Celan vertaalt Ungaretti (3)



ULTIMI CORI PER LA TERRA PRO MESSA

1

Agglutinati all’oggi
I giorni del passato
E gli altri che verranno.

Per anni e lungo secoli
Ogni attimo sorpresa
Nel sapere che ancora siamo in vita,
Che scorre sempre come sempre il vivere,
Dono e pena inattesi
Nel turbinío continuo
Dei vani mutamenti.

Tale per nostra sorte
II viaggio che proseguo,
In un battibaleno
Esumando, inventando
Da capo a fondo il tempo,
Profugo come gli altri
Che furono, che sono, che saranno.


LETZTE CHÖRE FÜR DAS VERHEISSENE LAND

Angefügt, nahtlos, ans Heute
die Tage gestern,
die Tage morgen.

Jahre, Jahrhunderte hin, jeden Nu
das Noch-am-Leben-Sein als Überraschung,
das Immer-und-immer-Dahin des Lebens,
Geschenke, so unverhofft wie Pein,
im unaufhörlichen Wirbel
all des vergeblichen Wechsels.

So, durch unser Geschick,
meine Reise und Weiterreise,
im Handumdrehn
grab ich die Zeit aus, erfind sie
vom Grund bis zum Scheitel,
ein Flüchtling, den andern gleich,
die waren, die sind, die sein werden.



2

Se nell’incastro d’un giorno nei giorni
Ancora intento mi rinvengo a cogliermi
E scelgo quel momento,
Mi tornerà nell’animo per sempre.

La persona, l’oggetto o la vicenda
O gl’inconsueti luoghi o i non insoliti
Che mossero il delirio, o quell’angoscia,
O il fatuo rapimento
Od un affetto saldo,
Sono, immutabili, me divenuti.

Ma alla mia vita, ad altro non piú dedita
Che ad impaurirsi cresca,
Aumentandone il vuoto, ressa di ombre
Rimaste a darle estremi
Desideri di palpito,
Accadrà di vedere
Espandersi il deserto
Sino a farle mancare
Anche la carità feroce del ricordo?


2

Ein Tag, der sich verfugt in die Tage: wenn ich,
noch darauf bedacht, mich darin versammle, mich darin
wiederfinde und wähle nun diesen Nu,
so prägt er sich meinem Sinn ein für immer.

Person, Gegenstand, Begebnis,
Orte unheimlich und Orte nicht unvertraut,
die den Wahn schürten, oder die Angst,
oder Verzückungen obenhin,
oder Herzliches, stark:
sie sind ich geworden, unverrückbar.

Doch meinem Leben, dem Selbsterschrecken und sonst
keinem geweiht: es wächst ihm zu,
die Leere erweiternd, ein Schattengedränge,
übriggeblieben, ihm letzte
Sehnsuchtspulse zu leihen,
wird ihm zuteil
der Anblick der expandierenden Wüste,
bis ihm auch dieses abgeht: die Raubtier-
Barmherzigkeit der Erinnrung?


3

Quando un giorno ti lascia,
Pensi all’altro che spunta.

È sempre pieno di promesse il nascere
Sebbene sia straziante
E l’esperienza d’ogni giorno insegni
Che nel legarsi, sciogliersi o durare
Non sono i giorni se non vago fumo.


3

Wenn ein Tag dich daläßt,
denk du an den, der anbricht.

Stets ist Geburt voll Verheißung,
auch wo sie reißt an den Herzen,
auch wo das täglich Erfahrene lehrt,
es seien im Sichbinden, im Sichlösen, im Dauern
die Tage Rauch, der verfließt.


4

Verso meta si fugge:
Chi la conoscerà?

Non d’Itaca si sogna
Smarriti in vario mare,
Ma va la mira al Sinai sopra sabbie
Che novera monotone giornate.


4

Auf ein Ziel hält die Flucht zu:
wer kennts?

Nicht von Ithaka träumt sichs,
ihr auf wechselnden Meeren Verirrte,
es steht der Sinn nach Sinai-über-den-Sanden,
der zählt Einerlei-Tage.


5

Si percorre il deserto con residui
Di qualche immagine di prima in mente,

Della Terra Promessa
Nient’altro un vivo sa.


5

Die Wüste durchqueren mit Resten
einiger Bilder von einst im Sinn,

vom Gelobten Land:
nichts sonst weiß ein Lebender von ihm.


6

All’infinito se durasse il viaggio,
Non durerebbe un attimo, e la morte
È già qui, poco prima.

