Jandl

Ernst Jandl

wien: heldenplatz
Der Knabe und die Straßenbahn
gespräch
(beantwortung von sieben nicht gestellten fragen)
zwei braute: ein deutsches denkmal
ich was not yet
die tassen
wie fast
ein fragment
augn
von einen sprachen
zweierlei handzeichen
Sprecher: Mann zwei, Mann eins, abwechselnd.
there is hardly
grab des
leukoplast
glückwunsch
lieben wissen
vom leben der bäume
sommerlied
liegen, bei dir
lichtung
der tagesplan
zum glück
Unter anderen
Dreiblättriger Klee
suchen wissen
vater komm erzähl vom krieg
frei und schlecht
three wives
visite
Ernst Jandl “1000 jahre ÖSTERREICH”
“kleine körperliche biografie”
“der schrei”
mutter hat gewußt
“anders”
“vermeide dein leben”
“leises gedicht”
“stummes gedicht”
falsch
16 jahr
babba
zeile an 2 zeilen van ARP sich anschliessend
peter frisst seinen weg ins schlaraffenland
inhalt
contents
redensart
sieben kinder
themen
camping
die bitte
das fanatische orchester
der gelbe hund
ich lernen
Frühlingsbeginn
der morgenbauch
wanderung
gedichte an die kindheit
der gedankenleser
taschen
wäscherei
von tauben
my own song
nach altem brauch
van wundern der natur
alles erinnern
schweizer armeemesser
der schnitter
legende
vexierbild
zimmerdecke
familiensofa
die seele
vor dem spiegel
florians eltern
kommentar
reihe
ende der schmach
hund-sein
menschenfleiss
nepomuk
eulen
der zunge stampfen (1-6)
bibliothek
loch
werbetext
der schweiss
bewegung
auf dem land
im schlaf
so ein trost
der verschluss
zweierlei handzeichen
die kühe
lichtung
versenken
blanko
ottos mops
sieben weltwunder
der horizont
the flag
noch eins
der erfolg
der regen
der grazer
das kloster
das grune glas
der krieg
das bleiben
die klage
die bürste
die wunde
kindersprache
der unlogische knabe
frass
die dummheit
schwer
der mensch
an gott
der zusammenbruch
die brille
der schatten
von papieren
von wörtern
begegnen
unsagbar
Im Schlaf


wien: heldenplatz

der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem menschenmeere
darunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick.
und brüllzten wesentlich.

verwogener stirnscheitelunterschwung
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummernder aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.

pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa-tz zu Sa-tz
mit hünig sprenktem stimmstummel
balzerig würmelte es im männechensee
und den weibern ward so pfingstig ums heil
zumahn: wenn ein knie-ender sie hirschelte.


Der Knabe und die Straßenbahn

Immer fährt so ein kleiner
rothaariger Knabe
auf dem Trittroller neben
der Straßenbahn her.
Plötzlich dreht er und fährt
in die andere Richtung
und weiß auf einmal
genau, was er tun muß,
um die Straßenbahn zu überholen,
auch wenn er bloß ein kleiner
rothaariger Knabe
auf dem Trittroller ist.


gespräch

gab er zur antwort
fragten sie

gab er zur antwort
fragten sie

gab er zur antwort
fragten sie

gab er zur antwort
fragten sie

gab er zur antwort


nein
nein
nein
nein
nein
nein
nein

(beantwortung von sieben nicht gestellten fragen)


zwei braute: ein deutsches denkmal

goethe:
komm und stirne mich mein kind
denn ich habe viele stellen
unter denen keine sind
die nicht aus dem herzen quellen
schiller:
komm und herze mich mein kind
denn ich habe viele stellen
unter denen keine sind
die nicht aus der stirne quellen


ich was not yet

in brasilien
nach brasilien
wuld ich laik du go

wer de wimen
arr so ander
so quait ander
denn anderwo

ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wuld ich laik du go

als ich anderschdehn
mange lanquidsch
will ich anderschdehn
auch lanquidsch in rioo

ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wuld ich laik du go

wenn de senden
mi across de meer
wai mi not senden wer
ich wuld laik du go

yes yes de senden
mi across de mer
wer ich was not yet
ich laik du go sehr

ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wuld ich laik du go


die tassen

bette stellen sie die tassen auf den tesch
perdon
stellen sie die tassen auf den tesch
perdon
die tassen auf den tesch
 perdon
auf den tesch
perdon

nöhmen
nöhmen
nöhmen sö söch
nöhmen sö söch eune tass
eune tass
donke
donke
 
eun stöck zöcker
zweu stöck zöcker
dreu stöck zöcker
donke
zörka zweu stöck
zöcker

follen
follen
hununtergefollen
auf dön töppich
neun
nur der hönker ust wög

pördon

bötte
bötte


wie fast

wie bitter
wie kaum
sollen wir aus anderen
sollen wir aus entfernten
sollen wir aus fremd
wie fast
wie bitter
wie kaum
können wir das alles überhaupt
können wir das alles unbesorgt
können wir das alles hier
wie fast
wie bitter
wie kaum
sind schon versamm
sind schon vollzahl
gehen schon
wie bitter
wie kaum


ein fragment

wenn die rett
es wird bal
ubermor
bis die atombo
ja herr pfa


augn

ins
augn

ins
augn

ins
o frau was willst du

hier auf der strassn
und mit grossngrossn
augn


von einen sprachen

schreiben und reden in einen heruntergekommenen sprachen
sein ein demonstrieren, sein ein es zeigen, wie weit
es gekommen sein mit einen solchenen: seinen mistigen
leben er nun nehmen auf den schaufeln von worten
und es demonstrieren als einen den stinkigen haufen
denen es seien. es nicht mehr geben einen beschönigen
nichts mehr verstellungen. oder sein worten, auch stinkigen
auch heruntergekommenen sprachen-worten in jedenen fallen
einen masken vor den wahren gesichten denen zerfressenen
haben den aussatz. das sein ein fragen, einen tötenen.


zweierlei handzeichen

ich bekreuzige mich
vor jeder kirche
ich bezwetschkige mich
vor jedem obstgarten
wie ich ersteres tue
weiß jeder katholik
wie ich letzteres tue
ich allein


Sprecher: Mann zwei, Mann eins, abwechselnd.

