Fr. Cheng over de schoonheid van de ziel (5)

Vor allem die Kirchenväter, die die so eigentümliche Vision eines DREIEINIGEN Gottes entfalteten, haben der TRINITÄT gewissermassen eine irdische Entsprechung verschafft mit ihrer Sicht des Menschen, der aus den drei Elementen Körper – Seele – Geist bestehe. Da der Mensch «nach dem Bilde Gottes» geschaffen war, erschien es diesen Vatern nur allzu natürlich, dass das Leben in ihm auf drei Wegen zirkuliere. Damit entsprach die Ordnung des menschlichen Lebens wie ein Widerhall der des GÖTTLICHEN LEBENS. Ja, die Trias Körper – Seele – Geist ist vielleicht die genialste Eingebung der ersten Jahrhunderte des Christentums – eine Eingebung, die heute beinahe in Vergessenheit geraten ist in der westlichen Welt, welche ihr seit dem 2. Jahrtausend den Körper- Geist-Dualismus vorzieht, während jene Trias im orientalischen Christentum noch lebendig ist.
Die drei Wesenheiten dieser Trias, die sich ergänzen und miteinander verbunden sind, können Spannungen untereinander aufweisen. Zwischen Körper und Seele oder zwischen Körper und Geist kann es Widersprüche geben. Aber das dialektisch Wichtige, well Fruchtbare, findet zwischen Seele und Geist statt. Dabei geht es um eine ganze Reihe von Beziehungen zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen, zwischen dem Innen und dem Aussen, zwischen dem Gemüt und dem Verstand, zwischen dem Bedürfnis nach Imaginärem und der Forderung nach Wirklichkeit, zwischen dem Unbeschreiblichen und dem Beschriebenen, zwischen der schütteten Erinnerung und der behersschten Gegenwart, zwischen der Ahnung von Unendlichkeit und dem Bewusstsein der Endlichkeit… Im entscheidenden Moment unterscheiden sich Seele und Geist deutlich voneinander, wie Paulus im Brief an die Hebräer versichert: «Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein … » Und glauben Sie nur nicht, dass in diesem Streitgespräch zwischen den beiden Polen meine Stellung als Dichter mich dazu veranlasst, im Namen irgendeiner anti-intellektuellen Position ausschliesslich Partei für die Seele zu ergreifen. Nein, noch einmal: Ich erkenne gern die wichtige Rolle des Geistes an. Erst er gestattet es der Seele, Bewusstsein zu erlangen und sich zu entfalten. Er ermöglicht erst Aufbau und Verwirklichung. Er nimmt einen zentralen Platz ein. Dennoch sollte man mit Blick auf diese zentrale Position des Geistes der Seele einen Platz ganz am Anfang und ganz am Ende einräumen. Wie ich zuvor betont habe, kann dem Geist im einzelnen Menschen Schwächung oder Versagen widerfahren, und diese Umstände – seien sie einer Krankheit, dem Alter oder einer Behinderung zuzuschreiben – machen uns bewusst, dass allein die Seele in Verlauf eines Erdenlebens unversehrt bleibt, als unauslöschliches Zeichen einer Einzigartigkeit und letztlich einer Einheit des Seins. pag. 65-67