Un attimo interrotto,
Oltre non dura un vivere terreno:

Se s’interrompe sulla cima a un Sinai,
La legge a chi rimane si rinnova,
Riprende a incrudelire l’illusione.


6

Die Reise, hielt’ sie auch unendlich vor,
sie währte keinen Nu, und der Tod
ist schon zur Stelle, kurz davor.

Ein Augenblick, unterbrochen –
kein Leben, irdisch, dauert über ihn hinaus:

brichts ab, auf Sinaigipfeln,
wer da bleibt, ihm erneuert sich das Gesetz,
abermals wütet die Täuschung.


7

Se una tua mano schiva la sventura,
Con l’altra mano scopri
Che non e il tutto se non di macerie.

È sopravvivere alla morte, vivere?

Si oppone alla tua sorte una tua mano,
Ma l’altra, vedi, subito t’accerta
Che solo puoi afferrare
Bricioli di ricordi.


7

Umgeh das Unglück mit der einen Hand,
du entdeckst mit der andern:

es ist das Ganze Schutt, sonst nichts.

Den Tod überleben, soll das heißen: leben?

Es geht die eine deiner Hände an gegen dein Los,
doch gleich, sieh her, da vergewissert dich die andre,
daß du dir bloß das eine greifst:
Erinnrungskrümel.


8

Sovenre mi domando
Come eri ed ero prima.

Vagammo forse vittime del sonno?

Gli atti nostri eseguiti
Furono da sonnambuli, in quei tempi?

Siamo lontani, in quell’alone d’echi,
E mentre in me riemergi, nel brusío
Mi ascolto che da un sonno ti sollevi
Che ci previde a lungo.


8

Oft frag ich mich,
wie du wohl warst, wie ich war, früher.

Ob wir dahintrieben, Opfer des Schlafs?

Damals, alles Getane –
wars Schlafwandlerwerk?

Fern, im Echohof, sind wir,
in mir tauchst du herauf, aufs neue, ich höre
mich im Gewisper, das hebst du aus einem Schlaf,
der sah uns voraus, lang schon.


9

Ogni anno, mentre scopro che Febbraio
È sensitivo e, per pudore, torbido,
Con minuto fiorire, gialla irrompe
La mimosa. S’inquadra alla finestra
Di quella mia dimora d’una volta,
Di questa dove passo gli anni vecchi.

Mentre arrivo vicino al gran silenzio,
Segno sarà che niuna cosa muore
Se ne ritorna sempre l’apparenza?

O saprò rinalmente che la morte
Regno non ha che sopra l’apparenza?


9

Jahraus, jahrein, sooft ich entdecke, daß
der Februar ein Empfindsamer ist, ein Schamverwirrter,
ist, ein Tupfenflor, mit einemmal gelb
die Mimose da. Sie steht ins Fenster
der Wohnstatt von einst,
der Wohnstatt hier, wo ich die alten Jahre hinbring.

Sollte sie, da ich neben das große Schweigen zu stehn komm,
ein Zeichen sein dafür, daß nichts stirbt,
das, sein eigener Schein, zurück- und zurückkommt?

Oder erfahr ich am Ende, es habe der Tod
über eins nur Gewalt: den Schein?


10

Le ansie, che mi hai nascoste dentro gli occhi,
Per cui non vedo che irrequiete muoversi
Nel tuo notturno riposare sola,
Le tue memori membra,
Tenebra aggiungono al mio buio solito,
Mi fanno piú non essere che notte,
Nell’urlo muro, notte.


10

Die sehnenden Ängste, die du mir verborgen hast drin in den Augen,
bewirken, daß ich sie nicht sehe in ihrer Unrast
auf deinem Nachtlager, Einsame:
deine erinnernden Glieder,
meinem Dunkel setzen sie Finsternis zu,
das macht, ich bin nur noch Nacht,
im stummen Schrei, Nacht.


11

È nebbia, acceca vaga, la tua assenza,
È speranza che logora speranza,

Da te lontano piú non odo ai rami
I bisbigli che prodigano foglie
Con ugole novizie
Quando primaverili arsure provochi
Nelle mie fibre squallide.


11

Nebel dein Fortsein, vage Blendung,
Hoffnung, Hoffnung zerrüttend,

weitab von dir hör ich das Laub
nicht flüstern und sich verflüstern im Baum,
mit Neulingsstimmen,
wenn du Frühlingsbrand schürst
in meinen Elendsfibern.


12

L’Ovest all’incupita spalla sente
Macchie di sangue che si fanno larghe,
Che, dal fondo di notti di memoria,
Recuperate, in vuoto
S’isoleranno presto,
Sole sanguineranno.


