Hilde Domin

Lyrik

Das Nichtwort

Ausgespannt
zwischen

Wort und Wort

Hilde Domin


Poëzie

het nietwoord

gespannen
tussen

woord en woord

Vertaling Kees Kok


Notrufer

In mir ist immer
Abschied:
Wie ein Ertrinkender
dessen Kleider
von Meerwasser schwer sind
seine letzte Liebe
einer kleinen Wolke schenkt.

In mir ist immer
Glaube,
als sei das goldene Seil
wer es auch auswirft
dem Notrufer
heilig
geschuldet.


Help-roeper

In mij is altijd
afscheid:
Als een drenkeling
wiens kleren
zwaar zijn van het zeewater
zijn laatste liefde
een kleine wolk schenkt.

In mij is altijd
geloof,
alsof het gouden touw
wie het ook uitwerpt
voor de help-roeper
heilig
verschuldigd is.


40×50 juli 2025 Budenbrooks

Apfelbaum und Olive

Ein Trost ist, zu wissen
wo die Tassen stehn und die Teller
in dem Haus, in dem du zu Gast bist,
und einen Anteil zu haben
an der Zärtlichkeit von Katze und Hund
deines Freunds,
und die Tücke des Fahrrads zu kennen
als sei es dein eignes,
auf dem du mit der verblichenen Tasche
in das fremde Dorf fahren darfst,
und die Milch auf dem Weg zu verschütten
als habest du selbst
den Deckel der alten Kanne
vorJahren
auf diesem Wege verloren.
Du gehst durch das Gartentor
und machst es hinter dir zu,
als stehe die Bank
für dich vor dem Haus,
und siehst die andern draussen vorbeigehn,
du,
der Wandrer
von Tag zu Tag
und von Land zu Land
an dem das Wort
von der Flüchtigkeit
allen Hierseins
Fleisch ward.
Du, den jede Wand
aufgibt,
und den es oft nach des Zirkuskinds
fahrbarer Höhle verlangt.

Zwar, der Apfelbaum und die Olive
sind überall dein,
und in fernen Ländern
schiebt man dir einen Stuhl an den Tisch
an der Seite der Hausfrau,
und jedes gibt dir von seinem Teller
wenn die Schüssel schon leer ist,
als habe ein Kind sich verspätet,
nicht als kämest du eben vom Flugplatz.
Und die dunkeln Mangobäume
und die Kastanien
wachsen Seite bei Seite
in deinem Herzen.

Du weisst, wie die hohen Gräser
an den Rändern der Insein rascheln
in allen südlichen Meeren,
wie staubig die Kaktuswege sind,
und du gehst durch die schaumigen Wiesen und kennst
ihren bunten Kalender.
Du spielst mit dem Wind
und bläst die hellen Kugeln
des Löwenzahns in die Luft
und siehst dem Schweben
der kleinen weissen Schirme mit zu
-so leicht, so widerstandslos vor dem Wehn
wie du selbst.
Irgendwo
dürfen sie landen.

Dann fährst du die Strasse hinab
als glittest du auf einem Schlitten
an den Pappeln vorbei
in die Abendsonne.
Ein Reh tritt aus dem Wald,
und eine kleine Kirche auf einem Hügel
mit einem einsamen Kirchhof
winkt dir zu.
Du wägst ihren Gruss
wie eine Einladung,
die man eines Tages
-noch ungewiss, wann –
vielleicht gerne
annehmen möchte.

Und daran erkennst du
Dass du
hier ein wenig mehr
als an andern Stätten
zuhaus bist.

Hilde Domin


Appelboom en olijf

Het is een hele troost te weten
waar de kopjes staan en de borden
in het huis waar je te gast bent,
en deel te hebben
aan de tederheid van de kat en de hond
van je vriend,
en de nukken van de fiets te kennen
als was die van jezelf,
waarop je met de verschoten tas
naar het vreemde dorp mag rijden,
en onderweg de melk te morsen
alsof jij zelf
jaren geleden
de deksel van de oude kan
langs deze weg bent kwijtgeraakt.
Je gaat het tuinhek door,
doet het achter je dicht
alsof de bank voor het huis
er voor jou staat,
en ziet de anderen buiten voorbijgaan,
jij,
de zwerver
van dag tot dag
en van land tot land,
in wie het woord
over de vluchtigheid
van alle hierzijn
vlees is geworden.
Jij die door elke muur
verstoten wordt,
en die zo vaak verlangt
naar het verplaatsbare
Holletje van het circuskind.

Zeker, de appelboom en de olijf
zijn overal van jou,
en in verre landen
schuift men een stoel voor je aan bij tafel
naast de vrouw des huizes,
en iedereen geeft je van zijn bord
als de schaal al leeg is
als voor een kind dat te laat kwam
en niet jij net van het vliegveld.
En de donkere mangobomen
en de kastanjes
groeien zij aan zij
in jouw hart.

Je weet hoe de hoge grassen
aan de randen der eilanden ruisen
in alle zeeën van het zuiden,
hoe stoffig de cactuswegen zijn
en je loopt door de schuimende weiden en kent
hun bonte kalender.
Je speelt met de wind
en blaast de lichtende
paardenbloembollen de lucht in
en kijkt toe hoe ze zweven
de kleine witte hoedjes
-zo licht, zo zonder weerstand tegen de pijn
net als jij.
Ergens
mogen ze landen.

Dan rij je de straat af naar beneden
glijdend als op een slee
aan de populieren voorbij
in de avondzon.
Een hert stapt uit het bos
en een kerkje op een heuvel
met een eenzaam kerkhof
zwaait naar jou.
Je weegt hun groet
als een uitnodiging,
die je op een dag
-nog onzeker wanneer –
misschien graag
zou willen aanvaarden.

En daaraan erken je
dat je
hier een beetje meer
dan op andere plaatsen
thuis bent.

Vertaling Kees Kok


40×50 juli 2025 Budenbrooks

Herbstzeitlosen

Für uns, denen der Pfosten der Tür verbrannt ist,
an dem die Jahre der Kindheit
Zentimeter für Zentimeter
eingetragen waren.

Die wir keinen Baum
in unseren Garten pflanzten,
um den Stuhl
in seinen wachsenden Schatten zu stellen.

Die wir am Hügel niedersitzen,
als seien wir zu Hirten bestellt
der Wolkenschaf e, die auf der blauen
Weide über den Ulmen dahinziehn.

Für uns, die stets unterwegs sind
-lebenslängliche Reise,
wie zwischen Planeten –
nach einem neuen Beginn.

Für uns
stehen die Herbstzeitlosen auf
in den braunen Wiesen des Sommers
und der Wald füllt sich
mit Brombeeren und Hagebutten –

Damit wir in den Spiegel sehen
und es lernen
unser Gesicht zu lesen
in dem die Ankunft
sich langsam entblösst.

Hilde Domin


Herfsttijlozen

Voor ons, wier deurpost is verbrand
waarop de kinderjaren
centimeter voor centimeter
waren aangebracht.

Wij die geen boom
hebben geplant in onze tuin,
om de stoel
in zijn groeiende schaduw te plaatsen.

Wij die op de heuvel gaan zitten,
tot herders aangesteld
over de wolkenschapen, die op de blauwe
weide voorbijtrekken boven de olmen.

Voor ons, die steeds onderweg zijn
-levenslange reizen
tussen planeten –
naar een nieuw begin.

Voor ons
staan de herfsttijlozen op
in de bruine zomerweiden
en het bos vult zich
met braambessen en rozenbottels

Opdat wij in de spiegel kijken
en leren
ons gezicht te lezen
waarin de aankomst
zich langzaam onthult.

Vertaling Kees Kok


Nacht

Man hat mich Tote aufs Wasser gelegt
ich fahre die Flüsse hinunter

die Rhöne den Rhein den Guadalquivir
den Haifischfluss in den Tropen.

Am Meer die Särge.
Ich ohne Münze zwischen den Zähnen

ich treibe in meinem Bett
an den barmherzigen

Bewahrern
geliebter Toter vorbei

überzählig
unnützer als Treibholz

in den Tag.

Hilde Domin


Rosenblätter

Mit dem Kopf nach unten
4 cm
freiwillig
die Fersen in Herzhöhe
fahre ich in die Nacht
Ein Schlag auf den Fussboden
ich mache Licht
es sind die Rosenblätter

Hilde Domin


Vademecum

Der Tote ist unser sichrer Verlass.
Er sitz in uns
in sich gerollt
wie ein geschmeidiges Knäuel
oder ein Embryo,
oder so wie ein kleines Tier,
das man in eine Büchse
mit Luftlöchern
in eine Tasche steckt,
nur viel bequemer.
Er verdrängt keinen Raum
und kostet keine Fahrkarte
und kein Extragepäck
in den transkontinentallen Flügen.
Er ist immer da.
Er beantwortet alle Fragen
und fragt nicht
er sieht uns an, wenn wir hinsehen,
und dreht sich um, wenn wir wegsehen,
er verlangt nichts,
er enttäuscht nicht,
und er beklagt sich kaum,
wenn wir ihn einen Tag
oder eine Woche vergessen.
Und wenn wir einsam sind
und ihn anstrahlen,
leuchtet er Wärme zurück
wie ein Radiator aus Nickel.
Der Tote lügt nicht
und wird nicht belogen
und nimmt nicht teil
an den Kompromissen.
Er ist nicht Verkäufer
noch Ware
in der Ausverkäufen der Angst.
Bist du die Hand,
bist du der Arm,
bist du das Herz
eines andern Lebenden,
stirb schnell.
Dem Toten ist Ganzheit erlaubt.
Beeile dich ein Toter zu sein,
dem Toten
wird das Versprechen gehalten.


Vademecum

Op de dode kun je je veilig verlaten.
Hij zit in ons
opgerold in zichzelf
als een lenige kluwen
of een embryo
of als een diertje
dat je in een doosje
met luchtgaatjes
in je zak steekt,
maar dan veel gemakkelijker.
Hij neemt geen plaats in
en kost geen ticket
en geen extra bagage
op transcontinentale vluchten.
Hij is er altijd.
Hij beantwoordt alle vragen
en stelt er geen.
Hij kijkt ons aan
als wij hem aanzien
en draait zich om als wij wegkijken,
hij verlangt niets,
hij stelt niet teleur,
en hij beklaagt zich zelden
als wij hem een dag
of een week vergeten.
En als we eenzaam zijn
en hem stralend aankijken,
kaatst hij warmte terug
als een nikkelen radiator.
De dode liegt niet
en wordt niet belogen
en doet niet aan compromissen.
Hij is verkoper
noch koopwaar
in de uitverkoop van de angst.
Ben jij de hand,
ben jij de arm,
ben jij het hart
van een andere levende,
sterf snel.
Aan de dode is volledigheid toegestaan.
Haast je een dode te zijn,
aan de dode
worden beloften gehouden.