Thema: eskalierende gegenseitige Vorstellung zweier Akademiker.

m2 du sein gut sprechen
du haben denkenkraft
du wortengewalt
m1 ich sein ein professor
was du sein?
m2 ich sein ein kunstler
was du sein?
m1 ich sein ein universitäten professor
was du sein?
m2 ich sein ein groß kunstler
was du sein?
m1 ich sein ein universitäten professor
von geschichten
was du sein?
m2 ich sein ein groß deutschen und inder
national kunstler
was du sein?
m1 ich sein ein universitäten professor
kapazität von den geschichten
was du sein?
m2 ich sein ein groß deutschen und inder
national nobel preisen kunstler
was du sein?
m1 ich sein ein nobel preisen universitäten
professor kapazität von den deutschen
geschichten
ich sein ein nobel preisen
m1 ich und du sein ein nobel preisen
m2 herren kollegen
m1 herren kollegen
m2 ich und du sein ein nobel preisen
m1 ich und du sein ein herren kollegen


there is hardly anything i know for sure
neither of the future nor of the past
nor should i know what to ask
if the person answering was you


grab des

du haben zudecken
ein erden für alle
steifen nicht mehr haben
selber sein ein steifer


ernst jandls weihnachtslied

machet auf den türel
machet auf den türel
dann kann herein das herrel
dann kann herein das herrel
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund
froe weihnacht
froe weihnacht
und ich bin nur ein hund


leukoplast

a mensch bin e söwa
zwos soitadsd du ana bleim
s goschal howi da zuabickt
villaichd daschdixt scho beim schbeibm

ein mensch bin ich selber
wozu solltest du einer bleiben
das mündchen hab ich dir zugeklebt
vielleicht erstickst du schon beim erbrechen


glückwunsch

wir alle wünschen jedem alles gute:
daß der gezielte schlag ihn just verfehle;
daß er, getroffen zwar, sichtbar nicht blute;
daß, blutend wohl, er keinesfalls verblute;
daß, falls verblutend, er nicht schmerz empfinde;
daß er, von schmerz zerfetzt, zurück zur stelle finde
wo er den ersten falschen schritt noch nicht gesetzt –
wir jeder wünschen allen alles gute

aus aian orphischn oaschloch
druckts es maunchmoe a batzal
nemtsas glei auf de zungen
olle lyrik gheat gsungen


lieben wissen

auffen und unten
ein lieben pressen
wessen wissen
machen lieben neu

keins eines wissen
machen neu lieben
auffen und unten
pressen sein es blieben


vom leben der bäume
auch die harten schwarzen
knospen, auch die säumigen
knospen öffnet das licht.

auch die schönen weißen
blüten, auch die duftenden
blüten zerstreut der wind.

auch die schönen grünen
blätter, auch die sonnigen
blätter zerreibt der wind.

auch die alten großen
bäume, auch die beständigen
bäume bricht die zeit.


sommerlied

wir sind die menschen auf den wiesen
bald sind wir die menschen unter den wiesen
und werden wiesen, und werden wald
das wird ein heiterer landaufenthalt 



liegen, bei dir

ich liege bei dir. deine arme
halten mich. deine arme
halten mehr als ich bin.
deine arme halten, was ich bin
wenn ich bei dir liege und
deine arme mich halten.


lichtung

manche meinen
lechts und rinks
könne man nicht
velwechsern.
werch ein illtum!


der tagesplan

gestern machte ich mir einen tagesplan für heute
heute stehe ich auf und schaue lange nicht darauf
es steht darauf was noch nicht getan ist
und noch heute soll das alles getan werden
und wer soll es sein der das tut
diese frage ist nicht gut
und die antwort darauf auch nicht


zum glück

seh ich auch nichts, das ich gern sehen möchte,
so seh ich doch, zum glück auf beiden augen
wie eh und je;
und hör ich auch nichts, das ich gern hören möchte,
so hör ich doch, zum glück auf beiden ohren
wie eh und je;
und fühl ich auch nichts, das ich gern fühlen möchte,
so fühl ich doch, zum glück, an allen körperstellen
wie eh und je;
und denk ich auch nichts, das ich gern denken möchte,
so denk ich doch, zum glück, in meinem Kopf
wie eh und je;
und steh ich auch nicht, wo ich gern stehen möchte,
so steh ich doch, zum glück, mit beiden beinen
wie eh und je;
und nehm ich auch nichts, das ich gern nehmen möchte,
so nehm ich doch, zum glück, mit beiden händen
wie eh und je;
und wenn, vor der vergeblichkeit von allem,
mich grauen packt, so bin ich doch, zum glück,
intakt wie eh und je.


Unter anderen

Der Mann sucht
die Frau
mit seinen Augen und
seinen Händen
und geht durch Straßen
(Leicht zu finden
sagen andere)
Der Mann sucht
die Frau
für seine Augen und
für seine Hände
für seine Augen und
für seinen Mund
der Worte sprechen möchte
die schwer zu finden sind
unter anderen.


Dreiblättriger Klee

Ich pflücke dich auf der sonnigen Wiese
und lege dich in mein Notizbuch
damit du mir Glück bringst, dreiblättriger Klee

Oder ist Glück eine Ausnahme
ein vierblättriger Sonderling
auf einer sonnigen Wiese voll dreiblättrigem Klee?


suchen wissen

ich was suchen
ich nicht wissen was suchen
ich nicht wissen wie wissen was suchen
ich suchen wie wissen was suchen
ich wissen was suchen
ich suchen wie wissen was suchen
ich wissen ich suchen wie wissen was suchen
ich was wissen

love concrete
I love pottery
but i’m not
a concrete pot.

1970


2026 50x40 Narrenschiff 1

vater komm erzähl vom krieg

vater komm erzähl vom krieg
vater komm erzähl wiest eingrückt bist
vater komm erzähl wiest gschossen hast
vater komm erzähl wiest verwundt wordn bist
vater komm erzähl wiest gfallen bist
vater komm erzähl vom krieg


frei und schlecht

ich bin frei und mir ist schlecht
warum sollte mir nicht schlecht sein?
freilich sollte mir schlecht sein, und es ist mir auch schlecht.
es könnte mir allerdings auch nicht schlecht sein.
dann würde ich sagen: ich bin frei
und mir ist nicht schlecht.


three wives

i never remember my second wife
i never remember my third wife
i always remember what i always remember
ain’t ever even had a first wife


visite

doktor ich nicht können aufhören scheißen
du mir geben mittel für aufhören scheißen

doktor ich nicht können aufhören sagen au au
du mir geben mittel für aufhören sagen au au

doktor ich nicht können aufhören in kopf reden wenn wollen schlafen
du mir geben mittel für aufhören in kopf reden und anfangen schlafen

doktor ich nicht können aufhören krepieren
du mir mittel geben für krepieren


Ernst Jandl “1000 jahre ÖSTERREICH”

ich glaube nicht an gott, mag heißen
ich glaube nicht woran du glaubst; es mag
auch heißen: ich glaube nicht an dich.

