Verrà la morte Pavese

DER TOD WIRD kommen, und er wird deine Augen haben –
dieser Tod, der uns tagaus, tagein
begleitet, schlaflos,
hohl wie langst verjahrte Reue
oder törichtes Laster. Deine Augeri
werden ein leeres Wort sein,
ein stummer Schrei, ein Schweigen.
So siehst du sie jeden Morgen,
wenn du dich über dich neigst, allein,
im Spiegel. O liebe Hoffnung,
an jenem Tag werden auch wir wissen,
dass du das Leben bist und das Nichts.

Für alle hat der Tod einen Blick.
Der Tod wird kommen, und er wird deine Augen haben.
Es wird sein wie das Aufgeben eines Lasters,
als erschiene im Spiegel
ein totes Gesicht,
als lauschte man geschlossenen Lippen.
Stumm werden wir in den Abgrund steigen.

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Verrà la morte | ARTE Creative.

 

 

 

Cesare pavese: Die Erde und der Tod 1945 – 1946

ROTE ERDE, schwarze Erde,
du kommst aus dem Meer,
aus versengtem Grün,
der Heimstatt alter Worte
und blutiger Mühsal,
wo zwischen den Steinen
Geranien wachsen –
nicht wissend, wieviel an Worten
und Mühsal du bringst aus dem Meer,
du reich wie Erinnerung
und trockenes Land,
du hartes und liebstes Wort
blutalt in den Augen verwahrt,
du jung wie eine Frucht
aus Erinnerung und Jahrzeit-
unterm Augusthimmel
ruht dein Atem aus,
dein Olivenauge
besänftigt das Meer,
und du lebst, lebst wieder
ohne Verwundern, gewiss
wie die Erde, dunkel
wie die Erde, Älmuhle
der Jahrzeiten und der Träume,
die sich im Mond zeigt, uralt
wie die Hände der Mutter,
die Schale des Kohlenbeckens.

DU BIST WIE ein Land,
das noch keiner genannt.
Du erwartest nichts
nur das Wort,
das dem Grund entspringt
wie die Frucht dem Zweig.
Es berührt dich ein Wind.
Totes und Trockenes
hemmt dich und geht mit dem Wind.
Verbrauchte Glieder und Worte.
Dir ist bang im Sommer.

AUCH DU BIST Hügel
und Steinpfad
Bewegung im Schilf,
zu Haus im Weinberg
und seiner lautlosen Nacht.
Du sagst kein Wort.

Es gibt eine lautlose Erde,
nicht deine Erde.
Es gibt ein Schweigen, das anhält
in Pflanzen und Hugeln.
Wasser gibt es und Länder.

Schweigen bist du
und unauflösbar.
Deine Lippen und Augen sind dunkel.
Du bist der Weinberg.

Es gibt eine Erde,
die wartet und schweigt
Tage sind unter brennendem
Himmel vergangen.
Du hast die Wolken gespielt.
Es gibt eine schreckliche Erde-
dein Antlitz weiss es.
Auch das ist der Weinberg.

Wie Mondschatten wiederfinden
wirst du die Wolken
das Schilf und die Stimmen.
Wiederfinden wirst du Worte
jenseits des kurzen Lebens
und nächtlicher Spiele,
verbrennender Kindheit.
Schön ist das Schweigen.

Du, Erde und Weinberg.
Ein Schweigen aus Feuer
wird Land verbrennen
wie Leuchtfeuer, nachts.

 

pavese

D E I N G E S I C H T, aus Stein geschlagen,
dein Blut aus harter Erde,
du kommst aus dem Meer.
Alles empfängst und erforschst du
und wirfst es von dir
wie das Meer. Im Herzen
Schweigen und verschluckte Worte.
Dunkel bist du. Für dich
ist der Morgen ein Schweigen.

Du bist die vielstimmige
Erde, das Schlagen
des Eimers im Brunnen,
das Singen des Feuers,
ein fallender Apfel;
die dumpfen erschöpften
Worte auf der Schwelle
der Schrei des Kindes- Dinge
die nicht vergehen.
Dunkel bist du.
Du veränderst dich nicht.

Du bist der verschlossene Keller
aus gestampfter Erde
den einmal, barfuss
das Kind betrat
und kannst nicht vergessen.
Du bist das dunkle Zimmer
und es denkt daran immer
wie an den alten Hof
wo der Morgen sich auftat.
DU weisst die Hügel nicht,
wo das Blut rann.
Alle flohen wir,
alle warfen wir weg
Waffe und Namen. Ein Weib
sah uns fliehen.
Nur einer von uns stand
still mit geballter Faust,
sah den leeren Himmel,
neigte das Haupt und starb
schweigend unter der Mauer.
Jetzt ist er ein blutiger Fetzen
und sein Name. Ein Weib
wartet unter den Hügeln.

 

 

AUS SALZ und aus Erde
ist dein Blick. Einst
hattest du Meer in deinen Poren.
Pflanzen schmiegten sich
um deine Seiten, heiss,
und sie riechen noch immer nach dir.
Agave und Oleander.
Alles verschliesst dein Blick.
Aus Salz und aus Erde
sind deine Adern, dein Atem.