Vertaling Kees kok

56×76 cm juli 2025

Willkürliche Chronologie

Die Totenmaske jedes Tages
den du gelebt,
so ungleich geprägt
der Abdruck des Herzens.

Blicklose Tage
wie die Blinden
in den Strassen Sevillas.
Ketten von Blinden
an einem Stab.
Umsonst die Segel auf den Balkonen
und auf den Dächern,
der Ruf zur Fahrt,
das helle Blau.
Wenn die Blinden kommen
eingesammelt an ihrem Stab,
nichts als Blinde
von einer Strassenseite zur andern.
Arme Blinde in Bastschuhn,
wenn Abend wird
und ein Kind genügt
für eine Schnur von Männern.

Tage wie Segel so hell,
so weiss in blau,
Leintücher für ein Bett
für einen oder zwei,
tanzend über den Häusern.
Das Haus,
die Strasse,
der Tag,
alles fährt,
so leicht,
so fremd, so vertraut,
so wach im Atem der Luft.
Ein Bettuch als Segel genügt
für jedes Schiff.

Tage
wie ein Hausflur so dunkel
wenn du hingefallen bist und es
sehr weh tut
und du sehr klein bist
und alle Klinken zu hoch
und keine Türe sich öffnet,
und niemand
dich bei der Hand nimmt.

Tage so blicklos und zögernd,
so schnell, so blau, so weiss,
so bitter wie die Orangen
an den Orangenbäumen Sevillas,
für die der Zucker
auf fernen Inseln wächst.


Willekeurige chronologie

Het dodenmasker van elke dag
die je geleefd hebt,
zo ongelijk van vorm
de af druk van het hart.

Uitzichtloze dagen
als de blinden
in de straten van Sevilla.
Stoeten blinden
aan één staf.
Voor niets de zeilen op de balkons
en op de daken,
de oproep tot de vaart,
het heldere blauw.
Als de blinden komen
verzameld aan hun staf,
niets dan blinden
van de ene kant van de straat naar de andere.
Arme blinden in schoenen van bast,
als het avond wordt
en één kind genoeg is
voor een heel snoer van mannen.

Dagen zo licht als zeilen
zo wit in blauw,
lakens voor een bed
een- of tweepersoons,
dansend boven de huizen.
Het huis,
de straat,
de dag,
alles vaart,
zo licht,
zo vreemd, zo vertrouwd,
zo wakker in de adem van de lucht.
Een laken als zeil is genoeg
voor ieder schip.

Dagen
als een portaal zo donker
als je gevallen bent en het
heel erg pijn doet
en je heel klein bent
en alle deurklinken te hoog
en geen deur gaat er open
en niemand
die jou bij de hand neemt.

Dagen zo uitzichtloos en aarzelend,
zo snel, zo blauw, zo wit,
zo bitter als de sinaasappels
aan de bomen van Sevilla
waarvoor de suiker
op verre eilanden groeit.

Vertaling Kees kok


Salva nos

1

Heute rufen wir
heute nennen wir.
Eine Stimme
die ein Wort sagt
das Widerfahrene

mit etwas Luft die in uns aufsteigt
mit nichts als unserm Atem
Vokale und Konsonanten
zu einem Worte fügend
einem Namen

es zähmt
das Unzähmbare
es zwingt
einen Herzschlag lang
unser Ding zu sein.

2

Dies ist unsere Freiheit
die richtigen Namen nennend
furchtlos
mit der kleinen Stimme

einander rufend
mit der kleinen Stimme
das Verschlingende heim Namen nennen
mit nichts als unserm Atem

salva nos ex ore leonis
den Rachen off en halten
in dem zu wohnen
nicht unsere Wahl ist.


Salva nos

1

Heden roepen wij
heden noemen wij.
Een stem
die een woord zegt
het wedervarene

met wat lucht die in ons opstijgt
met niets dan onze adem
vocalen en consonanten
samenvoegend tot een woord
tot een naam

het temt
het ontembare
het dwingt
een hartslag lang
ons ding te zijn.

2

Dat is onze vrijheid
de juiste namen noemend
onbevreesd
met kleine stem

elkaar roepend
met kleine stem
het verslindende bij name noemen
met niets dan onze adem

salva nos ex ore leonis*
de muil open houden
waarin te wonen
niet onze keus is.

  • ‘Red ons uit de muil van de leeuw’ Psalm 22.22

50×70 aug 2025

Bitte

Wir werden eingetaucht
und mit den Wassern der Sintflut gewaschen
Wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht

Es taugt die Bitte
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
dass die Frucht so bunt wie die Blume sei
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden.

Und dass wir aus der Flut
dass wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.  

Hilde Domin


BEDE

Wij worden ondergedompeld
en gewassen met het water van de zondvloed,
wij worden door en door nat
tot op de huid van ons hart.

De vraag naar het landschap
aan deze kant van de tranengrens
deugt niet,
de wens tot behoud van de bloesemlente,
de wens verschoond te blijven,
deugt niet.

Wat deugt is de bede
dat bij zonsopgang de duif
de twijg brengt van de olijfboom,
Dat de vrucht zo bont zij als de bloesem,
dat de blaadje~ van de roos op de grond
nog een lichtende kroon vormen.

En dat wij uit de vloed,
dat wij uit de leeuwenkuil en de vurige oven
steeds gewonder en steeds gezonder
telkens opnieuw
worden teruggegeven
aan onszelf.


Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
Und doch sein wie ein Baum:
Als bliebe die Wurzel im Boden,
Als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
Bis der Wind nachlässt
Und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
Bis das Spiel von licht und Schatten,
Von Grün und Blau,
Die alten Muster zeigt
Und wir zuhause sind,
Wo es auch sei,
Und niedersitzen können und uns anlehnen,
Als sei es an das Grab
Unserer Mutter.

Hilde Domin


Voorbijtrekkend landschap
 
Men zou moeten kunnen weggaan
En toch zijn als een boom:
Alsof de wortel in de bodem bleef
Als trok het landschap voorbij en wij stonden vast.
Men moet de adem inhouden,
Tot de wind nalaat
En de vreemde lucht om ons heen begint te draaien,
Tot het spel van licht en schaduw,
Van groen en blauw,
De oude vormen toont,
En wij thuis zijn,
Waar dat ook is,
En kunnen neerzitten en aanleunen.
als was het aan het graf
van onze moeder


Gaand landschap

Een mens moet kunnen gaan
en toch zijn als een boom:
geworteld in de grond,
alsof het landschap gaat en wij vaststaan.
Je moet je adem inhouden
totdat de wind gaat liggen
en de vreemde lucht zijn draai om ons gevonden heeft,
totdat het spel van licht en schaduw,
van groen en blauw
de oude patronen vertoont
en wij thuis zijn,
waar dan ook,
en kunnen gaan zitten
en achterover leunen
als tegen het graf
van onze moeder.

vertaling Kees Kok


Es kommen keine nach uns

Es kommen keine nach uns,
die es erzählen werden,
keine, die was wir
ungetan liessen,
in die Hand nehmen und zu Ende tun.

Wir stehen auf einem Stück Land,
das schon abgetrennt ist.
Unsere Schatten fallen
ins Leere.
Kein Spiegel ist aufgestellt,
der unser Bild bewahrt,
keine Folge von Spiegeln mehr,
wenn wir gegangen sind.
Die Bilder
derer, die vor uns waren
und die Luft in unserer Lunge sind,
die mit unserem Munde gelacht,
die mit unseren Augen geweint haben,
sie werden Staub
mit uns.

So wie wir dahingehn
sind wenige dahingegangen.
Es ist gleichgültig
was wir schreiben oder sagen,
ausser für dich oder für mich.
Nichts was wir tun
ist eine Saat die nach uns aufgeht.
Wir sind ganz für den Tag gemacht,
nur für diesen, den unsern.

Die kommenden Tage,
die Tage hinter dem Horizont,
gehören Menschen die anders sein werden.
Unser Frühling ist dieser Frühling,
unser Sommer ist dieser Sommer,
und unser Herbst dieser Herbst.

Wenn wir uns umdrehn
und sehen, dass wir die Letzten sind,
die Kinder und Kindeskinder derer die waren,
die Väter und Mütter
von niemand,
dass wir am Rande stehn,
auf einer Scholle fast,
die bald treiben wird,

Dann müssen wir
mehr als die andern
den Boden unter den Füssen fühlen
während wir gehen,
diesen kurzen Boden
von Morgen zu Abend.
Wir müssen dünne Sohlen tragen
oder barfuss gehen.
Was wir berühren,
mit leichtem Finger berühren,
mit wachen Fingerspitzen.
Nichts achtlos.
Jedes Mal ist das letzte
oder könnte es sein.
Wir tun es für alle, die vor uns waren,
und für alle, die nach uns
es nicht tun
oder ganz anders.

Wir wollen nichts liegen lassen,
halbgetan,
und die Gläser nicht halbgeleert
auf unserm Tisch den Gespenstern lassen.
Wir müssen genau sein
in der Minute des Flügelschlags.
Unser Gesicht nackt
ohne den Firnis
derer, die Zeit haben
sich zu gewöhnen und zu entwöhnen.
Wenn um unsre Balkone das Wasser steigt,
Spitzen der Bäume
noch sichtbar unter den Sternen,
wenn unsre Häuser auf den Bergen,
in denen noch Licht ist,
sich bewegen
und davon fahrn
als seien es Archen,
dann müssen wir bereit sein –
-wie einer der aus dem Fenster springt –
die grosse Frage zu fragen
und die grosse Antwort zu hören.


50×70 aug 2025

Mit meinem Schatten

Ich gehe mit meinem Schatten,
nur von dem Schatten begleitet,
alleine mit ihm,
über graslose Wiesen.

Ich immer blässer
er immer länger.
Er führt mich,
ich lasse mich führen.

Die kahlen Birken am ,Weg
glatte weisse Finger,
kennen das Ziel
besser als ich.


Winterbienen

Die Berge zwischen uns,
so sehr viel Luft
zwischen mir und niemand.
Ich bin allein
in sehr viel Luft.
Blasssblumige Wiesen,
Milchstrassen
von Krokus und Primeln,
Frühling.
Die Vögel reis en nach Norden
zu den alten Nestern.
Die Bienen sterben
auf den ersten Blumen,
die Winterbienen.