doch glaub ich doch an dich: dich haut fleisch nerven fett skelett
kann ich berühren küssen schneiden schießen brennen
wie gut daß du und ich einander kennen.

auch sag ich: gottseidank; bei niesen: helfgott
und immerzu: ohgottohgott, mein stoßgebet; im anfang
war das wort – ich wüßte nicht was ohne es ich täte.

zwei tiere reichten aus, maskulin feminin, um ineinander
steckend, schwitzend keuchend schreiend oder geräusch vermeidend
einen neuen menschen zu schweinen: mich, ERNST JANDL.

heil blutiger gott, dein reich ist der schlaf, und komme
zu uns immer halb-halb, tag-nachts und stoße uns endlich
in den unschlaf unseres ewigen nicht-mehr-lebens
unter den flügelschlägen deiner geier.

die eierfromme seligkeit der bestie mensch
die beschissenen erschütterungen der fortpflanzungen
könnte er nicht ein krokodil sein ein schakal ein skorpion? er ist es
und aus seinen löchern fahren engel auf.

furzend berstend schmücke dich edles austriachon
eintausend jahre feiernd im eiterstrom
pest tuberkulose krebs AIDS syphilis sind orden
uns, die geboren sind zu fressen saufen pissen scheißen morden.


“kleine körperliche biografie”

nun habe ich in meinem mund
keine zehe mehr (keine eigene
eine fremde schon garnicht)
meine füße in meinen händen
sind vergangene gymnastik
meine hände salben vergeblich
die schmerzenden. mein halbschlitten
hindert mich am am knien. doch beuge ich mich
ohne anstrengung – meine übliche
haltung. mein glied, täglich gewaschen
hat verlernt
den täglichen aufstand. rebellion
geschieht in meiner seele
um die ich kämpfe.


“der schrei”

ich habe meine mutter durchlocht
als ich herauskam, oh welcher schrei
ich habe ihn nicht gehört, ich habe ihn sicher nicht gehört
und ich kann auch nicht sagen, er hätte mich zerstört
aber gewiß hat er mich verwundet
davon bin ich nie gesundet


mutter hat gewußt

was sie wissen mußt

wenn du mein kind krepier
steht er schon neben dir

zu richten fürchterlich
für kleinste sünde dich

für kurze lüge unlängst
du jahrelang im fegefeuer brennst

für einmal onanieren
wirst ewig du die hölle spüren

doch bist du sündenfrei wie ich
hebt flugs er in den himmel dich

wo du zwar nicht leben
doch ihn umschweben wirst

für immer und ewig.


“anders”

mir ist so anders
als mir war
als mir noch nicht
so anders war
wie war dir denn
als dir noch nicht
so anders war
wie eben jetzt
als mir noch nicht
so war wie jetzt
war mir ganz anders
bis zuletzt
wann war zuletzt
daß dir noch nicht
so anders war
wie eben jetzt
immer war mir
bis knapp zuvor
ganz anders
ohne übergang


“anders”

oh christenheit, du wahres
überbleibsel aus einer verlorenen
einer vernichteten zeit. wie ich da saß
am waldesrand, an fichtenzapfen kauend
und neben mir, strahlend, die eingehüllte mutter
in der schale eines frühen, schamhaften badedresses
mit dem sie verleugnete, auf dieser
fotografie meines vaters, was über mich
den unrein geborenen sohn einst kommen
sollte. oh ich werde verrückt mit all
diesen leichen im kopf: mutter, vater
und bruder robi, angegriffen und begraben
und ich hüpfe noch, auf beinen kaum mehr gehfähig,
hüpfe noch, nach dem erstinfarkt, mit meinem verquarkten
herzen.


“vermeide dein leben”

du bist ein mensch, verwandt der ratte.
leugne gott.
beginne nichts, damit du nicht beenden mußt.
du hast dich nicht begonnen – du wurdest begonnen.
du verendest, ob du willst oder nicht.
glück ist: sich und die mutter bei der geburt zu töten.
eines nur suche: deinen baldigen schmerzfreien tod.
hilferufe beantworte durch taubheit.
benütze dein denken zum vergessen von allem.
liebe streiche aus deinem vokabular.
verbrenne dein wörterbuch.
atme dich zu tode.


“leises gedicht”

du, beim essen spricht man nicht.
nicht mit vollem munde sprechen.
jetzt sprechen die großen, die kleinen nicht.
halt deinen mund, du wicht.
wenn du ein gedicht bist, dann ein leises.
klein wie du, bist du vielleicht ein weises.
oder du bist blöd, dann noch am besten lautlos.
blick auf, wie schön über dir, du aas,
der himmel blau ist.


“stummes gedicht”

so unsprechbar, so
unaussprechlich -ebenso
unsichtbar, also kein
visuelles, sondern
höchst zerbrechlich, nämlich schon
zerbrochen – zum ersten mal
wird ein gedicht
gerochen


falsch

hier tut kein weg sein
und ich tu ihn auch nicht suchen
ich tu was ich tu was ich tun müssen tu
immer sein da die die sagen
das du müssen tun und das du müssen tun
und ich sein das was da ja sagen tut
ja ich immer tu ja sagen
und dann ich mir sagen daß falsch
war das jasagen
ja
ganz falsch


16 jahr

thechdthen jahr
thüdothdbahnhof
thechdthen jahr
wath tholl
der machen
thüdothdbahnhor
thechthen jahr
wath tholl
wath tholl
der bursch
wath tholl
der machen
wath tholl
wath tholl
der machen
thechdthen jahr
thüdosthdbahnhof
wath tholl
der machen
der bursch
mit theine
thechdthen jahr


babba

babba
toobaba
toobaba
tohuubaba
tohuubaba
tohuwaababa
tohuwaababa
tohuwaboobaba
tohuwaboobaba
tohuwabohuubaba
tohuwabohuubaba
tohuwaboobaba
tohuwaababa
tohuubaba
toobaba
babba


zeile an 2 zeilen van ARP sich anschliessend

HABEMUS PAPAM
HABEMUS MAMAM
HABEMUS BUBIM


peter frisst seinen weg ins schlaraffenland

petermilchbreiberg
eterpilchbreiberg
tereplchbreiberg
ertepchbreiberg
retephbreiberg
retepbreiberg
mretepreiberg
miretepeiberg
milretepiberg
milcretepberg
milchreteperg
milchbreteprg
mi Ichbrretepg
milchbreretep
milchbreiretep
milchbreibretpe
milchbreiberepet
milchbreiberrpete
milchbreibergpeter