12

Der Westen – auf dunkelnder Schulter fühlt er
Blutflecken, die wachsen sich aus,
die werden, heraufgeholt
aus Erinnerungsnächten,
sich vereinzeln im Leeren, schleunigst,
bluten, für sich.


13

Rosa segreta, sbocci sugli abissi
Solo ch’io trasalisca rammentando
Come improvvisa odori
Mentre si aiza il lamento.

L’evocato miracolo mi fonde
La notte allora nella notte dove
Per smarrirti e riprenderti inseguivi,
Da libertà di piú
In piú fatti roventi,
L’abbaglio e l’addentare.


13

Geheime Rose, öffnest dich überm Abgrund,
nur daß ich auffahr, erinnernd,
wie du Düfte herzauberst,
während es aufklagt.

Das heraufgerufene Wunder schmilzt mir
die Nacht in die Nacht nun, wo du,
irrezugehn und dich wiederzufinden, aus warst nach
ihnen, den von der Freiheit
rot- und rötergeglühten:
Blendung und Zähne-Zugriff.


14

Somiglia a luce in crescita,
Od al colmo, l’amore,

Se solo d’un momento
Essa dal Sud si parte,
Già puoi chiamarla morte.


14

Dem Lichtwuchs, gipfelhin, ihm
gleicht die Liebe,

kaum löst sie vom Süden sich, schon
kannst du sie so nennen:
Tod.


15

Se voluttà li cinge,
In cerca disperandosi di chiaro
Egli in nube la vede
Che insaziabile taglia
A accavallarsi d’uragani, freni.


15

Gürtet Lust sie aneinander,
erblickt, auf verzweifelter Helligkeitssuche,
er im Gewölk sie,
da, unersättlich, zerschneidet
sie den sich jagenden Stürmen die Zügel.


16

Da quella stella all’altra
Si carcera la notte
In turbinante vuota dismisura,

Da quella solitudine di stella
A quella solitudine di stella.


16

Stern-zu-Stern, zwischenein
kerkert die Nacht sich,

Unmaß, kreisendes, leeres,
von dieser Sterneinsamkeit
zu jener Sterneinsamkeit.


17

Rilucere inveduto d’abbagliati
Spazi ove immemorabile
Vita passano gli astri
Dal peso pazzi della solitudine.


17

Erglänzen, ungesehn, von geblendeten
Räumen, wo die Gestirne
unvordenkliches Leben hinbringen, von
der Wucht der Einsamkeit irr.


18

Per sopportare il chiaro, la sua sferza,
Se il chiaro apparirà,

Per sopportare il chiaro, per fissarlo
Senza battere ciglio,
AI patire ti addestro,
Espio la tua colpa,

Per sopportare il chiaro
La sferza gli contrasto
E ne traggo presagio che, terribile,
La nostra diverrà sublime gioia!


18

Die Helle zu ertragen, den Geißel-
hieb, wenn die Helle aufscheint,

die Helle zu ertragen, unverwandten
Blicks, ohne Wimpernschlag,
leid ich dich zu,
büß ich ab deine Schuld,

die Helle zu ertragen,
geißl’ ich zurück
und weiß voraus: furchtbar
wandelt sich unsre Freude zur höchsten.


19

Veglia e sonno finiscano, si assenti
Dalla mia carne stanca,
D’un tuo ristoro, senza tregua spasimo.


19

Kein Wachen mehr und kein Schlafen und abwesend
sei mir aus meinem müden
Fleisch der pausenlos quälende Wunsch
nach Stärkung von dir her.


20

Se fossi d’ore ancora un’altra volta ignaro,
Forse succederà che di quel fremito
Rifrema che in un lampo ti faceva
Felice, priva d’anima?


20

Ein abermals Stundenvergeßner – war ichs, vielleicht daß von da her
das Beben mich neu überbebte, jenes,
das dich im Nu beseligte, Seelen-
lose.


21

Darsi potrà che torni
Senza malizia, bimbo?

Con occhi che non vedano
Altro se non, nel mentre a luce guizza,
Casta l’irrequietezza della fonte?


21

Sollt es so kommen, daß ich
arglos verkinde?

Und habe Augen, die sehn bloß,
ein zuckendes Licht lang,
die Unrast, keusch, einer Quelle?


22

È senza fiato, sera, irrespirabile,
Se voi, miei morti, e i pochi vivi che amo,
Non mi venite in mente
Bene a portarmi quando
Per solitudine, capisco, a sera.