Ich gehe über die blassen Wiesen ins Tal,
wo die Dörfler einander hassen,
und werf e Briefe ein
für Menschen in Städten.
Ich könnte nicht reisen,
nicht mit den Vögeln,
zu den alten Nestern.
Nicht nach Süden
und nicht nach Norden.
Wenn ich ein Vogel wär,
ich flöge zu niemand.
Ich sehe die blassen Blumen an
die Blätter vom vorigen Herbst,
und die Winterbienen.


Haus ohne Fenster

Der Schmerz sargt uns ein
In einem Haus ohne Fenster.
DieSonne, die die Blumen öffnet,
Zeigt seine Kanten
Nur deutlicher.
Es ist ein Würfel aus Schweigen
In de Nacht.

Der Trost,
Der keine Fenster findet und keine Türen
Und hinein will,
Trägt erbittert das Reisig zusammen.
Er will ein Wunder erzwingen
Und zündet es an,
Das Haus aus Schmerz.


50×70 aug 2025

Worte

Worte sind wie reife Granatäpfel,
Sie fallen zur Erde
Und öffnen sich.
Es wird alles Innere nach aussen gekehrt,
Die Frucht stellt ihr Geheimnis bloss
Und zeigt ihren Samen,
Ein neues Geheimnis.


Gefährlicher Löffel

Du isst die Erinnerung
Met dem Löffel des Vergessens.

Das ist ein böser Löffel, mit dem du isst,
Ein Löffel der Speise und Esser verzehrt,

Bis eine Schale aus Schatten
Dir übrig bleibt
In einer Schattenhand.


Gleichgewicht

Wir gehen
Jeder für sich
Den schmalen Weg
über den Köpfen der Toten

  • fast ohne Angst –
    im Takt unsres Herzens,
    als seien wir beschützt,
    solange die Liebe
    nicht aussetzt.

So gehen wir
Zwischen Schmetterlingen und Vögeln
In staunendem Gleichgewicht
Zu einem Morgen von Baumwipfeln

  • grün, gold, un blau –
    und zu dem Erwachen
    der geliebten Augen.

Hilde Domin


Evenwicht

Wij gaan
ieder voor zich
de smalle weg
over de hoofden van de doden
-bijna zonder angst –
op de maat van ons hart
alsof wij veilig zijn
zolang de liefde
niet aflaat.

Zo gaan wij
tussen vlinders en vogels
in verbazingwekkend evenwicht
naar een morgen van boomtoppen
-groen, goud en blauw –
en naar het ontwaken
van beminde ogen.

Vertaling Kees Kok


Die schwersten Wege

Für R.H.

Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird. Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist, bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen – und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.


De moeilijkste wegen

De moeilijkste wegen
worden alleen gegaan,
de teleurstelling, het verdriet,
het offer
zijn eenzaam.
Zelfs de dode die elk roepen beantwoordt
en geen verzoek verzaakt
staat ons niet bij
en ziet toe
of wij het redden.
De handen van de levenden die zich uitstrekken
zonder ons te bereiken
zijn als de takken van de bomen in de winter.
Alle vogels zwijgen.
Je hoort slechts je eigen voetstap
en de stap die je voet
nog niet is gegaan maar nog gaan zal.
Stil blijven staan en je omkeren
helpt niet. Er moet
worden gegaan.

Neem een kaars in je hand
als in de catacomben,
het vlammetje ademt nauwelijks.
En toch, als je lang bent gegaan,
blijft het wonder niet uit
omdat het wonder altijd geschiedt
en omdat wij zonder genade
niet kunnen leven:
de kaars vlamt op in de vrije adem van de dag,
je blaast hem lachend uit
als je de zon in treedt
en onder de bloeiende tuinen
de stad voor je ligt,
en de tafel in je huis
wit voor jou is gedekt.
En de verliesbare levenden
en de onverliesbare doden
het brood voor je breken en de wijn aanreiken
en jij hun stemmen weer hoort
heel dicht
bij je hart.

Uit het Duits vertaald door Kees Kok


50×70 aug 2025 tour femmes

LIEDER ZUR ERMUTIGUNG

I

Unsere Kissen sind nass
von den Tränen
verstörter Träume.

Aber wieder steigt
aus unseren leeren
hilflosen Händen
die Taube auf.

II

Lange wurdest du um die türelosen
Mauern der Stadt gejagt.

Du fliehst und streust
die verwirrten Namen der Dinge
hinter dich.

Vertrauen, dieses schwerste
ABC.

Ich mache ein kleines Zeichen
in die Luft,
unsichtbar,
wo die neue Stadt beginnt,
Jerusalem,
die goldene,
aus Nichts.

III

Für Li

Diese Vögel
ohne Schmerzen,
diese leichtesten goldenen
Vögel
dahintreibend
über den Dächern.

Keiner
nach dem andern
fragend.

Ohne Bitte,
ohne Sehnsucht,
sich mischend, sich trennend.

Wir,
unter den Dächern,
uns anklammernd.

Sieh,
die Sonne kehrt
wieder
als goldener Rauch.
Die fallende steigt.
Steigt aus den Dächern Hiobs.
Es tagt
heute
zum zweiten Mal.


Liedjes ter bemoediging

I

Onze kussens zijn nat
van de tranen
van verstoorde dromen.

Maar weer stijgt
uit onze lege
hulpeloze handen
de duif omhoog.

II

Lang werd je opgejaagd rond de
poortloze muren van de stad.

Je vlucht en strooit
de verwarde namen der dingen
achter je.

vertrouwen, dat moeilijkste
ABC.

Ik maak een klein teken
in de lucht,
onzichtbaar I
waar de nieuwe stad begint,
Jeruzalem, de gouden,
uit niets.

III

Voor Li

Die vogels
zonder smarten
die allerlichtste gouden
vogels
glijdend
over de daken,

en niet een
vraagt
naar een ander.

Zonder wens,
zonder verlangen,
in zwermen,
dan weer alleen.

Wij,
onder de daken,
ons aan elkaar vastklampend.

Kijk,
de zon keert
terug
als gouden rook.
De vallende stijgt.
Stijgt op uit de daken van Job.
Het daagt
vandaag
ten tweeden male.

Vertaling Kees Kok


Die Heiligen

Die Heiligen in den Kapellen
wollen begraben werden, ganz nackt,
in Särgen aus Kistenholz
und wo niemand sie findet:
in einem Weizenfeld
oder bei einem Apfelbaum
dem sie blühen helfen
als ein Krumen Erde.
Die reichen Gewänder, das Gold und die Per!en,
alle Geschenke der fordernden Geber,
lassen sie in den Sakristeien,
das Los, das verlieren wird, unter dem Sockel.
Sie wollen ihre Schädel und Finger einsammeln
und aus den Glaskästen nehmen
und sie vonden Papierrosen ohne Herbst
und den gefassten Steinen
zu den welken Blumenblättern bringen
und zu den Kieseln am Fluss.

Sie verstehen zu leiden,
das haben sie bewiesen.
Sie haben für einen Augenblick
ihr eigenes Schwergewicht überwunden.
Das Leid trieb sie hoch,
als ihr Herz den Körper verzehrte.
Sie stiegen wie Ballons, federleicht,
und lagen in der Schwebe auf ihrem wehen Atem
als sei er eine Pritsche.
Deshalh lächeln sie jetzt,
wenn sie an Feiertagen
auf schweren geschmückten Podesten
auf den Schultern von achtzig Gläubigen
(denen man das Brot zur Stärkung voranträgt)
in Baumhöhe durch die Strassen ziehn.

Doch sie sind müde
auf den Podesten zu stehn
und uns anzuhören.
Sie sind wund vom Willen zu helfen,
wund, Rammbock vor dem Beter zu sein,
der erschrickt
wenn das Gebet ihm gewährt wird,
weil Annehmen
so viel schwerer ist als Bitten
und weil jeder die Gabe nur sieht
die auf dem erwarteten Teller gereicht wird.
Weil jeder doch immer von Neuem
in den eigenen Schatten tritt,
der ihn schmerzt.
Sie sehen den unsichtbaren Kreis
um den Ziehbrunnen,
in dem wir uns drehn
wie in einem Gefängnis.
Jeder will den Quell
in dem eigenen Grundstück,
keiner mag in den Wald gehn.
Der Bruder wird nie
das Feuer wie Abel richten
und doch immer gekränkt sein.

Sie sehen uns wieder und wieder
aneinander vorbeigehn
die Minute versäumend.
Wir halten die Augen gesenkt.
Wir hören den Ruf,
aber wir heben sie nicht.
Erst danach.
Es macht müde zu sehn
wie wir uns umdrehn
und weinen.
Immer wieder
uns umdrehn und weinen.
Und die Bitten zu hören
um das gestern Gewährte.
Nachts wenn wir nicht schlaf en können
in den Betten, in die wir uns legen.
Sie sind müde
Vikare des Unmöglichen auf Erden
zu sein, des gestern Möglichen.
Sie möchten Brennholz
in einem Herdfeuer sein
und die Milch der Kinder wärmen
wie der silberne Stamm einer Ulme.

Sie sind müde, aber sie bleiben,
der Kinder wegen.
Sie behalten den goldenen Reif auf dem Kopf,
den golden en Reif,
der wichtiger ist als die Milch.
Denn wir essen Brot,
aber wir leben von Glanz.
Wenn die Lichter angehn
vor dem Gold,
zerlaufen die Herzen der Kinder
und beginnen zu leuchten
vor den Altären.
Und darum gehen sie nicht:
damit es eine Tür gibt,
eine schwere Tür
für Kinderhände,
hinter der das Wunder
Angefasst werden kann.


De heiligen

De heiligen in hun kapellen
willen begraven worden, helemaal naakt,
in ruwhouten kisten
en waar niemand hen vindt:
in een korenveld
of bij een appelboom
die ze helpen bloeien
als een kruimeltje aarde.
De rijke gewaden, het goud en de paarlen,
alle geschenken van smekende gevers,
laten zij na in de sacristieën,
het lot dat verliezen zal onder de sokkel.
Zij willen hun schedels en vingers vergaren
en uit de glazen kastjes halen
en ze van de herfstloze papieren rozen
en de gevatte stenen
naar de verwelkte bloemblaadjes brengen
en naar de kiezels bij de rivier .

Zij verstaan de kunst van het lijden,
dat hebben ze wel bewezen.
Ooit hebben zij even
hun eigen zwaartekracht overwonnen.
Het lijden dreef ze omhoog
toen hun hart hun lichaam verteerde.
Als ballonnen stegen zij op, vederlicht,
en lagen hoog op hun zere adem .
als was het een brits.
Daarom glimlachen ze nu
als zij op feestdagen
op zware versierde draagbaren
op de schouders van tachtig gelovigen
(het brood der versterking voor hen uit gedragen)
boomhoog door de straten trekken.