inhalt

um ein gedicht zu machen
habe ich nichts

eine ganze sprache
ein ganzes leben
ein ganzes denken
ein ganzes erinnern

um ein gedicht zu machen
habe ich nichts


contents

i’ve got nothing
to make a poem

a whole language
a whole life
a whole mind
a whole memory

i’ve got nothing
to make a poem


redensart

ich
brech
dich
doch
noch
liebervaterbittebiegmich lieber


sieben kinder

wieviele kinder haben sie eigentlich? -sieber
zwei van der ersten frau
zwei van der zweiten frau
zwei van der dritten frau
und eins
ein ganz kleins
van mir selber


themen

die grossen
themen
kommen
mit den tiefen
einsichten
mein rechter
daumen
wenn ich ihn
ansehe
fordert mich
zum arzt
schon lange
es geht
von i hm
was weg


camping

ein zelt
ein messer
drei leichen

ein kleiner junge
sucht

den papa
die mama
und seinen bruder rudi

er erbt
alles

ein zelt
eih messer
drei leichen


die bitte

lieber gott,
mach mich neu
dass ich mich wieder freu
ob bub oder made’
ob mann oder frau
ist mir egal
nur nicht zu alt
mach mich halt
bitte


das fanatische orchester

der dirigent hebt den stab
das orchester schwingt die instrumente

der dirigent öffnet die lippen
das orchester stimmt ein wutgeheul an

der dirigent klopft mit dem stab
das orchester zerdrischt die instrumente

der dirigent breitet die arme aus
das orchester flattert im raum

der dirigent senkt den kopt
das orchester wühlt im boden

der dirigent schwitzt
das orchester kämpft mit tosenden wassermassen

der dirigent blickt nach oben
das orchester rast gegen himmel

der dirigent steht in flammen
das orchester bricht glühend zusammen


der gelbe hund

der hund wischt sich am hund den mund gern ab
nämlich am hund der er nicht selber ist
wenn aber er allein und hund nur selber ist
wischt gern an sich den mund er selber ab

so hält auch gelb sich lieber auf bei blau
grau grün rot lila -steht jedoch nur gelbes
korn vorn vor gelber villa, gelben himmel drüber
ist auch das gelb sich selbst am liebsten lieber.


ich lernen

mama mich haben ich lernen
vielen jahren vor ihren tod
haben papa ich gleich zeigen was lernen
wenn sein nachhauskommen von büro
sein seither immer ich ich gwesen
niemanden anderen sonst
sein alles was irgendwer sein könn
können aber sein auch wüst und leer


Frühlingsbeginn

weissen ich schneen
frier beissn finger
fussen eis rutschen
nasen ich tropf-tropf


der morgenbauch

der morgenbauch
ist ein geübter brauch.
brauch ich ihn? vielleicht
er mich. schleppt sich dann
den tag qualvoll hinan
wie die piramüden von kittsee.
(erklärung: das erste thema
ist der morgenbauch; das zweite thema
ist der brauch und ich brauch; das
dritte thema ist die piramüden
von kittsee; die durchführung
ist lassig, durchlässig und
ein wenig lästig /für manche/
.)


wanderung

vom vom zum zum
vom zum zum vom

von vom zu vom

vom vom zum zum

von zum zu zum

vom zum zum vom
vom vom zum zum

und zurück


gedichte an die kindheit

1
der seelenhirte

dass alle menschen etwa
eine einzige seele möchten sein,
die reicht, solang sie leben,
in ihre körper hinein
und schnappt, sobald sie sterben,
dann irgendwo zurück
in diesen einzigen grossen seelenleib,
in dieses unvergängliche glück,
das wollte ich gern hoffen.

2
der nebel

der nebel kommt
und legt einen schleier
über die nahen dinge,
die noch zu sehen sind.
über die fernen dinge aber
legt er sich dicht.
ich seh sie nicht
und weiss oft nicht
ob sie überhaupt dort sind.

3
der nebel

der nebel ist das leben,
wenn man es von hinten beginnt.
das möchte manchmal jeder,
zu werden noch ein kind.
ich möchte es immer mehr,
je älter ich werde,
und komme doch immer näher
meiner mutter der erde
was auch heissen kann:
meiner mutter in der erde.

4
die einsamkeit

das muss schon einige zeit her sein,
daB ich Von einsamkeit gelesen habe,
denn längst ist einsamkeit nicht mehr
so fern (von mir),
dass ich es lesen muss
um etwas davon zu hören.
sie geht mir tag und nacht
nicht mehr aus den ohren.

5
die spuren

die spuren, die ich hinterlasse,
sind in mancher schrift
geschrieben und gedruckt.
die luftbewegung der zeit
wischt sie von den seiten
früher oder später
und ich werde mich nicht einmischen.
aber in die erde
werde ich mich einmischen
so tief hinein, so oberflächlich hinein
und, wen es nicht zu tränen rührt,
so lächerlich, aber spurlos,
nämlich eine luftbewegung
ohne eine zeitbewegung.

6
die dankbarkeit
die dankbarkeit ist stets
zur guten tat bereit.
dankbar bin ich nicht immer
und auch nicht für alles.
wer für alles dankbar könnte sein,
müsste einen sehr grossen und edlen mut besitzen,
davon habe ich so wenig
und auch der ist oft nicht gut.
aber ich weiss schon,
dass vor der eigenen dankbarkeit
auch angst habe,
auch sage: warum
sagst du danke? ich habe
dir nichts gutes gebracht.

7
ein roman

ein roman ist eine geschichte
in der
alles zu lang dauert.
das ist ein roman.

8
das dorf

das dorf ist kleiner als die stadt,
aber nicht so klein wie das haus.
es besteht aus mehreren van ihnen.
und jedes ist so arg
sogar bewohnt.

9
der kannibale

der kannibale lebt in einer einfachen hütte
und denkt an gott.

10
niemals war ein weihnachtsmann.
aber das christkind.
der glanz war blendend
wunderbar.
das ganze zimmer war
blendend.
und der schone christbaum und
die vielen schönen sachen.
seit über vierzig jahren
hab ich nicht mehr daran
geglaubt.
aber jetzt beginnt sich
etwas zu ändern.
alles kann mich plötzlich
blenden
nämlich jedes gewöhnliche
ding.
ich halte
nichts in den händen
nach so langer zeit.
aber es ist nicht mehr
so weit bis dorthin
als es schon war .
das wird das ganze
zimmer
in das ich eingesperrt bin
gross und weiss und
blendend wunderbar .

11
der winter

das ganze land ist tief verschneit.
die gelbe wand ist beinah weiss.
der rauch aus dem schornstein ist weiss.
aber die rote ziegelwand bleibt rot.
und meine finger sind fast tot.

12
ein grosser wunsch

ich will zurück
bis in das alter von drei jahren.
damals war ich kerngesund
und hatte angst
nur vor jedem grossen hund.