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Doch die Schlussfolgerungen, die sie daraus ziehen, enttäuschen uns oftmals: Ihnen zufolge wären wir nicht als “Sternenstaub”, “Molekülhaufen” oder “Neuronenbündel”.
Ähnliches gilt für die Philosophen, die nur mit einem Denken glänzen, das um sich selbst kreist oder sich mit der Tyrannei des Körpers abzufinden sucht.
Jedenfalls hat für die, die den – im engeren Sinne des Wortes rationalen – Geist als Wertmassstab preisen, alles, was sich im wirklichen Leben manifestiert in Gestalt von Gefühlen, Sensibilität, Beglückung angesichts eines Vogelrufs oder des Lächelns eines Babys, in Gestalt der Rührung über die Schönheit eines Gesichts oder einer Landschaft, der Tränen, die einem kommen, wenn die Wehmut einen packt, eines Wiegenlieds,
das einem wieder in den Sinn kommt, wenn der Gesang einer Frau einen überwältigt, einer Geste der Zärtlichkeit anstelle von Worten, eines Kniefalls angesichts der Grösse eines Opfers … all das hat für sie nur einen zweitrangigen Wert: Wenn man es nicht auf vereinfachende Weise analysieren kann oder wenn es sich nicht in wissenschaftliches Wissen einordnen lasst, gilt es nicht einmal mehr als Teil des «Realen», gehört es auf den Müll oder bestenfalls in den Keller oder auf den Dachboden unserer Seinsbehausung.
Nun kommt es durchaus vor, dass wir unseren Dachboden durchstöbern, um unsere Musse zu möblieren, und wir entdecken in alten Truhen verstaubte Bündel vergilbter Papiere neben Fotos, Zeugnissen, einer Zeitung und Briefen, die von einem unserer Ahnen oder Eltern hinterlassen wurden. Dann offenbart sich uns eine ganze Reihe von Begeisterungen, Freuden, Sorgen, Reuegefühlen, mehr oder weniger eingestandenen Leidenschaften, niemals zur Gänze verheilten Verletzungen. Uns wird bewusst, dass das hier das wahre Schicksal jener Menschen ist, dieser zutiefst persönliche und unersetzliche Tell des Seins. Eine Tatsache fällt uns sofort ins Auge: Das wahre Leben beschränkt sich nicht auf das Wissen darüber, wie die Dinge funktionieren, ein Wissen, das gewiss verdienstvoll ist. Es liegt in dem eigentlichen Verlangen, das jeder dem LEBEN entgegenbringt, in dem Verlangen nach einem im Einklang mit anderen Leben stehenden, offenen Leben, in einer gemeinsamen ANWESENHEIT, in der alles Zeichen aussendet, alles einen Sinn annimmt. Falls es dazu kommen muss, dass ein Gott eine neue Lebensordnung erschafft, dann wird er dies mit Seelen tun, die weiterhin Hunger und Durst nach dem wahren Leben verspuren. Hier kommt mir ein Gedicht in den Sinn, das ich einst geschrieben habe:

Du. Gott des Erinnerns, du weisst es,
all unsere hier erlebten Wünsche bleiben
unversehrt. Solltest du einst zu uns
zurückkehren müssen, dann nicht aus Mitleid,
denn du, Gott des Erscheinens, du wirst
uns brauchen, um dir ein neues Leben zu machen.

Uns, die wir den Abgrund überlebt haben.

