!
(ибо без праха):

без столкновения:

поле (как дух)

1967

Gennadij Aigi


 
in the image – in the dust (as in scarlet cloud):

of a field (as in sky glow):

of a field (as of spirit):

abide
oh prayer (insomnia) –

as if taking colour! –

gladdening (the weak):

(oh from its fire:

long:

unto sadness!) –

as if in communion! –

freely taking colour:

(knowing what will be):

not accepting the thought! –

eternally (like wind – infinite communion):

oh independently!
(because without dust):

without collision:

field (like spirit)

1967

Gennadij Aigi


В тумане/In the Mist
полный тумана
всю ночь огород – словно сад
а за ним
в тумане-лесу за оградой
голос кукушки
как будто в всегда-утихающем-неутиханьи
в далеком народе-отце
долго
давно
мой отец
(в сонме – клубящемся
шествием-пеньем)

1980

Gennadij Aigi


 
full of mist
all night the allotment – like a garden
and beyond it
beyond the fence in mist-forest
the cuckoo’s voice
as if ever-quieter-unquietness
in the distant father-people
long
and long ago
my father
(in the billowing crowd
of procession-and-singing)

1980

Gennadij Aigi


Последний овраг (Пауль Целан)
The Last Ravine (Paul Celan)
М. Брода
Понимаюсь;

так строятв хождении
храм.
Веет братство, – мы в облаке этом:
я (с незнакомым мне словом
как будто оно не в уме) и полынь (беспокойною горечью
рядом толкающая
мне это слово),
о, снова
полынь.
Глина,
сестра.
И, из смыслов, единственно бывший ненужным и главным,
здесь (в этих комьях убитых)
как имя никчемное. Им
пачкаюсь я, подымаясь
в очень простом √ как огонь √ озареньи,
чтобы отметиться метой последней
вместо √ вершины; она
пустым (ибо все уже отдано)
лицом: будто месо безболья
высится √ по-над полынью.
(…
Иформабылане
увидена
…)
А облако:
стали слепее (безликостью полой),
дно √ без движения; свет
как от разверзтости √ камня.
Все более
вверх.

1983

Gennadij Aigi


to M. Broda
I climb;
thus in walking
one builds
a temple.
Breath of fraternity, – we are in this cloud:
I (with a word unknown to me
as if not in my mind) and wormwood (unquietly bitter
alongside me thrusting
this word on me),
oh, once more
wormwood.
Clay, my sister.
And, of meanings, the one that was needless and central,
here (in these clods of the murdered)
seems a name to no purpose. With it
I am stained as I climb
in simple – like fire – illumination,to be marked with a final mark
in place – of a summit;
like
an empty (since all is already abandoned)
face: like a place of painlessness
it towers – above the wormwood.
(…And
the form
wasnot
seen
…)
But the cloud:
they grew blinder (in hollow facelessness),
the depths -without movement; the light
as from openedness – of stone.
Ever higher
And higher.

1983

Gennadij Aigi


Страна-пролог/Country-Prologue
чистота тропинки
простота воды –

и такое небо – будто снится
этой выси – никому неведомая
очень – даже очень уж – другая
бедность ясная Земли –

в нас немного говорящей:

“пока мы в мире есть
дым – в трубах изб – играет”

1994

Gennadij Aigi


 
cleanness of the path
simplicity of water –

and such a sky – as if a dream
of this height – unknown to all
very – oh yes very – different
bright poverty of Earth –

speaking a little in us:

“while we are in the world
smoke – in cottage chimneys – plays”

Gennadij Aigi


https://www.vavilon.ru/texts/aigi0.html


A жасмин надвигается:
словно душа – отодвинувшаяся
сразу – легко – от греха! …

Jasmine is emerging:
like a soul –
having pushed aside instantly
easily – the sin! …

Gennadij Aigi


Снова – Ивы

                                Ф. Л.
вдруг
понимаю что душу твою вспоминаю
в тумане вдали наблюдая
подъёмы теперь острова перепады вершин серебристых
ивовой рощи
спокойной
(и чем-то
«потусторонней»)
и что-то «такое»
(«величие»? «благоуханье»
близкой души «чистоты несказанной»?)
помню должно быть (и даже вдали вместо облика я
мыслями будто удерживаю
самый тишайший провал –
только нежностью ныне клубящийся)
впрочем
это одно лишь мельканье «чего-то» из памяти
когда переходы
словно «нездешних» красот
юностью тою роятся
где «вечное» – будто сиротство
(незримое – нас дожидаясь)

1980

Gennadij Aigi


Erneut – die Weiden
                                        Ф. Л.