Maar ze zijn het moe
op draagbaren te staan
en ons aan te horen.
Ze zijn gewond van de wil om te helpen,
gewond van het stormram-zijn voor de bidder
die schrikt
als zijn bidden verhoord wordt,
omdat aannemen
zo veel moeilijker is dan vragen
en omdat ieder de gave slechts ziet
die hem wordt aangereikt op het verwachte bord.
Omdat ieder toch steeds weer opnieuw
in zijn eigen schaduw treedt
die hem pijn doet.
Zij zien de onzichtbare kring
rond de -waterput
waarin wij ronddraaien
als in een gevangenis.
Iedereen wil de bron
op eigen grond,
niemand wil het bos in gaan.
De broeder zal nooit
het vuur bereiden als Abel
en toch altijd gekrenkt zijn.
Zij zien ons telkens weer
voorbijgaan aan elkaar
de minuten verzuimend.
Wij houden onze ogen neergeslagen.
Wij horen het roepen
maar slaan ze niet op.
Daarna pas.
Vermoeiend is het om te zien
hoe wij ons omdraaien
en huilen.
Ons altijd weer
omdraaien en huilen.
En om de smeekbeden te horen
om wat gisteren verhoord werd.
’s Nachts als wij niet kunnen slapen
in de bedden waarin wij ons vlijen.
Ze zijn het moe
plaatsbekleders van het onmogelijke op aarde
te zijn, van wat gisteren mogelijk was.
Ze zouden brandhout
in een haardvuur willen zijn
en melk voor kinderen opwarmen
als de zilveren stam van een olm.

Ze zijn het moe, maar ze blijven,
vanwege de kinderen.
Ze houden de gouden ring op hun hoofd,
de gouden ring
die belangrijker is dan de melk.
Want wij eten brood,
maar wij leven van glans.
Als de lichtjes aangaan
voor het goud
smelten de kinderharten
en beginnen te lichten
voor de altaren.
En daarom gaan ze niet:
opdat er een deur is
een zware deur
voor kinderhanden,
waarachter het wonder
kan worden aangeraakt.

Vertaling: Kees Kok


Abel steh auf

Abel steh auf
es muß neu gespielt werden
täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
damit wir es vor uns haben
dies Ja ich bin hier
ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
ich ein Kind Abels
und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte

Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen

Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein

Und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein


Abel sta op

Abel sta op
het moet opnieuw worden gespeeld
dagelijks moet het opnieuw worden gespeeld
dagelijks moet het antwoord nog vóór ons liggen
het antwoord moet ja kunnen zijn
als jij niet opstaat Abel
hoe zou het antwoord
dat enig belangrijke antwoord
ooit veranderen
wij kunnen alle kerken sluiten
en alle wetboeken afdanken
in alle talen der aarde
als jij maar opstaat
en het ongedaan maakt
dat eerste verkeerde antwoord
op de enige vraag
waar het op aankomt
sta op
dat Kaïn zegge
dat hij zeggen kan
Ik ben jouw hoeder
broeder
hoe zou ik niet jouw hoeder zijn
Sta dagelijks op
opdat het nog vóór ons ligt
dit ja ik ben hier
ik
jouw broeder
opdat de kinderen van Abel
niet langer bang zijn
omdat Kaïn geen Kaïn wordt
ik schrijf dit
ik een kind van Abel
en ben dagelijks bang
voor het antwoord
de lucht in mijn longen wordt minder
terwijl ik wacht op het antwoord

Abel sta op
opdat het anders aanvangt
tussen ons allen

de vuren die branden
het vuur dat brandt op de aarde
moet het vuur van Abel zijn

en aan de staart van alle raketten
moeten de vuren van Abel zijn

Vertaling: Kees Kok


50×70 aug 2025 tour femmes

Abzählen der Regentropfenschnur

Ich zähle die Regentropfen an den Zweigen,
sie glänzen, aber sie fallen nicht,
schimmernde Schnüre von Tropfen
an den kahlen Zweigen.
Die Wiese sieht mich an
mit großen Augen aus Wasser.
Die goldgrünen Weidenkätzchen
haben ein triefendes Fell.
Keine Biene besucht sie.
Ich will sie einladen
sich an meinem Ofen zu trocknen.

Ich sitze auf einem Berg
und habe alles,
das Dach und die Wände,
das Bett und den Tisch,
den heißen Regen im Badezimmer
und den Ofen mit löwenfarbener Mähne,
der atmet wie ein Tier
oder ein Mitmensch.
Und die Postfrau
die den Brief bringen würde
auf meinen Berg.

Aber die Weidenkätzchen
treten nicht ein
und der Brief kommt nicht,
denn die Regentropfen
wollen sich nicht zählen lassen.


Alle meine Schiffe

Alle meine Schiffe
haben die Häfen vergessen
und meine Füße den Weg.
Es wird nicht gesät und nicht geerntet
denn es ist keine Vergangenheit
und keine Zukunft,

kaum eine Bühne im Tag.
Nur der kleine
zärtliche Abstand
zwischen dir und mir,
den du nicht verminderst.


April

Die Welt riecht süß
nach Gestern.
Düfte sind dauerhaft.

Du öffnest das Fenster.
Alle Frühlinge
kommen herein mit diesem.

Frühling der mehr ist
als grüne Blätter.
Ein Kuß birgt alle Küsse.

Immer dieser glänzend glatte
Himmel über der Stadt,
in den die Straßen fließen.

Du weißt, der Winter
und der Schmerz
sind nichts, was umbringt.

Die Luft riecht heute süß
nach Gestern –
das süß nach Heute roch.

 
Hilde Domin

In: „Rückkehr der Schiffe„


Aussat

In das Blumenbeet
meiner Hüften
will ich deine Augen säen
ehe die goldenen Blätter fallen
und uns zudecken.
Damit sie im Frühling
mit den Narzissen und Hyazinthen
die neuen Lider öffnen.


Bau mir ein Haus

Der Wind kommt.

Der Wind, der die Blumen kämmt
und die Blüten zu Schmetterlingen macht,
der Tauben steigen läßt aus altem Papier
in den Schluchten Manhattans
himmelwärts, bis in den zehnten Stock,
und die Zugvögel an den Türmen
der Wolkenkratzer zerschellt.

Der Wind kommt, der salzige Wind,
der uns übers Meer treibt
und uns an einen Strand wirft
wie Quallen,
die wieder hinausgeschwemmt werden.
Der Wind kommt.
Halte mich fest.

*

Ach, mein heller Körper aus Sand,
nach dem ewigen Bilde geformt, nur
aus Sand.
Der Wind kommt
und nimmt einen Finger mit,
das Wasser kommt
und macht Rillen auf mir.
Aber der Wind
legt das Herz frei

  • den zwitschernden roten Vogel
    hinter den Rippen –
    und brennt mir die Herzhaut
    mit seinem Salpeteratem.
    Ach, mein Körper aus Sand!
    Halte mich fest,
    halte
    meinen Körper aus Sand.

*

Laß uns landeinwärts gehn,
wo die kleinen Kräuter die Erde verankern.
Ich will einen festen Boden,
grün, aus Wurzeln geknotet
wie eine Matte.
Zersäge den Baum,
nimm Steine
und bau mir ein Haus.

Ein kleines Haus
mit einer weißen Wand
für die Abendsonne
und einem Brunnen für den Mond
zum Spiegeln,
damit er sich nicht,
wie auf dem Meere,
verliert.
Ein Haus
neben einem Apfelbaum
oder einem Ölbaum,
an dem der Wind
vorbeigeht
wie ein Jäger, dessen Jagd
uns
nicht gilt.


Dein Mund auf meinem

Dein Mund auf meinem.
Ich verlor allen Umriß.
Tausend kleine Blüten
öffneten ihre Kelche
auf meinem Körper.

Du küßtest mich zärtlich
und gingst.

Trockene Scham wie ein Feuer
stand rot mir
auf Bauch und Brüsten.


Nur eine Rose als Stütze

Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.

Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehn.

Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verlässlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltüre am Abend schließt.

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.


Enkel een roos als steun

Ik maak mijzelf een kamer in de lucht
tussen acrobaten en vogels:
mijn bed op de trapeze van het gevoel
als een nest in de wind
op het uiterste puntje van een tak.

Ik koop mij een deken van de fijnste wol
van de zachtgekuifde schapen die
in het maanlicht
als schemerige wolken
over de vaste aarde gaan.

Ik sluit mijn ogen en wikkel mij
in de vacht van die betrouwbare dieren.
Ik wil het zand onder hun kleine hoeven voelen
en het klikken van de grendel horen
die ’s avonds de staldeur sluit.

Maar ik lig in vogelveren, hoog in de leegte gewiegd.
Het duizelt mij. Ik val niet in slaap.
Mijn hand zoekt houvast en vindt
enkel een roos als steun.

Vertaling Kees Kok


Zärtliche Nacht

Es kommt die Nacht
Da liebst du

nicht was schön ist –
was häßlich ist.

Nicht was steigt –
was schon fallen muß.

Nicht wo du helfen kannst –
wo du hilflos bist.

Es ist eine zärtliche Nacht,
die Nacht da du liebst,

was Liebe
nicht retten kann.


Dein Mund auf meinem
 
Dein Mund auf meinem.
Ich verlor allen Umriß.
Tausend kleine Blüten
öffneten ihre Kelche
auf meinem Körper.
 
Du küßtest mich zärtlich
und gingst.
 
Trockene Scham wie ein Feuer
stand rot mir
auf Bauch und Brüsten.


 
Ein Gedicht…

Ein Gedicht ist ein gefrorener Augenblick, 
den jeder Leser für sich wieder ins Fließen, 
ins Hier und Jetzt bringt.
Es kommen keine…


50×70 2025

Es kommen keine nach uns

Es kommen keine nach uns,
die es erzählen werden,
keine, die was wir
ungetan ließen
in die Hand nehmen und zu Ende tun.


Fahrt durch Kastilien

1
Ich weiß nicht, warum die Welt
sich mir in zwei Hälften teilt.

Kastilien ein Weizenfeld.
Das Weizenfeld öffnet sich,
alles öffnet sich,
was ich sehe.
Die andere Hälfte
immer die Deine.

Ich bin so wach,
daß ich die Ähren zählen kann.

Frauen mit großen Hüten,
oben Gold, unten Gold,
goldenes Karussell auf den Tennen.
Die Spreu ein goldener Fächer im Wind.
Alles teilt sich
in zwei Teile.

Schafe, erdgrau, mit dem Hirten,
Ulmen, die sich in Wiesen spiegeln,
Rauchwolken von Vögeln,
Berge,
wollen nicht mein sein,
ohne auch dein zu sein.
Nicht das Feld, nicht die Stadt
mag ich nehmen,
Gold der Ähren, Gold der Türme,
wenn ich nicht dir davon geben darf.