Ich denke auch wieder an die ässerungen einiger berühmter Persönlichkeiten, die mir im Laufde des Lebens nebenbe im Gedächtnis beblieben sind.
Ich denke an eine Bemerkung, die Rousseau in einem Brief an George Keith macht, als er ihm seine Absicht mitteilt, über sein Leben zu schreiben: «Nicht mein äusseres Leben -wie das der anderen», sagt er, «sondern mein wirkliches Leben, das meiner Seele, die Geschichte meiner allergeheimsten Empfindungen.»
Ich denke an Jean Cocteau, der uns einlädt, uns ein hochintelligentes Wesen vorzustellen, das von einem anderen Planeten aus unseren beobachtet. Beim Anblick eines Wissenschaftlers, dem es gerade gelingt, eine besonders schwierige Rechenaufgabe zu lösen, würde dieses Wesen herablassend lächeln, als wollte es sagen: «Nicht schlecht. » Dagegen wäre es sprachlos angesichts einer Persönlichkeit wie Van Gogh, angesichts seiner gequälten Seele, die die schreckliche Herausforderung des künstlerischen Schaffens annahm, das seinem ausgebrannten Körper eine ganz andere Art von Würde
verlieh, vor der man sich nur verneigen kann.
Dieses Bild erinnert mich an das Porträt, das Tocqueville in seinen Erinnerungen von König Louis-Philippe zeichnet: Er spricht von dessen «weitschweifiger, diffuser, origineller, trivialer, anekdotenhafter Konversation voller kleiner Begebenheiten, voller Witz und Sinn», die ein wahres Vergnügen für den Verstand sei… aber er schliesst so: «Sein Geist war vornehm, aber verklemmt und behindert von der geringen Höhe und Weite seiner Seele.”
Ich denke an den so treffenden Ausdruck «Seelenstarke». Denn die Seele ist sehr wohl eine Starke, dank derer so viele Heldentaten in der Menschheit vollbracht worden sind.
Ich denke an Kierkegaard, für den der Mensch das Wesen ist, dessen endliches Fleisch vom Schwert der Unendlichkeit durchbohrt ist. Er gesteht in seinem Tagebuch, wie ihn eines Tages die Verzweiflung packte, nachdem er einen ganzen Nachmittag öffentlich geglänzt hatte: Er hatte der Gesellschaft mit seinen geistreichen Worten imponiert, «aber ich ging fort», so schreibt er, «und der Strich, der hier zu ziehen ist, muss so lang sein wie der Erdradius … und ich wollte mir eine Kugel durch den Kopf jagen». Seine Seele erinnerte Ihn daran, dass das wahre Leben in der demütigen Hingabe an etwas Grösseres, Höheres, Unbegrenzteres als das eigene Ich besteht. Und eben weil er inmitten seiner Verzweiflung diese Hingabe schliesslich gefunden hat, erwähnt er später «eine unbeschreibliche Freude […] nicht eine Freude über dieses oder jenes, sondern der kräftige Ausruf der Seele <mit Zung’ und Mund aus Herzens Grund>: <ich freue mich an meiner Freude, aus, in, mit, bei, auf, an und mit meiner Freude>».
Diese Freude, die Kierkegaard auf das «Freuet euch in dem HERRN allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!» des Apostels Paulus in dessen Brief an die Philipper bezieht, erinnert mich natürlich an das: “Freude, Freude, Freude, Freudentränen” von Pascal. Pascal hat am besten über die Trias Körper-Geist-Seele gesprochen, die ich in meinem vorangegangenen Brief erwähnte, indem er mit Hilfde der Figur der drei übereinander gestuften Ordnungen eine vertikale Dimension verlieh. Ich erinnere sie and das Wesentliche dieser unvergesslichennPassage aus den Pensées (Gedanken) – ich zitiere sie eetwas längerr, denn ich empfehlte ihnen, sie sorgsam aufzubewahren und immer wieder darauf zurückzukommen, so wie ich auch es tue: (792)
„Der unendliche Abstand der Körper von den Geistern ist ein Bild für den unendlich unendlicheren Abstand der Geister von der Liebe, denn sie ist übernatürlich. …pag 73-78

Blaise Pascal:

The infinite distance between body and mind is a symbol of the infinitely more infinite distance between mind and charity; for charity is supernatural.
All the glory of greatness has no lustre for people who are in search of understanding.
The greatness of clever men is invisible to kings, to the rich, to chiefs, and to all the worldly great.
The greatness of wisdom, which is nothing if not of God, is invisible to the carnal-minded and to the clever. These are three orders differing in kind.
Great geniuses have their power, their glory, their greatness, their victory, their lustre, and have no need of worldly greatness, with which they are not in keeping. They are seen, not by the eye, but by the mind; this is sufficient.
The saints have their power, their glory, their victory, their lustre, and need no worldly or intellectual greatness, with which they have no affinity; for these neither add anything to them, nor take away anything from them. They are seen of God and the angels, and not of the body, nor of the curious mind. God is enough for them.
Archimedes, apart from his rank, would have the same veneration. He fought no battles for the eyes to feast upon; but he has given his discoveries to all men. Oh! how brilliant he was to the mind!
Jesus Christ, without riches, and without any external exhibition of knowledge, is in His own order of holiness. He did not invent; He did not reign. But He was humble, patient, holy, holy to God, terrible to devils, without any sin. Oh! in what great pomp, and in what wonderful splendour, He is come to the eyes of the heart, which perceive wisdom!
It would have been useless for Archimedes to have acted the prince in his books on geometry, although he was a prince.
It would have been useless for our Lord Jesus Christ to come like a king, in order to shine forth in His kingdom of holiness. But He came there appropriately in the glory of His own order.
It is most absurd to take offence at the lowliness of Jesus Christ, as if His lowliness were in the same order as the greatness which He came to manifest. If we consider this greatness in His life, in His passion, in His obscurity, in His death, in the choice of His disciples, in their desertion, in His secret resurrection, and the rest, we shall see it to be so immense, that we shall have no reason for being offended at a lowliness which is not of that order.
But there are some who can only admire worldly greatness, as though there were no intellectual greatness; and others who only admire intellectual greatness, as though there were not infinitely higher things in wisdom.
All bodies, the firmament, the stars, the earth and its kingdoms, are not equal to the lowest mind; for mind knows all these and itself; and these bodies nothing.
All bodies together, and all minds together, and all their products, are not equal to the least feeling of charity. This is of an order infinitely more exalted.
From all bodies together, we cannot obtain one little thought; this is impossible, and of another order. From all bodies and minds, we cannot produce a feeling of true charity; this is impossible, and of another and supernatural order.