jäh
wird mir klar dass ich an deine seele mich erinnere
während ich im nebel fern beobachte
erhebungen nun inseln das wallen silbriger wipfel
im weidengehölz
dem stillen
(und irgendwie
«jenseitigen»)
und etwas «solches»
(«erhabenheit»? «wohlgeruch»
einer nahen seele von «unsäglicher reinheit»?)
erinnere ich bestimmt (und selbst in der ferne statt einer
                                               gestalt halte ich
gleichsam mit den gedanken
den lautlosesten ––  bloss noch von zärtlichkeit umwölkten –
                                               einsturz auf)
im übrigen
ist dies nur ein aufflackern von «etwas» aus dem gedächtnis
wenn in den wechseln
der wie «abgehobenen» schönheiten
jene jugend schwärmt
wo «ewiges» so etwas wie verwaistheit ist
(ein unsichtbares ––  erwartend uns)

1980

Gennadij Aigi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


Рядом с лесом

а
наконец приближаюсь там нет никого никогда не бывало
лишь серебро
давнего чувства – свободным теплом надо лбом
и плечами

о это лёгкое
поле – сиянием в небо

это
душа одиночества будто мерцанье застенчивости
держит вокруг
и забелела свободная рядом
а чистота сотворяется – просто: самой чистотою
поле
открыто
(всё так же
как поле для неба)
ею лучится – себе

что
о другом? ведь насквозь проходило сиянье
чтобы – любить
будто ангела некого – всюду – мою беспрепятственность
тем и творя
целомудрия место:
– сколько бы ни было ветров чуть тёмных уходов
и жизней
это спокойнее бога покоя!
там
в тишине
голубо

1984

Gennadij Aigi


In Waldesnähe

und
schliesslich trete ich näher dort ist niemand war da jemals
bloss das silber
eines einstigen gefühls ––     wie die freie wärme über stirn und schultern

o
dies leichte
feld ––  ein glanz gen himmel

es ist
die seele der einsamkeit die gleichsam ––  allüberall ––  ein
schüchternes blinken im umkreis hält
und frei wurde sie weiss nebenan
und reinheit vollendet sich ––  einfach: durch die reinheit selbst
das feld
offen
(ganz so wie
das feld für den himmel)
strahlt es ––  durch sie ––  für sich

was gibt’s
von anderm zu sagen? ging doch das leuchten durch und durch
um zu ––  lieben
wie einen engel ––  überall ––  meine schrankenlosigkeit
dadurch auch schaffend
der keuschheit ort:
––  wie viele winde es auch gab von dunklen abgängen und leben

es ist ruhiger als der gott der ruhe!
dort
in der stille
blau

1984

Gennadij Aigi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


Моцарт: Кассация I
Mozart: Kassation I
                                                            С. Губайдулиной
моцарт божественный моцарт соломинка циркуль божественный лезвие ветер бумага инфаркт богородица ветер жасмин операция ветер божественный моцарт кассация ветка жасмин операция ангел божественный роза соломинка сердце кассация моцарт

1977

Gennadij Aigi

                                               Sofia Gubaidulina
Mozart göttlicher Mozart strohhalm zirkel göttlich klinge wind papier infarkt gottes gebärerin wind jasmin operation wind göttlicher Mozart kassation zweig jasmin operation engel göttlich rose strohhalm herz kassation Mozart

1977

Gennadij Aigi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


И: Едино-Овраг

Памяти Кшиштофа Камиля Бачиньского

1

это спокойствие
ветр над оврагом Людьми-называться-бесстыдно-Оврагом
и наконец Сверх-достоинство-Бездна – да просто такое
спокойное
рухнуть-Достоинство: нет ничего означает Единство
(до степени этой до мига
договорением
ветр
над оврагом)

2

ветр
как дыханье уже без Чего-да-Кого говорим мы
духоподобье (подобье подобья)
Друга-глубин-первозданного-Аушвица – всеобще-людского
Мыслителя-рвами
ветр
недоснившийся сон
чуя (и душу как кровь из младенца знамёнами
рвя-и-крича в разверзаньи)
чуя-едя бесконечным собако-дыханием
кратер оврага
оврага и только из жидкости-сущности-«жили-да-были»
этот обратный давно до-Кого-То (когда уже трупом
над всем отблистало
названье! – блистает
бесследность – за тем отблистаньем)
о этот
обратный
не менее
Дождь

3

о тишина
я бесстыднее не был
с тобой тишина
а вот также со мной
ты тишина как дыхание
света-бессмертно-высокого
духа-Золы (вот такой красотою
истинной
ныне
ты есть
тишина)