2
Bei den Männern aus grauem Stein
vor der honigfarbenen Kirche,
Jahrhunderte
einander zugewandt,
Gespräch das nie verwittert,
wend ich mich nach dir um
und neige mich zu dir

  • du, aus Traum –
    und höre deine Stimme
    die schweigt.
    Unser Gespräch ohne Gesicht.
    Ohne Stunde.
    Traumgeschwister.
    Weniger als der Stein.

Die Tauben sehen von oben
wie ich mich wende,
die Apostel hören,
was ich dir sage
in unsrer wortlosen Sprache.
Es ist sehr hell
zum Träumen.
Ich stehe vor einem Kirchentor
allein auf den Fliesen,
deine Hälfte der Welt,
eine geöffnete Frucht,
in der Hand.

3
Dein Name auf meinen Lippen,
immer am Rande des Rufs,
er darf nicht zu Boden fallen.
Kein Tropfen deines Namens
darf zu Boden fallen.
Ich trage das volle Gefäß
mit Vorsicht.
So leise kann er nicht fallen,
dein Name,
daß nicht der Tag zerbirst.
Und so laut nicht
daß du ihn hörst.


Frage

Nach dem kleinen Zusammenstoß

  • ein Druck der Lippe genügt -,
    wenn ich eine Wolke werde
    oder ein Schiff ohne Anker
    auf deinem Meer
    oder, ganz einfach,
    eine andere Form
    für dich,
    was wird aus dir?
    Und wie vermeidest du’s,
    am nächsten Morgen
    ein wenig befangen zu sein?

Fragment

Ein jeder geht eingehüllt
in den Traum von sich selber.
In manchen Träumen ist Raum
für den Zweiten
wie in einem Doppelbett.
Fast in allen.


Französischer Gobelin

Ach Liebster verzeih
daß meine Augen so blau sind,
sie sind nur ein zärtlicher Spiegel
für deine braunen.
Vergib meine strahlende Weiße,
sie ist nur dein hellstes Bett.
Der Falke meines Verstands
fliegt für dich auf die Jagd.
Sieh, alle meine Tiere
sind so bescheiden zu Diensten
als wären sie in den Teppich
zu deinen Füßen gewebt.


Figur

Ich bin nur die Vorderste.
die Galionsfigur,
die sichtbare Spitze
des dunklen Schiffs.

Schweigend wie Tote
aber die ein Ruf weckt
warten die andern,
eine Front wie ein Keil.

Oft ist als reiße die Haut
zwischen einer von ihnen und mir
und ich werde gesalbt
mit der fremden Erfahrung.

Schalen bieten sich dir
in meinen Händen
und fangen dich auf,
über die ich staune wie du.

Und weil ich zittre vor Liebe
sind alle gierig
daß keine Sehnsucht von dir
ungestillt bleibt.


GEBURTSTAGE

1
Sie ist tot

heute ist ihr Geburtstag
das ist der Tag
an dem sie
in diesem Dreieck
zwischen den Beinen ihrer Mutter
herausgewürgt wurde
sie
die mich herausgewürgt hat
zwischen ihren Beinen

sie ist Asche

*

Immer denke ich
an die Geburt eines Rehs
wie es die Beine auf den Boden setzte

*

Ich habe niemand ins Licht gezwängt
nur Worte
Worte drehen nicht den Kopf
sie stehen auf
sofort
und gehn


Verjaardagen

ze is dood

vandaag is haar verjaardag
dat is de dag
waarop zij
in die driehoek
tussen de benen van haar moeder
naar buiten werd gewurgd
zij
die mij naar buiten heeft gewurgd
tussen haar benen

zij is as

*

Altijd moet ik denken
aan de geboorte van een ree
hoe het zijn poten op de grond zette

*

Ik heb niemand het licht in gedwongen
enkel woorden
woorden draaien hun hoofd niet om
ze staan op
meteen
en gaan

Vertaling Kees Kok


WORT UND DING

Wort und Ding
lagen eng aufeinander
die gleiche Körperwärme
bei Ding und Wort


 
WER ES KÖNNTE

Wer es könnte
die Welt
hochwerfen
daß der Wind
hindurchfährt.


Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim ist kein Heim.


Harte fremde Hände

Harte fremde Hände
sollen über mich fahren
wie Pflüge
und deine Wurzeln zerreißen.
Ich will meinen Körper einreiben
mit fremdem Schweiß
wie mit einer beizenden Salbe
daß alle Poren vergessen
wie du riechst.
Haare ohne Namen
sollen auf meiner Haut liegen
wie Tannennadeln auf dem Waldboden,
andere Lippen die Augen küssen
die für dich weinen.

Und meine Seele, die dich sucht
so natürlich
wie abends ein Vogel über das Meer fliegt,
verliert die Richtung
und kommt
nie wieder an Land.

50×70 2025

Heckenrose

Mir träumte ich sei eine Heckenrose
mit blassen Blättern
über dem engen Kelch.
Du gingst vorbei.
Da war ich eine Hagebutte,
bunt und voll Samen.

Ich träumte von einem gepflügten Feld,
du wie quellendes Korn
in der Furche.

Doch wie ich erwachte
da war mein Leib
kaum gewölbt
und unsere Stimmen
leichter als Wind
der mit dem Laub einer Birke spielt.


Ich lade dich ein

Liebster, ich lade dich ein,
komm in das Haus unsrer Wünsche
und häng deinen Hut an die Wand,
den Hut mit dem kleinen Schußloch.
Denn ich habe das Haus
ganz nach deinem Befehle gebaut.
Es ist alles darin, was wir brauchen.
Der blaue Himmel der Tropen,
die leichte Luft von Madrid,
doch ohne den lästigen Wind, der
dir die Papiere zerzaust.
Die Zimmer sind im gobelinweichen Grün
der Hänge von Heidelberg gestrichen.
Ich geb dir die alte Brücke als Bett
mit einer Lastexmatratze darauf.
Es riecht nach den Glyzinien
der Via Monte Tarpeo,
Marc Aurel ist wieder unser Portier.
Des Abends vergoldet die Sonne den Tiber,
dann singt uns die Nachtigall am Palatin.
Danach gehen wir in die Kammerspiele,
in die Scala oder Old Vic,
oder sehn den großen Barrault,
ob Paris ihn gerade mag oder nicht.
Du hast immer Zeit,
und es fällt dir was ein, wenn du Zeit hast.
(Die Schreibmaschine kopiert von allein,
völlig geräuschlos, versteht sich.)
Und was du schreibst,
wird im ersten Monat gedruckt
und sofort darauf rezensiert
und gefällt dir und den andern, und das mit Recht,
denn es ist bahnbrechend, einfach und gut
und zur richtigen Stunde gesagt. –
Und für die Flauten schreibt Händel
dir neue Concerti Grossi,
weil du die alten schon kennst,
und der tote Busch dirigiert.
Dann ißt du gebratene Enten
und Frühlingssalat aus Florenz.
Wir spülen nie. Die Teller
werfen wir zum Fenster hinaus,
wie in Rom in der Neujahrsnacht.
Sei unbesorgt, sie fallen
niemand auf den Kopf,
denn unten ist keine Straße.
Deswegen ist’s auch so ruhig,
und nichts stört deinen Schlaf
(und morgens bleibt dir nie
ein weißes Haar an der Bürste).
Dabei sind die Oper und das Kino
mit ausgewähltem Programm
gleich um die nächste Ecke,
und dort stehen auch die Museen.
Die frühen Kulturen sind gut vertreten,
die fernöstliche Sammlung ist exquisit,
und ein Wiener Cafe in der Nähe.
Dort sehen wir rasch die Zeitungen durch,
sie sind, wie immer,
empörend interessant,
nur ist alles viel weiter weg.
Wir lesen mit kopfschüttelndem Entsetzen,
wie die Schwalben vom Himmel fallen
nach den Atomexplosionen
auf einer anderen Erde.
Dann gehn wir nachhause, und du schläfst Siesta,
und für mich steht bei der Terrasse ein Baum
mit dem unentbehrlichen grünblauen Muster.
Wir arbeiten viel,
und wir lachen noch mehr,
und wir haben reizende Gäste

  • wer käme nicht gern in das Haus? –
    denen liest du in allen Sprachen,
    am liebsten auf deutsch,
    das Geschriebene vor.
    Dann fahren wir zusammen zu Martha Graham
    oder zum Negerballett von Port-au-Prince,
    oder machen einen kurzen Mondscheinspaziergang
    in den Löwenhof der Alhambra.
    Der Briefträger, mein Herz, kommt pünktlich
    zum Frühstück,
    gleich nach dem blauweißen Gruß
    der kleinen Möwen über der See,
    und bringt Liebesbriefe von deinem Verleger
    und Angebote von Stellen, die du nicht brauchst.
    Denn du hast, was du wünschst,
    und du tust, was du magst.
    Und du tobst nur ganz selten,
    damit ich behalte, wie gut du es kannst,
    und bist viel geduldiger als sonst.
    Liebster, nimm deinen Hut von der Wand,
    den Hut mit dem kleinen Schußloch,
    und geh auf ein Wohnungsbüro, ich bitt dich,
    und sieh,
    was sie uns anbieten können.
    Sonst stürz ich mich noch aus dem Fenster
    dieses Hauses, das es nicht gibt.

Und das Fenster, glaub mir, ist hoch.


Im Tor schon

Im Tor schon
hobst du den Blick.
Wir sahen uns an.

Eine große Blüte stieg
leuchtend blaß
aus meinem Herzen.


Inselmittag

Wir sind Fremde
von Insel
zu Insel.
Aber am Mittag, wenn uns das Meer
bis ins Bett steigt
und die Vergangenheit
wie Kielwasser
an unsern Fersen abläuft
und das tote Meerkraut am Strand
zu goldenen Bäumen wird,
dann hält uns kein Netz
der Erinnerung mehr,
wir gleiten
hinaus,
und die abgesteckten
Meerstraßen der Fischer
und die Tiefenkarten
gelten nicht
für uns.


Jagd

Ich bin dein Jagdtier.
Du bist der Jäger.
Jage mich
und lasse nicht einen
von deiner Meute zuhaus.
Befiehl daß die Hörner blasen
damit wir erfahren
was für ein Wild
aus dem Gebüsch tritt.


Jenseits des Bergs

Die Zeit
macht einen Buckel vor mir
und wirft sich auf wie ein Berg.
Auf der anderen Seite
liegt morgen:
Die Abfahrt, immer die Abfahrt.
Die Koffer werden zu eng sein,
ich muß alles hierlassen.
Nichts läßt sich berechnen
was jenseits des Bergs ist,
am andern Abhang,
der nicht auf mich zukommt.