13
er hat zu jeder alterszeit
die art und weise, wie
er schreibt.
jetzt ist er alt genug
zu schreiben wie ein kind.
jedes gedicht ist jetzt ein
brief an das christkind.

14
mehr nicht

weinend fahre ich nach
haus
wo bin ich denn gewesen?
ich bin in der grossen
stadt münchen gewesen.
mehr steht hier nicht zu
lesen.

15
die bitte

lieber gott,
mach mich neu
dass ich mich wieder freu
ob bub oder mädel
ob mann oder frau
ist mir egal
nur nicht zu alt
mach mich halt
bitte


der gedankenleser

wenn einer mich strenge anschaut
wie ein gedankenleser
sage ich gleich: ja ich habe es getan
aber wenn er meine gedanken wirklich lesen könnte
würde er dort ein grosses NEIN lesen
für das mein mund viel zu klein ist
der ist grad noch gross genug
für das kleine ja


taschen

schau, meine vielen taschen.
in dieser hab ich ansichtskarten.

in dieser zwei uhren.
meine zeit und deine zeit.

in dieser einen würfel.
23 augen sehen mehr als zwei.

du kannst dir denken
was ich an brillen schleppe.


wäscherei

soviel
taschentücher
in einer grossen
wäscherei

und wäscherinnen
wünschen
die nasen
alle
in einen grossen
kessel


von tauben

wie oft-oft
sein ich gesessen vorn vom
weissen papieren und nicht
gefüllen sich haben mit lettern und wörten den
weissen papieren sondern
weissen geblieben es sein;
sondern weissen geblieben es sein. oft-oft
weissen geblieben es sein;
weissen geblieben-weissen geblieben
es sein-es sein. oft-oft
weissen geblieben es sein.

und dann sein rauskommen
gleich forzen übeln ein duft. und ich
auff machen den wind augen (fenestram)
und sein rein-kommen der tauben, vogel-tauben
SCHREIN! und ich sagen haben: sssss-
sein

ölig in seh monin’, wähli wähli ölig
wähli wähli ölig in seh monin’..


my own song

ich will nicht sein
so wie ihr mich wollt
ich will nicht ihr sein
so wie ihr mich wollt
ich will nicht sein wie ihr
so wie ihr mich wollt
ich will nicht sein wie ihr seid
sc wie ihr mich wollt
ich will nicht sein wie ihr sein wollt
sc wie ihr mich wollt

nicht wie ihr mich wollt
wie ich sein will will ich sein
nicht wie ihr mich wollt
wie ich bin will ich sein
nicht wie ihr mich wollt
wie ich will ich sein
nicht wie ihr mich wollt
ich will ich sein
nicht wie ihr mich wollt will ich sein
ich will sein.


nach altem brauch

keiner schliesslich
hat es gewollt

jeder schliesslich
hat es getan

das hort sich an wie lüge
und ist es auch

schritte

der nebel
den berg

der berg
den baum

der baum
das blatt

das blatt
den käfer

der käfer
mich


van wundern der natur

immer wieder
ich zerbreche
heisst das
ein mensch sein
was sonst

der blumen gunst
erreicht
kein menschlich ohr
nur aug
und manchmal
nase

der hunde gunst
gab beinah
immer-kinder
der katzen majestät
ein andres
uns

der vögel auch
in nestern wunderbar
gelbschnäbel weit
die elternvögel
nahrung bringend


alles erinnern

er sich erinnere
an was nicht sei
keinen namen habe
keine gestalt
daher so gut wie jeden
namen so gut wie jede
gestalt annehmen könne


schweizer armeemesser

warum so viele tage, wenn
so wenig ich erinnern kann
von ihnen allen. krachend schlagen
die türen zu, o du gnadenloser
sturm. meine sittiche
flattern schreiend um meinen kopf
und ich perforiere
mit meinem schweizer armeemesser
die blinde haut der vorfahren
die sich über meine zuckende
gestalt will wickeln,
dass meinen augen doch
noch bleibe ein loch, um hinaus
aus dem schrecken zu gucken
in die ewige finsternis

der himmel nimmt die gabe an.
der engel schwebt zur sternenbahn.

der vater reibt die klinge blank.
laut aus der mutter stromt der dank.


der schnitter

es ist ein schnitter, der
schne;det brot und gibt
der frau ein stück
und jedem kind ein stück
und ein stück isst er selber
und dann fragt er
wer hat noch hunger?
und schneidet dann weiter .
einem solchen schnitter
möchtest du wohl gern
einmal begegnen.
ausser er sagt zu dir:
komm her, du brot.


legende

der vater stellt sich breit vor mich.
die mutter schreit: wir lieben dich.

kein zaudern vaters stirne ritzt.
in vaters hand das messer blitzt.

aus mufters nasen rallt ein dampf.
ich weiss um mutters heissen kampf.

herab saust vaters scharfe hand.
ich habe mich als lamm erkannt.

halt ein, befiehlt die mutter schrill.
ich spreche fest: nur wenn gott will.

da rauscht es, dass die luft zerbricht.
der vater auf gefieder sticht.

der engelflügel ist aus erz.
engel fühlen keinen schmerz.

ein lamm hüpft aus des engels hand.
der vater hat den zweck erkannt.

ins lamm der vater treibt den stahl
und unterbricht des opfers qual.


vexierbild

dieses gedicht ist ungedruckt
wenn du es hier gedruckt nicht siehst
und es als ungedrucktes liest


zimmerdecke

es ist eine fliege
seit jahren schon
an dieser stelle
sitzt sie


familiensofa

auf dem familiensofa vielleicht
mit plüsch vielleicht
in vergessenen farben
und einem geschwungenen schwarzen rand aus holz
mit perlmutter eingelegt eine verzierung vielleicht
und es sind darauf gesessen zweifellos
der vater die mutter und das kind
und gewiss auch der grossvater Von mutterseite
denn gewesen Von ihm
sind diese möbel alle
das ganze grosse mobiliar
Wo der vater eingeheiratet hat sozusagen
in den viel früheren tagen.
verstreut zerhackt verbrannt:
kein einrichtungsgegenstand
wird noch bewahrt und verehrt
als von fernher gekommen
über das meer von zeit;
es hat uns alle verschlungen


die seele

mit der einen hand
der knabe zeigt
nach oben
mit der anderen
auf den frischen
grabhügel
und lacht
wenn der grossvater
da unten ist
wie soll er dann
da oben sein

ach ja die seele


vor dem spiegel

gesichter
geschnitten
vor dem spiegel
wie ich jetzt
oft hat
mein vater
denke ich
oft