4

ветр
мы закончили а из оврага
стыдно да вот же цветку же подобно
ветр будто лепет младенца-Бачиньского (вот вам цве-
точек-такой-иероглиф-могучего-сверх-совершенства
дрожанье – теперь-то дошло как раненье ребёнка
     бесстыдное тонкостью)
ветр
над оврагом
закончили
даже клейма совершенства сияющих травам да птицам
зубов-совершенств-Человечество-Бога-давно-Словоедов
даже и знака
какого-то
ветру
самой Пустотою
не всаживать не взасверкать
(отблистанье
покрыло: и имени нет
чего-иль-кого-Что-теперь-и-назвать-уже-пусто-и-позд-
      но! – того: в отстраненье закрытом! –
лишь кости сияют скорей чем свет глаз над лицом!)
и бесточечно-и-раздробляюще-нечтое
словоподобие
бесстыдства последнею тонкостью
рвя-что-то-рвя! – и всё тоньше и тоньше! –
закончили – ветр над оврагом
закончили
ветр
над оврагом

1984

Gennadij Aigi


Und: der eine-abgrund

Krzysztof Kamil Baczyn´ski zum Gedenken

1

diese ruhe
wind überm abgrund Genannt-werden-schamlos-von-menschen-
                                                      «der-Abgrund»
und schliesslich Über-würde-Schlucht ––  und einfach solch eine ruhige
stürzen-Würde: nichts gibt es besagt die Einheit (bis zu diesem grad
                                                    zu diesem augenblick
als ein zuendereden
der wind
überm abgrund)

2

wind
wie atmung ohne Was-und-Wen wir reden
geistesgleiche (gleiche der gleiche)
des Freundes-der-tiefen-des-erstgeschaffenen-Auschwitz ––  des
                      allgemein-menschlichen-Denkers-in-gräben
wind
unausgeträumter traum
ahnend (und die seele wie blut aus dem kleinkind mit fahnen
                              fetzend-und-schreiend im klaffen)
ahnend-essend als endloser hunde-atem
krater des abgrunds
des abgrunds
und bloss aus flüssig-stoffen-«waren-sie-einmal»
der umgekehrte längst vor-Jemandem (wenn bereits wie ein leichnam
                                     über allem seinen glanz verloren hat
der name! ––  glänzt
die spurlosigkeit ––  jenseits jenes glanzverlusts)
o der
umgekehrte
nicht weniger
Regen

3

o stille
ich war schamloser nicht
mit dir stille
und also auch mit mir
du stille wie der atem
des-unsterblich-hohen-lichts
des-geistes-der-Asche (von solch wahrhaftiger
schönheit
nunmehr
bist du
stille)

4

wind
wir haben schluss gemacht und aus dem abgrund
schamhaft aber ähnlich einer blüte
wind wie das lallen des Baczyn´ski-kinds (da nehmt solch-ein-blümchen-
                     als-hieroglyphe-machtvoller-höchst-vollkommenheit-
                ein-zittern ––  eingetroffen nunmehr als kindsverwundung
                                                 die vor zartheit schamlos ist)
wind
überm abgrund
schluss gemacht
sogar die male der vollkommenheit der den gräsern und vögeln
                               leuchtenden zähne-der-volkommenheiten
                                der-Menschheit-Gott-Wortfresser-längst
und gar
eines zeichens
an den wind
durch die Leere selbst
nicht bepflanzen nicht beblitzen
(das glanz-ende
hat zugedeckt: und kein name mehr
wovon-oder-wessen-Was-nun-und-nennen-schon-leer-und-spät!
                              ––  dessen: insgeheimer beseitigung! ––
bloss scheinen knochen eher als das licht der augen über dem gesicht!)
                         und ein ungepunktet-und-splittend-gewissliches
scheinwort
des durch letzte zartheit schamlosen
schleissend-et-Was-schleissend! ––  und immer noch feiner! ––
                      schluss gemacht ––  wind überm abgrund
schluss gemacht
wind
überm abgrund

1984

Gennadij Aigi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


to the memory of Krysztof Baczynski

1
this tranquillity
wind over the ravine by-People-called-shamelessly-Ravine
and at last the Super-dignity-Abyss – and simply such a calm
collapse-Dignity: there is nothing it signifies Unity (to this degree
to the moment
by talking to the end
wind
over the ravine)

2

wind
like breathing already with Nothing-and-No-one we say
spiritlikeness (likeness of a likeness)
of the Friend-depths-of-first-created-Auschwitz – of the all-human-
Thinker-with-trenches
wind
dream not dreamed to the end
sensing (and the soul like blood from a baby with banners tearing-
and-crying in wide-opening)
sensing-eating in endless dog-breathing
the crater of the ravine
the ravine
and only out of liquid-substance-“once-upon-a-time”
this inverse long-before-Someone (when already like a corpse over
everything the name
had stopped shining! – the absence
of traces shines – beyond that end-of-shining)
oh this
inverse
no less
Rain

3

oh quietness
I was not more shameless
with you quietness
but now even so with me
you quietness are like breathing
of light-immortally-high
of the spirit-of-Ash (in such true
beauty
now
you are
quietness)