Die Zimmer in die ich Rosen stellen werde
daß etwas darin mein sei,
ich fühle ihre Klinken in der Hand,
Klinke nach Klinke,
ihre Tapeten sind gegen mich.
Aber sie sind noch
auf der anderen Seite
des Bergs.
Ich muß sie nicht sehen,
die ich suchen,
in denen ich wohnen werde,
eine Woche von nun.

Auf der anderen Seite des Bergs,
fern,
der Abend auf den schon der Uhrzeiger zuläuft,
der Abend dieses Tags
an dem der Regen nicht kommt, aber
an dem ich dich wiederseh,
an dem wir uns trennen, hilflos.
Ich bin zu klein, um hinwegzusehn
über diesen
Berg von zwei Stunden,
auf dessen anderer Seite
du auf mich wartest.


Magere Kost

Ich lege mich hin,
ich esse nicht und ich schlafe nicht,
ich gebe meinen Blumen
kein Wasser.
Es lohnt nicht den Finger zu heben.
Ich erwarte nichts.

Deine Stimme, die mich umarmt hat,
es ist viele Tage her,
ich habe jeden Tag
ein kleines Stück von ihr gegessen,
ich habe viele Tage
von ihr gelebt.
Bescheiden wie die Tiere der Armen
die am Wegrand
die schütteren Halme zupfen
und denen nichts gestreut wird.

So wenig, so viel
wie die Stimme,
die mich in den Arm nimmt,
mußt du mir lassen.
Ich atme nicht
ohne die Stimme.


50×33,5 juli 2025

Makabrer Wettlauf

Du sprachst vom Schiffe-Verbrennen

-da waren meine schon Asche -,
du träumtest vom Anker-Lichten

-da war ich auf hoher See -,
von Heimat im Neuen Land

-da war ich schon begraben
in der fremden Erde,
und ein Baum mit seltsamem Namen,
ein Baum wie alle Bäume,
wuchs aus mir,
wie aus allen Toten,
gleichgültig, wo.


Mein Geschlecht zittert

Mein Geschlecht zittert
wie ein Vögelchen
unter dem Griff deines Blicks.

Deine Hände eine zärtliche Brise
auf meinem Leib.
Alle meine Wachen fliehn.

Du öffnest die letzte Tür.
Ich bin so erschrocken
vor Glück
daß aller Schlaf dünn wird
wie ein zerschlissenes Tuch.


Mexikanisch

Ist der Liebende
mehr
als ein Tänzer
vor der Puppe des Herzens,
berauscht
vom Sommergeruch
der eigenen Hingabe?

Das Gegenüber
lächelt
durch Nebel.

Besteigt es die Bühne,
wird es eins
mit dem Tänzer
oder verlangt es,
wie ein mexikanischer Gott,
das festliche Herz
auf dem Teller?


Nicht müde werden

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.


Picara

Ich war der reife Apfel
der fast auf den Boden hängt.
Du brauchtest keinen Finger zu rühren.
Ich sagte: »Öffne deinen Mund
und iß mich.«

Das war in der Schlaraffensaison,
wo die gesottenen Hühner und Enten
mit Messer und Gabel im Rücken
nach deinem Versprechen verlangten
daß du sie zu verspeisen geruhst.

Jetzt bin ich die kleine grüne Frucht
auf dem obersten Zweig
wo der frische Wind bläst.
Die Tauben gurren auf den Dächern
ganz ungebraten.

Und das verschmähte Menü
muß gereift und gepflückt
gefangen und gerupft werden,
wenn und soweit du’s
zu locken zu fangen zu reifen zu pflücken
zu rupfen zu braten verstehst.


Ratloser Abend

Wie kann ich dich auf den Arm nehmen
und über den Strom tragen
als sei ich der heilige Christopher
und es wichen die Wasser vor mir?

Ich, die ich die Schwere des Abends
nicht heben kann
wenn die Liebe auf meinen Brüsten glänzt
indiskret wie ein Schrei aus Jasmin
der die Leute auf der Straße verstört.


Rückzug

Meine Rechte (wer glaubt es ihr heut?)
war einstmals eine offene Rose
voller Schmetterlinge.
Plötzlich, fast ohne Vorbereitung,
wie einer gestoßen wird und fällt,
hat sie ihre Blätter verloren
und war blaß und nackt:
eine Menschenhand
wie alle andern.
Du erinnerst dich.
Die Schale meiner Linken,
die deine Vögel tränkte,
zerbrach.
Du weißt, wie lange die Scherben
in unserem Garten lagen.
Es ist wahr, ich konnte mich damals
in eine Wand von blühendem Wein verwandeln
für deine Bienen.
Die Jahreszeit war
kaum von Bedeutung –
vor diesem Tag,
an dem ich meine Hände
auf den Tisch legte,
und sie leer waren.
Seither bin ich bescheiden geworden,
ich gehe mit einem Netz auf den Markt,
wo gewogen und abgeschnitten wird,
und habe dir Tassen und Teller gekauft
wie eine richtige Hausfrau.
Aber wenn du weinst
und dich hilflos
im Schlafe beklagst,
dann wachsen meinem Herzen
kleine schmerzende Flügel,
und ich fühle seine Ungeduld
in meinem Hals,
daß mir der Atem vergeht.


Schale im Ofen

Schale im Ofen,
du wirst gebrannt.
Tränenätzung,
Glasur aus Demut
über dem schüchternen
Schimmer von Lächeln.
So wirst du täglich
ein wenig versehrt,
bis Wunsch und Klage zerschmilzt
und ein Rosenblatt
oder ein Schmetterlingsflügel
fast grobre Substanz sind.
Vergessene Schale,
auf der Hand, die dich hinhält,
faßt der Regenbogen
Fuß, so natürlich
wie der Anflug der Taube
auf Trafalgar Square.


Schöner

Schöner sind die Gedichte des Glücks.

Wie die Blüte schöner ist als der Stengel
der sie doch treibt
sind schöner die Gedichte des Glücks.

Wie der Vogel schöner ist als das Ei
wie es schön ist wenn Licht wird
ist schöner das Glück.

Und sind schöner die Gedichte
die ich nicht schreiben werde.


Schrift

Wo du mich pflügst
bleibt die Furche.
Meine Schrift auf dir
ist wie ein Zeichen im Sand
das jeder Nachtwind verweht.


Tage der Heimsuchung

Wie man ein Kind zum Knieen zwingt
auf dem großen Reibeisen
und ihm einen Stein auf den Kopf legt
damit der Schmerz ganz nah sei
oder es an den Balken der Hütte bindet
und ein Feuer aus Maisblättern macht
und ihm die kleinen Füße versengt,
so strafst du mich grausam
als der Tisch schon
zum Feste gedeckt war. Und ich,
ein Genesender,
die Schuppen der Narben verlor.

Ach, ich möchte hinausgehen
und mich auf die Wiese legen
mit offenen Adern
und der Regen
stark wie ein Zug
soll über mich wegfahren
und mich so weiß machen
wie ein leeres Flußbett
oder die Anemonen
auf meiner Mutter Grab.


Stundenbuch des Duc de Berry
Juli August

Meine Ähren werden gemäht
und meine Widder geschoren,
wo deine Falken fliegen
zur heiteren Jagd.

Mein helles Schloß
weithin sichtbar im Tag.
Wie vertraulich die Geste
seiner offenen Tore!

Leicht wird die Jagd
wo das willige Wild
in den Jäger verliebt
sich zum Tod stellt.


Tröstung

Das blasse
beschädigte Herz
wird aufgenommen
und in die frühe Sonne gelegt
auf den Brustfedern
kleiner Vögel.
Morgenlotionen
aus Blau
werden täglich erneut
bis die Tränenkrusten
weggeschwemmt sind
und das Herz
schwer wird von Süße
wie eine gezuckerte Frucht.

Dann wird es eingepflanzt
wie Saatkorn aus Gräbern
in die schmerzende Furche
und die Wunde wird mit dem Speichel
sanfter Küsse verheilt.
Und das Korn
totes Glück
schlägt Wurzel und keimt.
Alle Adern schmecken danach
bis meine Fingerspitzen
rosig sind
wie die eines Kinds.


Vertroosting

Het bleke
beschadigde hart
wordt opgetild
en in het vroege zonlicht gelegd
op de borstveren
van kleine vogeltjes.
Ochtend lotions
van blauw
worden dagelijks vernieuwd
totdat de tranenkorsten
zijn weggevloeid
en het hart
zwaar wordt van zoetheid
als een gesuikerde vrucht.

Dan wordt het ingeplant
als zaadkorrel uit graven
in de pijnlijke vore
en de wond wordt met speeksel
van zachte zoenen geheeld.
En de korrel
van dood geluk
schiet wortel en ontkiemt.
Alle aderen smaken ernaar
tot mijn vingertoppen
rozig zijn
als van een kind.

vertaling Kees Kok


Versöhnung

Erst sah ich weiße Fahnen
und wurde blaß, ich mag nicht siegen.
Doch dann glitten deine Tauben herüber,
so sanft
schicktest du die weißen Tauben
von dir zu mir,
Taube um Taube,
ich atmete kaum,
das Zimmer war weiß von ihnen.
Ich hielt die Hände hin:
schneeflockenfeucht von deinen
Tränen
tranken sie meine Tränen.


Vor Tag

Der Kuß aus Rosenblättern,
immer neue weiche kleine
Blätter der sich öffnenden Blüte.

Nicht jenes Wenig von Raum
für die Spanne des Wunschs
zwischen Nehmen und Geben.

Du hobst die Decke von mir
so behutsam
wie man ein Kind nicht weckt
oder als wär ich
so zerbrechlich
wie ich bin.

Ich wurde nicht wirklicher
als ein Gedicht
oder ein Traum
oder die Wolke
unter der Wolke.

Und doch, als du fort warst,
der zärtliche Zweifel:
Ist es tröstlich
für einen Mann
mit einer Wolke zu schlafen?


Wie ein lidloses Tier

Wie ein lidloses Tier
ständig zur Flucht gespannt
liegt Angst vor dir mir im Herzen.

Aber über dem Tier
steigt ein toller Baum
ein hybrides Gewächs.
Seine Wurzel reicht tief ins Tränenwasser
und statt der Blüten und Früchte
hängt er voll über-
mütiger Glöckchen.


Winter

Die Vögel, schwarze Früchte
in den kahlen Ästen.
Die Bäume spielen Verstecken mit mir,
ich gehe wie unter Leuten
die ihre Gedanken verbergen
und bitte die dunklen Zweige
um ihre Namen.

Ich glaube, daß sie blühen werden

-innen ist grün –
daß du mich liebst
und es verschweigst.