florians eltern

schöner schöner florian
horchen wir ihm ohren an
küssen wir ihm einen mund
blicken wir ihm augen rund
rudern wir ihm arme dran
tanzen wir ihm beine ran
lieben wir ihm einen mann
schöner schöner florian

für renate und walter höllerer


kommentar

dass niemals
er schreiben werde
seine autobiographie

dass ihm sein leben
viel zu sehr
als dreck erscheine

dass auch nur wenige
punkte, blutige
er noch erinnere

dass aber niemals
er zögern werde
in den dreck zu fassen

um herauszuziehen
was vielleicht
einen stoff abgäbe

für poesie
seinen widerlichen
lebenszweck


reihe

eis
zweig
dreist
vieh
füllf
ächz
silben
ach
neu
zink


ende der schmach

nur einen einzigen jeder
muss tothaben wollen
damit das ganze an welt
wegfällt

so ist es gewesen
so wird es sein
keiner tritt in bekanntes
keiner in fremdes ein

die unendlichkeit vorher
die unendlichkeit danach
erde tilge die zeit
die die ewigkeit unterbrach

ich ersticke an mir .
meine kehle schnürt mir die kehle.
meine augen löschen meine augen aus.
mein herz sticht mich ins herz.


hund-sein

hund
ein zeitlang
wartet

auf gross-sein
mensch-sein
wartet

warten
dann
vergisst

jetzt erst
richtig
hund-ist


menschenfleiss

ein faulsein
ist nicht lesen kein buch
ist nicht lesen keine zeitung
ist überhaupt nicht kein lesen

ein faulsein
ist nicht lernen kein lesen und schreibel
ist nicht lernen kein rechnen
ist überhaupt nicht kein lernen

ein faulsein
ist nicht rühren keinen finger
ist nicht tun keinen handgriff
ist überhaupt nicht kein arbeiten

ein faulsein
solang mund geht auf und zu
solang luft geht aus und ein
ist überhaupt nicht


nepomuk

nepomuk würde nicht jeder
als namen geben seinem sohn
auch wenn er davon heili würde
heilig der vater
oder heilig der sohn
oder heilig beide
keiner hat es sehr eilig
heilig zu sein
und es wäre für den sohn
nepomuk der name vielleicht
seines lebens bürde


eulen

bist eulen
ja
bin eulen
jaja
sehr eulen

bist auch eulen
ja
bin auch eulen
sehr eulen
jaja

will aber nicht mehr eulen sein
bin schon zu lang eulen gewesen

will auch nicht mehr eulen sein
bin auch schon zu lang eulen gewesen

ja
mit dir da
mit dir da auch
bin nicht mehr eulen ja
bin nicht mehr eulen auch
jaja
ja ja auch

doch wer einmal eulen war
der wird eulen bleiben immer
ja

ja ja


50×70 aug 2025 tor femmes

der zunge stampfen (1-6)

1 die last

ich trage
was ich trage
auch wenn dafür
ich nicht gebaut bin;
dann fall ich eben hin
und rüttele mich auf
und nehm das bündel wieder auf;
ader bleibe liegen
bis auf mir die last
über mich entschieden hat.

2 die steuer

die steuer kammt
und nimmt mir etwas
van dem geld
das ich verdient habe;
womit?
mit ein paar gedichten vielleicht
bei denen jedem geldmann
es kalt über den rücken schleicht.

3 einsperren

ihr werdet rnich noch
einsperren, ihr werdet rnich noch
in euer schönes
gefängnis bringen;
dort darf ich dann singen
und springen
im angesicht der wand
an die ihr rnich stellen werdet
um mich abzuknallen;
die schusse jetzt im iran
gelten uns allen.

4 sehr kurz

ich mache es sehr kurz
wie ein lendenschurz
nie hättet ihr mich zwingen sollen zu verbergen
was darunter ist
unter diesem tüchlein
ich meine vater und mutter mein
und die schergen mit den kastrations-messern

5 der zunge stampfen

wäre ich noch aufgeregt
würde bald das stampfen
der zunge ich vergessen

so aber brütet mich der bär
der niemals aus dem mund mir spränge
allgewaltig in die länge; wer wär

vor ruslands drängen gefeit; keinerlei
idylle über seine kleinen hauser schneit

die noch aus holz sind, aus der zeit
von tolstoi und dostojewski

6 glöckel

der glöckel wird beenden dies gedicht; der glocke
glöckel; er, der glöckel der glocke, sobald er
einbricht, wird
dieses gedicht beenden; schon sehr nah ist
dieser entwurf einer intervention; die schonungs-
losen rütteln an den türen schon, unhörbar. bis jetzt
unhörbar, aber dann kommen
glasfüllungen und zigarettenverräte, die bis
in die innersten schonungen dieses schon weithin
aufgezehrten herzens voranrücken. und es wird
glücken der glockenschlag, nein klingelton
an der von mir zu offnenden wohnungstür –


bibliothek

die vielen buchstaben
die nicht aus ihren wörtern können

die vielen wörter
die nicht aus ihren sätzen können

die vielen sätze
die nicht aus ihren texten können

die vielen texte
die nicht aus ihren büchern können

die vielen bücher
mit dem vielen staub darauf

die gute putzfrau
mit dem staubwedel


loch
loch
loch doch
so loch doch
so loch doch schon
so loch doch
lochdoch
loch

Och loch müch kronk


werbetext

deinl katteel
seinl katteel
schmeckt! nicht!

unserl
euerl
ihrl katteel
schmeckt! nicht!

esl
schmeckt!
nurl

MEINL KAFFEEL


der schweiss

aus allen poren bricht der schweiss
ader wenigstens aus vielen
wer kann sie zählen
wenn ihm plötzlich so heiss ist
dass er ganz nass ist

o wäre es bloss die aussenhitze
die den körper so schwitzen macht
aber oft ist es eine innere macht
die das schwitzen verursacht
eine innenhitze doch kein fieber

da wischt das taschentuch die stirn
die wangen und die nase auch
und der schweiss ergiesst sich weiter
sammelt sich zu grossen tropfen
und die trockenen menschen schauen zu

oft beim friseur sogar denkst du
hoffentlich wirst du nicht schwitzen
und dann sitzt du im schweren sessel
spürst den friseur an deinen haaren
und dein kopf ist schweissbedeckt

ohne beisein der trockenen anderen
geschieht es viel weniger oft
aber bei der ersten zusammenkunft
mit einem machtigen lebhaften menschen
passiert es fast immer

das hosenbein verbirgt wirksam
die nassen schenkel das nasse knie
ungesehen auch bleibt was vorgeht in der jacke
aber der hemdkragen trägt deutliche spuren
und in den brillen steht das wasser

wen haben Sie da vor sich?
werden Sie denken
und dabei in das nasse gesicht sa ruhig blicken
als begänne für Sie ein gespräch
mit dem trockensten der trockenen


bewegung

dass mit dem taschentuch, obwohl
in tränen nicht, er sich
die augen wische. er nicht wünsche
in winkeln weissliches.


