Jabès: Buch der Fragen 2

Jabès, Edmond, Das Buch der Fragen. Aus dem Französischen von Henriette Beese, Frankfurt am Main 2019, (Suhrkamp)

Die ganze Wahrheit wollte ich ausdrücken, und die Wahrheit ist ein Schrei, ein eigensinniges, unauslöschliches Bild, das uns aus unserer Erstarrung reißt, ein Bild, das uns blendet oder Ekel einflößt.
Die Furcht, zu lügen, ist die Ehre des Schriftstellers; denn er ist aufgerufen, zu zeugen und auf sein Zeugnis zu bauen.
Ich habe das Übel gesehen. Um es zu zerstören, muss ich schwören können.

Pag. 122

»Der Wind der Freiheit bläst ebenso stark wie der des Wahnsinns.«

Dieser Mensch hat das Schweigen seines Kindergebetes in den Händen.

Bitte ihn, hier sein Haus zu bauen.«


Reb Oda

»Wir können nur durch uns selbst gerettet werden. Das ist unsere Möglichkeit zum Glück.«


Reb Mires

Pag. 125

Vergiss nie, dass du der Kern eines Bruches bist.


Reb Armel

»Ein Blutfleck, ein Tintenfleck wiegen schwerer als eine Tonne Mais.«

»Rostrot scheint die Tinte wider, weil sie mit Blut vermischt ist.«

»Schwieriger ist es, die Seiten des Buchs der Tage umzuwenden, als ein Gebäude zu versetzen.«


Reb Elias

Pag. 126-127

Yukel: Der Mensch ist ein Aschenhandler. Außerhalb der Welt rette ich den Augenblick, meinen Anteil am Ewige.
Sarah, du mein Augenblick und meine Ewigkeit

Pag. 136

»Die vier Jahreszeiten des Menschen sind Sehen, Hören, Wort und Fühlen.«
Reb Atias

Pag. 147

(…) Aber der Wind weht nicht zu eurem Glück, Mörder.

Pag. 148

  • Meister, sagte Reb Vidor eines Tages zu Reb Goetz, ist es wahr, dass die Wüste bis an die Seele herabsteigt und dass die Leidenschaft, die ursprünglich eine Sandpflanze war, uns treibt, den Ort ihrer Vergangenheit zu verlassen um eines Versprechens van Wald und Garten willen?
  • Der Seele Erwachen, Himmel und Begehren, antwortete Reb Goetz, ist die Wüste; von ihrem eigenen Baum aber wurde die Frucht der Erkenntnis gepflückt.
  • Zieht das Wasser den Baum auf wie eine Mutter ihr Kind?
  • Das Wasser ist der Lebensgrund unserer unbehausten Stimmen.
  • Das Wort wachst zwischen Himmel und Erde, wo Zukunft in den Zweigen ist. Müssen wir nicht zum Wort gehen, wie die Wurzel zu den Früchten aufsteigt?
  • Der Garten ist Worte; die Wüste Schrift. In jedem Sandkorn ein überraschendes Zeichen.

Pag. 150

»Allein nur erkennt man sein Leben, sagte Moses Schwall, und das Leben ist ein Windhauch.«

Pag. 169

(Die Wahrheit ist unablässige Erfindung, widerspricht sie doch sich selbst, und nur das ist wahr, was vorläufig ist, nur das, was geteilt werden kann. Sobald sich unser Blick auf ein Ding, auf eine Landschaft richtet; sobald das durch das Wahrgenommene hervorgerufene Gefühl uns ergreift, ändert jenes sich; wir haben ihm das Leben gegeben, das es van uns erbat, seine Vergangenheit mischt sich mit dem ersten Erstaunen; es existiert nur durch uns, für uns; außerhalb von uns existiert es nur für alles Übrige, was nicht es ist und es verdunkelt. So hört GOtt auf, ewig zu sein, wenn er in uns lebt. Den Milliarden von aufeinanderfolgenden Leben GOttes im Leben der Menschen verdankt GOtt, dass ER ewig und lebendig ist.)

Pag. 176

bayrisches Hochland