50×33,5 juli 2025

Wo steht unser Mandelbaum

Ich liege
in deinen Armen, Liebster,
wie der Mandelkern in der Mandel.
Sag mir: wo steht
unser Mandelbaum?

Ich liege in deinen Armen
wie in einem Schiff,
ohne Route noch Hafen,
aber mit Delphinen am Bug.

Unter unserem Rücken
ein Band von Betten
unsere Betten in den vielen Ländern,
im Nirgendwo der Nacht,
wenn rings ein fremdes Zimmer versinkt.

Wohin wir kamen

-wohin wir kommen, Liebster,
alles ist anders,
alles ist gleich.

Überall wird das Heu
auf andere Weise geschichtet
zum Trocknen
unter der gleichen
Sonne.


Drie manieren om gedichten op te schrijven

1

Een droge bedding
wit lint van kiezelstenen
uit de verte gezien
daarop wens ik te schrijven
in duidelijke letters
of een puinhelling
los gesteente
slippend onder mijn zinnen
wegroetsjend
opdat het hachelijk leven van mijn woorden
hun en toch
een en toch van elke letter zij

2

Kleine letters
precieze
opdat de woorden zachtjes komen
opdat de woorden binnensluipen
opdat je er naartoe moet gaan
naar de woorden
ze zoeken in het witte
papier
zachtjes
je merkt niet dat ze binnenkomen
door de poriën
zweet dat naar binnen sijpelt

angst
de mijne
de onze
en het en toch van elke letter

3

Ik wil een strook papier
zo groot als ik
een meter zestig
daarop een gedicht
dat schreeuwt
zodra iemand voorbijkomt
schreeuwt in zwarte letters
dat iets onmogelijks verlangt
burgermoed bijvoorbeeld
die moed die geen dier heeft
mede-pijn bijvoorbeeld
solidariteit in plaats van kudde
vreemd-woorden
vertrouwd te maken aldoende

Mens
dier dat burgermoed bezit
mens
dier dat mede-pijn kent
mens vreemdwoord-dier woord-dier
dier
dat gedichten schrijft
gedicht
dat onmogelijks verlangt
van ieder die voorbijgaat
dringend
onafwijsbaar
alsof het riep
‘Drink Coca-Colà


Dat is het niet

Dat is het niet
dat wij ronddraaien
van avond tot morgen
tot avond
op een bol waarvan we nu weten
dat hij blauw is
die wij zien draaien
dat is het niet
we hangen op onze kop in de leegte
we zijn het gewend
ook de lopende band niet waarop we gelijmd zijn
sinds onze fabricage in de moederschoot
ons verpaktworden in
kisten van alle soorten en maten
samen met anderen
en tenslotte in de kleinste
donkerste
alleen
de kleinste eenpersoonscel
zo krap als de moederschoot zo zonder venster
wij zijn het gewend

Heeft iemand niet gezegd
Dat en dat volk
‘is het gewend gefolterd te worden

Dat is het niet
Wij hebben voor dat alles allang getekend
elke nacht wordt het ondertekend
voor de kinderen van elke nacht
op de lakens wordt het pact gesloten
geboortedoeken
lijkkwaden
Je wordt rondgedraaid op een blauwe bol
ondersteboven van licht naar donker
daar merk je niets van
ook van de lopende band niet
van eenzaamheid naar eenzaamheid
jouw handvol as
dat is het niet
hoewel het dat ook is
je vergeet het bij mooi weer
de kleinste lopende band is het
die is niet zichtbaar
daar is niet voor getekend
die is alle dagen nieuw

In de grote trechter
waarin we allemaal moeten afdalen
zijn jullie alleen maar dichter bij beneden
ik ben nog meer naar boven bij de rand
zei een opzichter in het KZ
tegen nog levende mensen
mensen die hun graven groeven
voor hun terechtstelling hij de schutter
Jullie zijn dichter bij de rand
Hoe dicht bij de rand wij zijn weet niemand
dat het draait
het draait
hij was boven en duwde ze onder
met deze troost

Vertaling Kees Kok


Zentimeter

Die Zentimeter unserer Schüchternheit.
Ich liege im Bett und weine
und zähle die Zentimeter
wie Perlen an einem Rosenkranz,
zwanzig dreißig Zentimeter.

Ich hielt den Kopf gesenkt.
Dein Mund traf auf mein Haar statt
auf meinen Mund
wegen zwanzig dreißig Grad
die ich den Kopf nicht hob.

Wieviele Tränen
am Tage danach
für diese zwanzig dreißig
Zentimeter
zwischen zwei Körpern.


Zikurrat

Wir steigen die Kreise der Treppe
in unseren Turm
Hand in Hand.

Die Luft verdünnt sich,
kaum noch ein Vorhang
zwischen den Herzen.
Nur sonnige Luken
von Zeit zu Zeit
auf die alte Landschaft.

Bei unserem Eintritt
in jeden Zirkel
streust du mir Salz
in die offene Wunde
und lächelst
und küßt mich.

So steigen wir zärtlich,
ich weinend,
zur letzten Plattform

Abschied der Taube
und Ikarusflug.


Zweifel

Lieb ich einen andern
als dich
und den dein Umriß
fast ganz verdeckt?
Einen der deine
Augen hat und deinen
weichen Mund,
der so blaß ist wie du
und so fern und verträumt,
so zärtlich wie eine Vogelfeder,
einen der gibt und nimmt
wie du, als du noch
an Wunder
glaubtest.


Vorsichtige Hoffnung

Weisse Tauben
im Blau
verbrannter Fensterhöhlen,
werden die Kriege für euch geführt.

Weisse Taubenschnur
durch die leeren Fenster
über die Breitengrade hinweg.
Wie Rosensträucher auf Gräbern
achtlos nehmt ihr das Unsre.
Auf den mit Tränen gewaschenen Stein
setzt ihr das kleine Nest.

Wir bauen neue Häuser,
Tauben,
die Schnäbel der Krane ragen
über unseren Städten,
eiserne Störche, die Nester für Menschen richten.
Wir bauen Häuser
mit Wänden aus Zement und Glas
an denen euer rosa Fuss
nicht haftet.
Wir räumen die Ruinen ab
und vergessen die äusserste Stunde
im toten Auge der Uhr.
Tauben, wir bauen für euch:
ihr werdet in den glatten Wänden nisten,
ihr werdet
durch unsere Fenster fliegen
ins Blau.

Und vielleicht sind dann ein paar Kinder da
-und das wäre sehr viel-,
die unter euch
in den Ruinen
unserer neuen Häuser,
der Häuser, die wir mit den hohen Kranen
den Tag und die Nacht durch bauen,
Verstecken spielen.

Und das wäre sehr viel. *


Voorzichtige hoop

Witte duiven
in het blauw
van verbrande venstergaten,
wordt er voor jullie oorlog gevoerd?

Wit duivensnoer
door lege vensters heen
en langs de breedtegraden.
Als rozenstruiken op graven
nemen jullie achteloos het onze in bezit.
Op de met tranen gewassen steen
planten jullie je nesten.

Wij bouwen nieuwe huizen,
duiven,
de kranensnavels steken
hoog boven onze steden uit,
ooievaars van ijzer, die nesten maken voor mensen.
Wij bouwen huizen
met muren van cement en glas
waar jullie roze pootjes
geen houvast op vinden.
Wij ruimen de ruïnes op
en vergeten het laatste uur
in het dode oog van de klok.
Duiven, wij bouwen voor jullie:
jullie zullen
in de gladde muren je nestelen;
jullie zullen
door onze venstersheen vliegen
het blauw in.

En misschien zijn er dan een paar kinderen daar
en dat zou al heel wat wezen –
die tussen jullie
in de ruïnes
van onze nieuwe huizen,
de huizen die wij met de hoge kranen
dag en nacht door bouwen,
verstoppertje spelen.

Dat zou al heel wat wezen.

Vertaling Kees Kok


Mit leichtem Gepäck

Gewöhn dich nicht.
Du darfst dich nicht gewöhnen.
Eine Rose ist eine Rose.
Aber ein Heim
ist kein Heim.

Sag dem Schoßhund Gegenstand ab
der dich anwedelt
aus den Schaufenstern.
Er irrt. Du
riechst nicht nach Bleiben.

Ein Löffel ist besser als zwei.
Häng ihn dir um den Hals,
du darfst einen haben,
denn mit der Hand
schöpft sich das Heiße zu schwer.

Es liefe der Zucker dir durch die Finger,
wie der Trost,
wie der Wunsch,
an dem Tag
da er dein wird.

Du darfst einen Löffel haben,
eine Rose,
vielleicht ein Herz
und, vielleicht,
ein Grab.

Hilde Domin


Neue Wege

Neue Wege Möchte ich finden
Schmerzhaft ungegangene
Vom Du zum Ich.

Keine Handbreit an mir
Die deinem Eintritt
Widersteht.


Gleichgewicht

Wir gehen
Jeder für sich
Den schmalen Weg
über den Köpfen der Toten

  • fast ohne Angst –
    im Takt unsres herzens,
    als seien wir beschützt,
    solange die Liebe
    niet aussetzt.

So gehen wir
Zwischen Schmetterlingen und Vögeln
In staunendem Gleichgewicht
Zu einem Morgen von Baumwipfeln

  • grün, gold, un blau –
    und zu dem Erwachen
    der geliebten Augen.

50×36,5 juli 2025

Wie wenig nütze ich bin

Wie wenig nütze ich bin,
Ich heb den Finger und hinterlasse
Nicht den kleinsten Strich
In der Luft.

Die Zeit verwischt mein Gesicht,
Sie hat schon begonnen.
Hinter meinen Schritten im Staub
Wäscht Regen die Strasse blank
Wie eine Hausfrau.

Ich war hier.
Ich gehe vorüber
Ohne Spur.
Die Ulmen am Weg
Winken mir zu wie ich komme,
Grün blau goldener Gruss,
Und vergessen mich,
eh ich vorbei binn.

Ich gehe vorüber –
Aber ich lasse vielleicht
Den kleinen Ton meiner Stimme,
Mein Lachen und meine Tränen
Und auch den Gruss der Bäume im Abend
Auf einem Stückchen Papier.

Und im Vorbeigehen,
Ganz absichtslos,
Zünde ich die ein oder andere
Laterne an
In den Herzen am Wegrand.


Hoe weinig ik van nut ben

Hoe weinig ik van nut ben,
Ik hef mijn vinger en laat
Niet de kleinste streep achter
In de lucht.

De tijd doet mijn gezicht vervagen,
Ze is reeds begonnen.
Achter mijn voetstappen in het stof
Wast de regen de straten blank
Als een huisvrouw.