4

wind
we have finished but from the ravine
shamefully but still like a flower
the wind like the babble of baby-Baczynski (here for you is a
flower-such-a-hieroglyph-of-super-perfection-trembling –
and now it has arrived like the wound of the child in its
subtlety shameless)
wind
over the ravine
they have finished
even brandings of perfection of shining to grasses and birds teeth-of-
perfections-of-Humanity-of-god-long-ago-Selfeaters
and even some
sign
to the wind
through Emptiness itself
cannot be drilled home or sparked off
end-of-shining
has covered: and there is no name
of-what-or-of-whom-That-now-to-give-a-name-to-is-empty-and-late! –
of that: in closed setting aside!)
only bones are shining not light of eyes over the face!) and a kind
of endlessness
without-dots-and-dividing
of shamelessness in ultimate subtlety
tearing-Something-tearing – and more and more subtly! – they have
finished – wind over the ravine
they have finished
wind
over the ravine

1984

Gennadij Ajgi

Translated from Russian by Peter France


Возникновение Храма

о
голубое
и
поле – серебряной ниточкой – поле
(и много
золота
много)
вдоль – напряжение!
и
твёрдостью светлости
ввысь

1981

Gennadij Ajgi


Auftauchen einer Kirche

o
himmels blau
und
feld ––  ein silberfädchen ––  feld
(und viel
des goldes
viel)
entlang ––  die spannung!
und
durch die festigkeit der helle
empor

Gennadij Ajgi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


С пением: к завершению

                                                         А. Назаренко

                               Празднество распалось… Я увидел лишь небольшую
                          вереницу, удаляющуюся в сторону леса.

                                                                          Запись 1956 года

колыханьем лесного подола
ушла вереница – с улыбками были – исчезла
с собой уводя и напев
шагами ушла колыханием дела руками
дрожание края лесного
мне оставляя уже ненадолго:

– нет не взорвётся ничто я спокойствием буду задушен:

боже какой это Бог мой спокойный
так на виду затихать! –

просто такими простыми
из света из глины покровами кровь укрывая:

в лес заблестеть – доискриться как в мареве
в том что одной светокостью осталось
слабо маячить мне лицами:

землю рожавшими! – небу
(здесь мне забыть и о бедных вещах мне беднее молчать:
эта сила как вещи ненужные даже слаба умирать: это
ветер шуршит в разрушеньях давно – даже крови не
нужно: пролиться как знак! – и такой уж пустырь –
равнодушное око! – и будет землёю всё более – дню):

и значит пора отосниться
больше чем Богу покоя:

призраку света пора отосниться
свету отсутствия лбов – огневыми раскатами
нас открывавших:

что ж? допоём: ничего не предвидится
значит ещё как воде отосниться
«о вереница» ходьбе-веренице:

– Боже прими за живое хотя бы такое:

о отосниться (и лес закрывается):

слабостью тихой слезе-веренице! –

вам – недопевшим

1983

Gennadij Ajgi


Mit Gesang: Zur Vollendung

im wogen des waldsaums
hob der schwarm ab ––  begleitet von etwelchem lächeln –
  verschwand er
nahm mit sich fort auch den gesang
hob schrittweise ab im wogen des werks von händen
überliess mir nicht mehr für lange
das wabern des waldrands:

––  nein platzen wird nichts ich werde von ruhe bedrückt sein:

gott wie ist mein Gott doch ruhig
so zu verstummen sichtlich! ––

schlicht mit solch schlichten
schichten aus licht aus lehm das blut zudecken:

in den wald blinken ––  funken versprühn im dunst
in dem was übrigblieb als leuchtknochen
schwach mir zu schimmern wie gesichter:

erde gebärend! ––  dem himmel:

(hier muss ich vergessen von armen dingen muss ich
ärmer schweigen: diese kraft unnützen dingen gleich ist
sogar zu schwach zum sterben: das ist der wind der rauscht in den
zerstörungen schon längst ––  selbst blut braucht’s keins: wie ein
zeichen auszufliessen! ––  und solch eine wüstung bereits –
gelassen das auge! ––  und immer mehr wird erde ––  für den tag):

und also ist es zeit sich auszuträumen
mehr als dem ruhe-Gott:

zeit für das gespenst des lichts sich auszuträumen
für das licht der fehlenden stirnen ––  die mit feuerschauern
uns entdeckten:

na? finden wir zu ende: nichts ist vorauszusehn
das heisst wie noch das wasser auszuträumen hat
«o schwarm» der schwarm-gang:

––  Gott nimm für lebendig zumindest ein solches:

o auszuträumen (und es schliesst sich der wald):

hat als stille schwäche die schwarm-träne! ––

ihr ––  die ihr nicht ausgesungen habt

1983

Gennadij Ajgi

Aus dem Russischen von  Felix Philipp Ingold


https://www.lyrikline.org/de/autoren/gennadij-ajgi

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