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http://www.gutenberg.org/files/18269/18269-h/18269-h.htm
308-793 La distance infinie des corps aux esprits figure la distance infiniment plus infinie des esprits à la charité, car elle est surnaturelle.
Tout l’éclat des grandeurs n’a point de lustre pour les gens qui sont dans les recherches de l’esprit.
La grandeur des gens d’esprit est invisible aux rois, aux riches, aux capitaines, à tous ces grands de chair.
La grandeur de la sagesse, qui n’est nulle sinon de Dieu, est invisible aux charnels et aux gens d’esprit. Ce sont trois ordres différents, de genre.
Les grands génies ont leur empire. leur éclat, leur grandeur, leur victoire et n’ont nul besoin des grandeurs charnelles ou elles n’ont pas de rapport. Ils sont vus, non des yeux mais des esprits. C’est assez.
Les saints ont leur empire, leur éclat, leur victoire, leur lustre et n’ont nul besoin des grandeurs charnelles ou spirituelles, où elles n’ont nul rapport, car elles n’y ajoutent ni ôtent. Ils sont vus de Dieu et des anges et non des corps ni des esprits curieux. Dieu leur suffit.
Archimède sans éclat serait en même vénération. Il n’a pas donné des batailles pour les yeux, mais il a fourni à tous les esprits ses inventions. O qu’il a éclaté aux esprits.
J.-C. sans biens, et sans aucune production au dehors de science, est dans son ordre de sainteté. Il n’a point donné d’inventions. Il n’a point régné, mais il a été humble, patient, saint, saint, saint à Dieu, terrible aux démons, sans aucun péché. O qu’il est venu en grande pompe et en une prodigieuse magnificence aux yeux du coeur et qui voyent la sagesse.
Il eût été inutile à Archimède de faire le prince dans ses livres de géométrie, quoiqu’il le fût.
Il eût été inutile à N.-S. J.-C., pour éclater dans son règne de sainteté, de venir en roi, mais il y est bien venu avec l’éclat de son ordre.
Il est bien ridicule de se scandaliser de la bassesse de J.-C., comme si cette bassesse était du même ordre duquel est la grandeur qu’il venait faire paraître.
Qu’on considère cette grandeur-là dans sa vie, dans sa passion, dans son obscurité, dans sa mort, dans l’élection des siens, dans leur abandonnement, dans sa secrète résurrection et dans le reste. On la verra si grande qu’on n’aura pas sujet de se scandaliser d’une bassesse qui n’y est pas.
Mais il y en a qui ne peuvent admirer que les grandeurs charnelles comme s’il n’y en avait pas de spirituelles. Et d’autres qui n’admirent que les spirituelles comme s’il n’y en avait pas d’infiniment plus hautes dans la sagesse. Tous les corps, le firmament, les étoiles, la terre et ses royaumes, ne valent pas le moindre des esprits. Car il connaît tout cela, et soi, et les corps rien.
Tous les corps ensemble et tous les esprits ensemble et toutes leurs productions ne valent pas le moindre mouvement de charité. Cela est d’un ordre infininient plus élevé.
De tous les corps ensemble on ne saurait en faire réussir une petite pensée. Cela est impossible et d’un autre ordre. De tous les corps et esprits on n’en saurait tirer un mouvement de vraie charité, cela est impossible, et d’un autre ordre surnaturel.
https://www.ub.uni-freiburg.de/fileadmin/ub/referate/04/pascal/pensees.pdf

Bron: Cheng, François, Über die Schönheit der Seele. Sieben Briefe an eine wiedergefundene Freundin, München 2018, (C.H. Beck)

 

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