auf dem land

rininininininininDER
brüllÜllüllüIlüllüllüllüllEN

schweineineineineineineineinE
grununununununununZEN

hununununununununDE
bellellellellellellellellEN

katatatatatatatatZ E N
miauiauiauiauiauiauiauiauEN

katatatatatatatatER
schnurrurrurrurrurrurrurrurrEN

gänänänänänänänänSE
schnattattattattattattattattERN

ziegiegiegiegiegiegiegiegEN
meckeckeckeckeckeckeckeckERN

bienienienienienienienienEN
summummummummummummummummEN

grillillillillillillillillEN
ziriririririririrPEN

fröschöschöschöschöschöschöschöschE
quakakakakakakakakEN

hummummummummummummummummELN
brummummummummummummummummEN

vögögögögögögögögEL
zwitschitschjtschitschitschjtschitschjtschERN


im schlaf

er traf einen baum.
er baute darunter sein haus.
er schnitt aus dem baum
einen stock heraus.
der stock wurde seine lanze.
die lanze wurde sein gewehr.
das gewehr wurde seine kanone.
die kanone wurde seine bombe.
die bombe traf sein haus und riss
den baum an den wurzeln aus.
er stand dabei und staunte,
aber auf wachte er nicht.


so ein trost

wer es nicht mehr ganz so gut kann
wer es nicht mehr so ganz kann
wer es nicht mehr so gut kann
wer es nicht mehr ganz kann
wer es nicht mehr gut kann
wer es nicht mehr so kann
wer es nicht mehr kann

für den tun es andere
ja für den tun es andere
für den tun es ja andere
für den tun es andere ja
für den tun es ja andere ja
ja für den tun es ja andere ja

dutzendfach
hunderfach
tausendfach
millionenfach
ja
millionenfach

so ein trost


der verschluss

der verschluss muss immerzu fest schliessen
ein konservendeckei und darf nicht aufgehen
aber sich offnen lassen muss fast jeder
verschluss doch ein verschlossener mensch
ist auch fast ein jeder den man soll
nicht aufmachen nur bei operation
wo der chirurg es gewohnt ist zu sagen
ich weiss nicht wo soll ich den aufmachen
und die operationsschwester zeigt hin
an irgendeine stelle eine gute idee
sagt der chirurg hier wollen wir also
ein loch machen


zweierlei handzeichen

ich bekreuzige mich
vor jeder kirche
ich bezwetschkige mich
vor jedem obstgarten

wie ich ersteres tue
weiss ieder katholik
wie ich letzteres tue
ich allein


die kühe

ein wenig liebesersatz mein schatz
und schon kommen herangeschwommen die gedichte
Ober das bleiche blatt die biegsame eckige hostie DIN A 4
schwebend auf den zungen der verdorrten
dichter aller christlichen nationen
eingespannt in den leichenwagen meiner schreibmaschine
während eine nach der anderen die tretminen explodieren
unter den hufen der kühe, angetrieben von den amerikanern
in unsere richtung, worauf wir
endlich wieder fleisch in unserem essen verspüren


lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht
velwechsern.
werch ein illtum!


versenken

diese gedichte sind nicht zum laut lesen
sondern zum sich darein versenken
und die goschen zu halten was ein mund ist
wenn aber die galoschen nicht mehr dicht sind
kann ja in patschen man neben dem ofen sitzen
und sinnend das gedicht betrachten worauf
warme freude einkehren wird in das herz
des poesiefreundlichen stubenhockers
den der schnee nicht dazu verlocken kann
feuchte socken sich zu holen


blanko

blanko heisst es ist der sehnsucht
ein unbeschriebenes blatt aus den handen getallen
denn wenn sie daraut schliefe wäre fett
weder speise noch der kragen des alten mantels
wovor man sich hüte und mützen
nicht vom kopte reisst der sperling sich den adlerdreck


ottos mops

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto:soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopt!
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott


sieben weltwunder

und das wievielte bin ich?
und das wievielte bist du?
und das wievielte ist die kuh?
und das wievielte ist der uhu?
und das wievielte ist das känguruh?
und das wievielte ist der marabu?
und wieviele bleiben übrig l
wenn es den marabu und das känguruh und den uhu
und die kuh und dich und mich
einmal nicht mehr gibt?


der horizont

für jean améry

der horizont ist nur ein strich
der rutscht immer tiefer herunter
er tut es langsam
darüber erscheint kein himmel


the flag

a fleck
on the flag
let’s putzen

a riss
in the flag
let’s nähen
where’s the nadel
now
that’s getan
let’s throw it
werfen

into a dreck

that’s
a zweck


noch eins

noch eins, sag ich und schlich mich schon davon
was also, hab ich eins gesagt, bin dann geschlichen
oder hab ich, schon schleichend, eins gesagt
verbleichend nämlich, oder schon verblichen


der erfolg

der erfolg macht manchen gross
indem er ihn in die welt bringt
und ihm geld bringt
alle werden aufmerksam auf ihn
er geht hin und kauft sich alles
und am ende ist er hin


der regen

der regen hat keinen wie immer gearteten durst
er kann sich auch nicht gut selbst trinken
er kann nicht einmal an das trinken denken
weil er überhaupt nicht denken kann
das ist die allgemeine meinung
er ist eine viel beachtete erscheinung
die man am besten unter dach verbringt


der grazer

der grazer hat vermutlich
weniger farbe ader mehr
als der wiener
eine gute gesichtsfarbe
deutet auf ein wohlbefinden hin
eine gute stiefelfarbe
passt zum selbstbewussten schritt


das kloster

wer nicht darinnen sein will
hat manchmal trotzdem eine bedeutende stellung
das kloster ist ein panzer
es macht das herz der welt
unverletzlich
ausserhalb des klosters ist es auch
aber oft unverlässlich


das grune glas

man kann im grünen glas
sehr schon schwimmen
wenn man klein genug ist
zum beispiel eine mücke


die krise

die krise ist ein riese
der in jedem zwerg platz hat
das ist für einen jeden sehr ärgerlich
wenn so ein riese in ihm sitzt
er denkt tagein tagaus
wie bring ich den riesen bloss hinaus
ja er denkt ununterbrochen
an seine krise
manchmal tut er es jahrelang


der krieg

der krieg ist hier und jetzt
ein verklungenes lied
wem noch die ohren davon sausen
der weiss wenigstens
daB er draussen war
der krieg ist inzwischen ganz weg
aber er blieb unverletzt