22

Nicht atembar der Abend, kein Lufthauch,
wenn ihr, meine Toten, und ihr gezählte Lebende, die ich liebe,
mir nicht in den Sinn kommt,
glückbringend, während
ich begreife, aus Einsamkeit, abends.


23

In questo secolo della pazienza
E di fretta angosciosa,
AI cielo volto, che si doppia giú
E piú, formando guscio, ci fa minimi
In sua balía, privi d’ogni limite,
Nel volo dall’altezza
Di dodici chilometri vedere
Puoi il tempo che s’imbianca e che diventa
Una dolce mattina,
Puoi, non riferimento
Dall’attorniante spazio
Venendo a rammentarti
Che alla velocità ti catapultano
Di mille miglia all’ora,
L’irrefrenabile curiosità
E il volere fatale
Scordandoti dell’uomo
Che non saprà mal smettere di crescere
E cresce già in misura disumana,
Imparare come avvenga si assenti
Uno, senza mai fretta né pazienza
Sotto veli guardando
Fino all’incendio della terra a sera.


23

In diesem Jahrhundert der Geduld
und der bangen Eile,
dem Himmel zugewandt, der sich
nach untenhin doppelt und kammert
und uns, die in seiner Gewalt Befindlichen,
verwinzigt und entgrenzt,
kannst du im Höhenflug, zwölf Kilometer
über der Erde, die Zeit sehn,
wie sie sich weiß färbt und zum
milden Morgen wird,
kannst du – es kommt
aus dem Raum rundum nichts,
das dich erinnerte, daß sie
dich hochschleudern mit
einer Geschwindigkeit von
tausend Meilen pro Stunde,
und du vergißt
die unbezähmbare Neugier
und das fatale Wollen des Menschen,
der das Wachsen nicht lassen kann
und schon wächst in unmenschlichem Maß -,
kannst du lernen, wie’s kommt, daß einer
fortgeht, ohne Eile und ohne Geduld,
und sieht zu, hinter Schleiern,
bis zum Entbrennen der Erde, abends.


24

Mi afferri nelle grinfie azzurre il nibblo
E, all’apice del sole,
Mi lasci sulla sabbia
Cadere in pasto ai corvi.

Non porterò piú sulle spalle il fange,
Mondo mi avranno il fuoco,
I rostri crocidanti
L’azzannare afroroso di sciacalli.

Poi mostrerà il beduino,
Dalla sabbia scoprendolo
Frugando col bastone,
Un ossame bianchissimo.


24

Es soll mich greifen, mit seinen blauen Fängen, der Geier,
und mich, wenn die Sonne zuhöchst steht,
in den Sand fallen lassen,
ein Rabenfraß.

Kein Schlamm mehr auf meinen Schultern,
rein, so haben mich die Feuer,
die krächzenden Schnäbel,
die Pestzähne der Schakale.

Dann kommt der Beduine daher,
mit dem Stöberstock,
und klaubts heraus aus dem Sand:
ein Gerippe, weißer als weiß.


25

Calava a Siracusa senza luna
La notte e l’acqua plumbea
E ferma nel suo fosso riappariva,

Soli andavamo dentro la rovina,

Un cordaro si mosse dal remoto.


25

Es kam die Nacht herunter, mondlos,
auf Syrakus, und das Wasser, bleiern
und stet, war wieder da, im Graben,

wir schritten durch die Trümmer, unbegleitet,

ein Seiler in der Ferne rückte näher.


26

Soffocata da rantoli scompare,
Torna, ritorna, fuori di sé torna,
E sempre l’odo piú addentro di me
Farsi sempre piú viva,
Chiara, affettuosa, piú amata, terribile,
La tua parola spenta.


26

Weggeröchelt,
da, wieder da, außer sich wieder da,
tiefer in mir und tiefer, ich hör es,
reger, lebendiger,
heller, inniger, stärker geliebt, furchtbar:
dein Wort, das erloschne.


27

L’amore piú non è quella tempesta
Che nel notturno abbaglio
Ancora mi avvinceva poco fa
Tra l’insonnia e le smanie,

Balugina da un faro
Verso cui va tranquillo
II vecchio capitano.


Roma, 1952-1960


27

Kein Sturm mehr die Liebe,
wie er mich jüngst, inmitten
nächtlicher Blendung in Fesseln schlug zwischen
Ohne-Schlaf- und Getriebensein,

ein Blinken ist sie, vom Leuchtturm,
das steuert er an, gelassen,
der alte Kapitän.


Rom, 1952-1960