Gischt eines heissen Windes,
Schatten sengender Sonnentage –
alles verschliesst du in dir.
Du bist die rauhe Stimme
der Felder, der Ruf
der versteckten Wachtel,
die Warme des Steins.
Die Felder sind Mühe,
die Felder sind Schmerz.
Bei Nacht schweigt
die Gebärde des Bauern.
Du bist die grosse Mühsal
und die Nacht, die sättigt.

Wie der Fels und das Gras,
wie die Erde bist du verschlossen;
du bist wie die Woge des Meeres.
Kein Wort,
das dich besitzen kann
oder halten. Du empfangst
Stösse wie die Erde
und machst daraus Leben, Atem,
der liebkost, Schweigen.
Du bist verdorrt wie das Meer,
wie eine Frucht zwischen Felsen,
und sagst kein Wort,
und niemand spricht zu dir.

 

 

IMMER NOCH BIST du vom Meer
und hast dessen rauhe Stimme,
hast du vom lebendigen Wasser
zwischen den Brombeerstr„uchern
geheimniserfüllte Augen
und eine niedrige Stirn
wie ein von Wolken niedriger Himmel.
Jedes Mal lebst du von neuem,
wie etwas Altes und Ungezähmtes,
das dein Herz schon kannte, und es verschliesst sich.

Jedes Mal ist es ein Riss,
jedes Mal ist es der Tod.
Immer haben wir gekämpft.
Wer sich zum Kampf entschliesst,
hat den Tod schon gekostet
und trägt ihn im Blut.
So wie gute Feinde,
die sich nicht mehr hassen,
haben wir eine
Stimme, eine Qual,
und leben Aug’ in Aug’
unter armseligem Himmel.
Zwischen uns keine Hinterlist,
nichts Unnötiges-
wir werden immer kämpfen.
Wir werden weiterkämpfen,
wir werden immer kämpfen,
weil wir den Todesschlaf suchen,
nebeneinander,
und wir haben eine rauhe Stimme,
eine niedrige und ungezähmte Stirn
und denselben Himmel.
Dafür wurden wir erschaffen.
Wenn einer von uns dem Stoss nachgibt,

folgt eine lange Nacht,
die weder Friede und Stillstand ist,
noch wirklicher Tod.
Du bist nicht mehr. Die Hände
ringen vergeblich.

Solange das Herz uns zittert.
Deinen Namen haben sie genannt.
Der Tod beginnt immer wieder.
Du, Unbekanntes und Ungezähmtes,
bist aus dem Meer wiedergeboren.

 

WIR FEIGLINGE ABER,
die den flüsternden
Abend liebten, die Häuser,
die Wege am Fluss,
die roten und schmutzigen Lichter
jener Orte, den Schmerz
gestillt und besänftigt-
wir rissen die Hände
aus der lebenden Kette
und schwiegen, aber im Herzen
schreckte das Blut auf,
keine Sänftigung blieb,
kein Abschiednehmen
auf den Wegen am Fluss-
keine Sklaven mehr, wussten
wir uns allein und lebendig.
DIE ERDE BIST DU und der Tod.
Deine Jahrzeit ist das Dunkel
und die Stille. Ferner lebt
nichts der Morgenröte.

Willst du erwachen,
bist du ganz Schmerz;
in den Augen, im Blut
trägst du ihn, fühllos,
lebst wie ein Stein,
wie die harte Erde.
Träume kleiden dich,
schluchzende, unbewusste.
Der Schmerz
bebt und umschliesst dich
wie Wasser eines Sees.
Alle lässt du dahingehn,
bist die Erde und der Tod.

In the morning
you always come back

Der Spalt der Frühe
atmet mit deinem Mund
am Ende leerer Strassen.
Graues Licht deine Augen,
sanfte Tropfen der Frühe
auf dunklen Hügeln.
Dein Schritt und dein Atem

wie Frühwind.
Die Stadt erschauert,
es duften die Steine,
du bist das Leben
und sein Erwachen.

Verirrter Stern
im Licht der Frühe,
knisternde Brise,
Atem, Warme-
die Nacht ist zu Ende.

Du bist das Licht
und der Morgen.

 

 

DER TOD WIRD kommen, und er wird deine Augen haben –
dieser Tod, der uns tagaus, tagein
begleitet, schlaflos,
hohl wie langst verjahrte Reue
oder törichtes Laster. Deine Augeri
werden ein leeres Wort sein,
ein stummer Schrei, ein Schweigen.
So siehst du sie jeden Morgen,
wenn du dich über dich neigst, allein,
im Spiegel. O liebe Hoffnung,
an jenem Tag werden auch wir wissen,
dass du das Leben bist und das Nichts.

Für alle hat der Tod einen Blick.
Der Tod wird kommen, und er wird deine Augen haben.
Es wird sein wie das Aufgeben eines Lasters,
als erschiene im Spiegel
ein totes Gesicht,
als lauschte man geschlossenen Lippen.
Stumm werden wir in den Abgrund steigen.