Ik was hier.
Ik ga voorbij
Zonder spoor.
De olmen langs de weg
Wenken me toe hoe ik nader,
Groen blauw gouden groet,
En vergeten mij,
Voordat ik voorbij ben.

Ik ga voorbij –
Maar misschien laat ik achter
De zachte klank van mijn stem,
Mijn lachen en mijn tranen
En ook de groet van de bomen in de avond
Op een stukje papier.
En in het voorbijgaan
Helemaal zonder bedoeling,
Steek ik de een of andere
Lantaarn aan
In de harten aan de rand van de weg.


Signal

Eine Möwe
Rosa im Abendlicht
Helles Signal über die Bucht.
Wir sehen uns an.

Drie Gräser geben sich
Zärtliche Zeichen
Im Wind.
Sind wir deutlicher?

Alle weissen Blüten
Saugen einen Vorrat von Sonne
Gegen die Nacht.

Aber wir?


Worte

Worte sind wie reife Granatäpfel,
Sie fallen zur Erde
Und öffnen sich.
Es wird alles Innere nach aussen gekehrt,
Die Frucht stellt ihr Geheimnis bloss
Und zeigt ihren Samen,
Ein neues Geheimnis.


Gefährlicher Löffel

Du isst die Erinnerung
Met dem Löffel des Vergessens.

Das ist ein böser Löffel, mit dem du isst,
Ein Löffel der Speise und Esser verzehrt,

Bis eine Schale aus Schatten
Dir übrig bleibt
In einer Schattenhand.


Entfernungen

1

Der Mensch dies Haustier

Traum-Metöke
Amphibium
die Füsse in einem Traum
die Hände in einem Zimmer
gehend in fremden Träumen
immer in dem unbekannten Land
der andern
nie
das eigene Auge sehend
nur imTraum
nur von weit
nur im Auge des andern.

2

Entfernungen

die staunende Fingerspitze
der Zeigefinger
der dich
oder den andern
anrührt
der eine Spur lässt
keine Spur lässt
dein Zeigefinger
ein staunender
ein unwiederholbarer
Zentimeter
Haut.

3

Die sanfte Kuppe
unwiederholbar
du berührst
die Haut der Dinge
mit deiner Haut
die Rundung und die Kanten
der Dinge
ganz sanft
ihre Aussenseite.

4

Dein einmaliger Finger
deine Hand
voll einmaliger Finger
deine sterbliche Hand
unterwegs
zu dem Anfassbaren
streichelnd
seine Aussenseite.

Dein sanfter Finger
ein Samen auf Asphalt
er schlägt keine Wurzel
im Erdreich
der Dinge.

5

Die Dinge
haben harte Hände
wir sind durchlässig
sie säen in uns
wortlos
ihren Samen
in uns, Einmaligen,
sie,
die Bleibenden.

Wir schwanger
mit unsern Toten
unsern Lebenden
mit den gedächtnislosen
Dingen
gehen
über ihr Pflaster
und gehen
dahin.


Distanties
1

De mens dat huisdier

Droom-bijwoner
amfibie
de voeten in een droom
de handen in een kamer
gaande in vreemde dromen
altijd in het onbekende land
van de anderen
nooit
het eigen oog ziend
alleen in de droom
alleen van verre
alleen in het oog van de ander.

2

Distanties

de verbaasde vingertoppen
de wijsvinger
die jou
of de ander
aanraakt
die een spoor achterlaat
geen spoor achterlaat
jouw wijsvinger
een verbaasde
een onherhaalbare
centimeter
huid.

3

Het zachte topje
onherhaalbaar
je beroert
de huid van de dingen
met jouw huid
de ronding en de randen
van de dingen
heel zacht
hun buitenkant.

4

Jouw eenmalige vinger
jouw hand
vol eenmalige vingers
jouw sterfelijke hand
onderweg
naar het tastbare
strelend
zijn buitenkant.

Jouw zachte vinger
een zaad op asfalt
hij schiet geen wortel
in het aardrijk
van de dingen.

5

De dingen
hebben harde handen
wij zijn poreus
zij zaaien in ons
woordenloos
hun zaden
in ons, eenmaligen,
zij
de blijvenden.

Wij zwanger
van onze doden
onze levenden
van de geheugenloze
dingen
gaan
over hun plaveisel
en gaan
voorbij.

Vertaling Kees Kok


Entfernung

Die Entfernung
eines Kranken

von dem der bei ihm sitzt
ist nicht weiter

als die Kontinente
voneinander.

Unendlich weit.
Nur dieses

Hand in Hand.
Und doch es gilt nur

unter Gehenden.


Fürchte dich nicht

Die Rose sagt:
Fürchte dich nicht
Meine Blätter sind heute
ganz stabil
Keinl Windstoss wird mich
Vor deinen Augen
entblössen.

Der Baum
atmet Vertrauen
und will dass lch mich anlehne,
Er sei bestimmt
nicht angehackt.

Das Vogelei
Auf der Astgabel
hält das Versprechen
der kleinen weissen Balance.
Es ruht stille im Wind
bis den bangen Augen im Dotter
ein Federbalg wächst,

der auf den Zweig fliegt
und singt


Älter werden
Antwort an Christa Wolf

»Du weinst um das Nachlassen … und, so
unglaublich es sein mag, den unvermeidlichen
Verfall der Sehnsucht. «
(» Kindheitsmuster«)

1

Die Sehnsucht
nach Gerechtigkeit
nimmt nicht ab
Aber die Hoffnung

Die Sehnsucht
nach Frieden
nicht
Aber die Hoffnung

Die Sehnsucht nach Sonne
nicht
täglich kann das Licht kommen
durchkommen

Das Lichtist immer da
eine Flugzeugf ahrt reicht
zur Gewissheit

Aber die Liebe

der Tode und Auferstehungen fähig

wie wir selbst
und wie wir

der Schonung bedürftig

2

Gegen die Angst vor dem Mitmensch

Der Mensch ist dem Menschen ein Gott,
das Veronal in der Tasche

3

Hand in Hand mit der Sprache
bis zuletzt


Ouder worden
Antwoord aan Christa Wolf

Je huilt om de aftakeling … en, hoe ongelooflijk ook,
het onvermijdelijke verval van het verlangen.’
(‘Kindheitsmuster’)

1

Het verlangen
naar gerechtigheid
neemt niet af
Maar de hoop
Het verlangen
naar vrede
niet
Maar de hoop

Het verlangen naar zon
niet
dagelijks kan het licht komen
doorbreken
Het licht is er altijd
een vliegreis is genoeg
ter bevestiging

Maar de liefde

tot dood en opstandingen in staat
zoals wij zelf
en net als wij
genade van node

2

Tegen de angst voor de medemens
‘De mens is de mens een god’
met zijn slaappil op zak

3

Hand in hand met de taal
tot het bittere einde

Vertaling Kees Kok


Von uns

Man wird in späteren Zeiten von uns lesen.

Nie wollte ich in späteren Zeiten
das Mitleid der Schulkinder erwecken.
Nie auf diese Art
in einem Schulheft stehn.

Wir, verurteilt
zu wissen
und nicht zu handeln.

Unser Staub
wird nie mehr Erde.


Over ons

In later tijden zal men over ons lezen.

Nooit heb ik gewild in later tijden
bij schoolkinderen meelij op te wekken.
Nooit op die manier
in een schoolschrift staan.

Wij, veroordeeld
tot weten
en niet tot handelen.

Onze stof
wordt nooit meer aarde.

Vertaling Kees Kok


10 erprobte Mittel zur Verhinderung des Fortschritts und zur Förderung eines Unmenschen-Nachwuchses (plus ein Gegenmittel als Zugabe)
(1972)

1 Haupt-, Herz- und Magenmittel zur Bekömmlichmachung der Mittel: Man lasse sie sich vom jeweiligen Zweck heiligen. (Wie das Volk sagt: Ende gut, alles gut. Wir sind
geschickter als die Väter waren.)

2 Mittel zur Förderung von Unmenschlichkeit: Man pachte das Gute, exklusiv. Dadurch wird man ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und doch das Böse schafft.

3 Mittel, sich und andere zu Mitläufern zu erziehen: Man halte sich informiert, wem das Brot zu buttern und wem es zu versalzen ist. Vorsicht, Solidarität kann das schönste Mitläufertum kaputtmachen.

4 Mittel, zum Faschismus zu erziehen: Man wähle die geeignete Kontrastperson (-personengruppe). Man stürze sich auf sie, 100 gegen 1. Es sind keine Menschen wie du und ich, es sind »Schädlinge«, gesprächsunwürdig. Scheiße ist (der zweitbeste) Kitt für faschistische Gruppen.

5 Mittel, zur Lauheit zu erziehen: Man tue alles »ein bißchen «. Man freue sich ein bißchen, schäme sich ein bißchen., empöre sich ein bißchen. Aber man benutze nie den Wahlzettel, auch nicht ein bißchen.

6 Mittel, das letzte bißeben Zivilcourage zu verlernen: überflüssig, gekonnt.

7 Mittel, das eigene Denken abzugewöhnen: Man halte sich nie an die Fakten, immer an die Klischees. ‘

8 Mittel zur Einführung des leisen Terrors: Siehe oben, unter 3.

9 Mittel zur Einführung des lauten Terrors: Siehe oben, unter 4.

10 Mittel für Journalisten und Redakteure, den demokratischen Standard senken zu helfen: Half the news that is fit to print.

11 Als Draufgabe, gratis: Mittel, sich selbst die Karriere zu versauen: Sei unbequem, zuallererst dir selbst. Schade dir, indem du nicht in’ Schritt und Tritt gehst; indem du hinsiehst, statt wegzusehen; indem du aufstehst und protestierst, wo alle sitzen bleiben (die unter 2, 3, 5, 6, 7), als hätten sie einen Theaterplatz unter dem Hintern; indem du entscheidest von Fall zu Fall und sogar erst nach Kenntnis des Falles.

Damit schadest du dir enorm. Hier schlägt der Schaden für den Einzelnen in den Nutzen für die Gesellschaft um. Bei den Punkten 1-10 findet das Umgekehrte statt.
Das ist die Dialektik von Schaden und Nutzen.

Hilde Domin, in: Abel Steh auf. Gedichte, Prosa, Theorie, Stuttgart 2008 (Reclam) p.92-93


Domin, Hilde, Abel sta op. Zeventig gedichten gekozen en vertaald door Kees Kok, Amsterdam 2013 (Skandalon en de Nieuwe Liefde)
Domin, Hilde, Abel steh auf. Gedichte, Prosa, Theorie, Stuttgart 2008 (Reclam)
Domin, Hilde, Gesammelte Gedichte, Frankfurt am Main 1987 (Fischer)


50×36,5 juli 2025