das bleiben

das bleiben kann ein sitzenbleiben
oder ein stehenbleiben sein
es kann auch ein liegenbleiben sein
ein zuhause bleiben oder ein draussen bleiben
es gibt so viele arten Von bleiben
aber keine hält ewig
das ist manchmal gut
aber manchmal schade


die klage

die klage ist eine sage
und eine höre
oder sie ist eine schreie
oder eine weine
aber eine höre ist sie immer
nämlich wenn sie iemand hört


die bürste

die bürste fährt das leder blank
oder staubfrei hut und hose
oder sauber die zähne
es ist nicht immer die eine bürste
die das alles tut
sondern es sind meist verschiedene
die meisten bürsten sind auch gut


die wunde

die wunde wird geschlagen
oder gestochen
oder geschossen
von einer sekunde zur nächsten
und dauert dann oft lange
langsame wunden erzeugt der sadist
bis er damit zufrieden ist
an die heilung denken müssen andere
was aber auch nicht immer hilft
(für kleine wunden hansaplast
immer bereithalten!)


kindersprache

wenn ich ietzt spreche wie ein kind
weiss ich garnicht ob ich iemand finde
der sich das anhören möchte

denn ich spreche ia ietzt nicht als kind
weil ich dazu schon viel zu alt bin

aber vielleicht ist es auch ganz egal
ob sich iemand das anhören möchte
wenn es mir nur eine freude macht

und ich dann weniger griesgrämig bin
bei den anderen


der unlogische knabe

wie meine mutter mir gesagt hat
wie das mit den kindern ist
hab ich mir gedacht: wie schade
dass ich keine frau werde

ich hab mir nicht gedacht: wie schade
dass ich kein mädchen bin
denn ein mädchen sein wollte ich nie
obwohl es anders nicht gegangen wäre

man sieht daran der knabe
hat nicht logisch gedacht
aber was er dann als mann gemacht hat
ist eine ganz andere geschichte


frass

manche hatten sich verkrümmt
oder verkrümelt.
das ist ganz unterschiedlich.
aber gefressen
hat es von beiden.
und zwar nicht nur angeknabbert
wie kaninchen den krautkopf.
sondern ganz gewaltig.


unsagbar

die dummheit ist eine eigene art
von gescheitheit. Sie ist
ein grad davon, eine temperatur .
wirklich dumm ist nur, wer glaubt
immer kann sommer sein, zum im freien baden,
oder immer kann winter sein, zum schifahren.


schwer

keiner soll sich schämen
weil er einen schweren fuss hat
der nicht mehr so lang wandern
gehen oder stehen kann

keiner soll sich schämen
weil er eine schwere hand hat
die nicht mehr so flott hämmern
schrauben oder schreiben kann

keiner soll sich schämen
weil er einen schweren verstand hat
etc.


der mensch

der mensch hat vieles von dem tier
aber doch nicht alles.
das kann aber vom tier
hinaufgewachsen sein.
schöner ist es aber schon
sich zu denken, dass es von oben kam.
dann muss man sich aber auch denken
dass vieles tief von unten kam
nämlich unterhalb des tieres.
dann hat man gott
aber man braucht auch den teufel.


an gott

dass an gott geglaubt einstens er habe
fürwahr er das konne nicht sagen
es sei einfach gewesen gott da
und dann nicht mehr gewesen gott da
und dazwischen sei garnichts gewesen .
jetzt aber er müsste sich plagen
wenn jetzt an gott glauben er wollte
garantieren für ihn konnte niemand
indes vielleicht eines tages
werde eintach gott wieder da sein
und garnichts gewesen dazwischen


der zusammenbruch

mehrmals in sein leben brach
vater zusammen aut der strass

er dacht gerne sich urnringt
von ein schar von enkelkind

beifünt kindern sah er vier
mit philipp sähe er schon fünt

er lag paar tag ohne bewusst
kam nicht zurück und sterben musst

der sohn der ich von ihm noch bin
hat seinen und seinen tod im sinn


die brille

die brille kommt
in sein gesicht
oft schon dem kind

sieht es dann wie
sein vater aus
spürt es den stolz

fällt sie und bricht
den nachteil merkt
gar bald das kind

as freie aug
mit scharter sicht
wär ihm jetzt lieb

die scharte sicht
ohne behelf
kehrt nie zurück


der schatten

der schatten schlägt sein dunkles schwert
zwischen mich und die welt als ein drittes
das ich ebensowenig begreife. ich schleppe
den schatten herum. er hängt an meinen
füssen, aber ohne geräusch, auch wenn an alles
er anstosst. die welt hingegen
macht einen grausamen lärm, und ich selbst
kann nicht still sein, ehe das dunkle schwert
durch die kehle mir fährt; dann wird es ohne
beispiel sein, schatten allein.


von papieren

tausende noch von papieren sollst zerschreiben du
kein glas zerbrechen an finken, den spiegel tönen
nach frost begehren und verzweigen du
an bündeln von zeitungen. der leben fuhre fürchtet
den narrenpass, verzittert als eingemelkte zitronenschote
ein blaues diadem, dein kuss an frettchen, so raschelt
durchs laub des schriftenbaums dein gewürztes bett.
und schreist nach gedichten du, stumpffingrig kehlensturz
wo wird was war sich neu dir zeigen, im feuer nur
als kleiner kegelmann der mit lettern verbrennt.


von wörtern

erwarte
von wörtern nichts
sie tun es nicht
für dich
sie kommen
gierig
überschwemmen dich
und dein papier
nicht was sie dir
antun
doch was du dem geringsten
von ihnen
angetan
kann
etwas sein


begegnen

ich begegne menschen
die ich nicht gekannt habe

die meisten bleiben menschen
die ich nicht kenne


unsagbar

so voll
gefüll
von njcht
sagbarem
un-
sagbarem

simplen wörtern wie
angst
kjndergeschrei
ein poltern
düsterkeit

wörtern für meine
welt

dass ich sie hinstelle
in gedichten

dass ich sie hineinbelle
in die stille


Im Schlaf

er traf einen baum.
er baute darunter sein haus.
er schnitt aus dem baum
einen stock heraus.
der stock wurde seine lanze.
die lanze wurde sein gewehr.
das gewehr wurde seine kanone.
die kanone wurde seine bombe.
die bombe traf sein haus und riß
den baum an den wurzeln aus.
er stand dabei und staunte,
aber auf wachte er nicht.

Ernst Jandl


Plaats een reactie

Deze site gebruikt Akismet om spam te bestrijden. Ontdek hoe de data van je reactie verwerkt wordt.