You, wind of March

Du bist das Leben, der Tod.
Du bist im März
auf die nackte Erde gekommen –
dein Erschauern hält an.
Blut des Frühlings
– Wolke, Anemone-
dein leichter Schritt
hat die Erde verletzt.
Von neuem der Schmerz.

Dein leichter Schritt
hat aufgerissen den Schmerz.
Die Erde war kalt
unter armem Himmel,
unbeweglich, verschlossen
in dumpfem Traum
wie am Ende der Leiden.
Sanft war auch das Eis
im tiefsten Herzen.
Die Hoffnung schwieg
zwischen Leben und Tod.

Blut und Stimme hat jetzt
jedes lebende Ding,
Erde und Himmel sind
ein starkes Erschauern,
von Hoffnung gequält,
vom Morgen aufgewühlt
dein Schritt geht darüber,
dein Atem aus Morgenröte.
Blut des Frühlings,
die Erde bewegt
von uraltem Zittern.

Du hast den Schmerz
wieder aufgerissen.
Du bist das Leben, der Tod.
Leicht bist du über
die nackte Erde gegangen
wie die Wolke, die Schwalbe,
der Sturzbach des Herzens
ist wieder erwacht, bricht los
und spiegelt sich im Himmel,
widerspiegelt die Dinge-
und die Dinge des Himmels, des Herzens
leidend gebeutelt
im Warten auf dich.
Morgen, Morgenröte,
Blut des Frühlings,
du hast die Erde verletzt.

Die Hoffnung, gequalt,
erwartet und ruft dich.
Du bist das Leben, der Tod.
Dein Schritt ist leicht.

Uber die Piazza di Spagna
werd ich gehen

Ein klarer Himmel wird sein.
Die Strassen werden sich öffnen

Das Getümmel der Strassen
wird jene unbewegliche Luft nicht trüben.
Die farbsprühenden Blumen der Brunnen
werden blinzeln
wie belustigte Frauen. Die Treppen,
Terrassen, die Schwalben
werden im Sonnenlicht singen,
schwirrend wird schlagen das Herz
wie die Wasser der Brunnen –
dies wird die Stimme sein,
die deine Treppen ersteigt.
Die Fenster kennen den frühen
Ruch von Gestein und Luft.
Eine Tür wird aufgehn.
Das Getümmel der Strassen
wird sein des Herzens
Aufruhr im bleichen Licht.

Du wirst es sein – wirklich und hell.

 

mystiek

KLAR UND VERLASSEN
gehen die Morgen hin.
So taten einst
deine Augen sich auf. Langsam
verstrich der Morgen, ein Abgrund
unbeweglichen Lichts. Er schwieg.
Du Lebendige schwiegst, unter deinen
Augen lebten die Dinge
(kein Bangen, kein Fieber, kein Schatten)
klar wie ein Morgenmeer.

Wo bist du, Licht, es ist Morgen.
Leben und Dinge warst du,
Und wir atmeten wach
in dir unterm Himmel,
der noch in uns ist.
Ohne Schmerz, ohne Fieber,
ohne den schweren Schatten des grausam
dr„ngenden Tags. O Licht,
ferne Klarheit, angstvolles Atmen,
richte die unbewegten,
klaren Augen auf uns !
Dunkel vergeht der Morgen
ohne das Licht deiner Augen.
The night you slept

Auch die Nacht ist dir ähnlich,
die ferne Nacht, die schweigend
weint im tiefen Herzen,
und müde gehn die Sterne.
Wange rührt an Wange-
ein kalter Schauder ist’s, jemand
schrickt auf und fleht dich an, verlassen,
in dir verloren, in deinem Fieber.

Die Nacht seufzt und sehnt sich ins Licht,
armes zuckendes Herz.
O verschlossenes Antlitz, finstere Angst, Fieber,
das die Sterne betrubt,
jemand wie du harrt dem Lichte entgegen,
forscht still in deinem Gesicht.
Unter die Nacht gestreckt, liegst du
wie ein verschlossener, toter
Horizont, zuckendes armes Herz;
an einem fernen Tag
warst du Frühlicht.

The cats will know

Wieder wird es regnen
auf dein sanftes Pflaster,
ein Regen, so leicht
wie ein Atemhauch oder ein Schritt.
Wieder werden Wind und Morgen
zart erblühen,
wie unter deinem Schritt,
wenn du heimkehrst.
Zwischen Blumen und Fensterbänken
werden die Katzen es wissen.

Es wird andere Tage geben,
andere Stimmen werden sein.
Ganz alleine wirst du lächeln.
Die Katzen werden es wissen.
Du wirst alte Worte hören,
mude Worte und verbrauchte,
so wie abgelegte Kleider
vergangener Feste.

Auch du wirst deine Gesten haben.
Du wirst Worte erwidern –
Frühlingsgesicht,
auch du wirst deine Gesten haben.

Die Katzen werden es wissen,
Frühlingsgesicht;
und der leichte Regen,
der hyazinthene Morgen,
die das Herz dem weiten,
der nicht mehr auf dich hofft,
sie sind das traurige Lächeln,
das du alleine lächelst.
Es wird andere Tage geben,
andere Stimmen und Erwachen.
Leiden werden wir, wenn der Morgen graut
Frühlingsgesicht.